Warten sucks %&$!!*#§

Wenn ich mir die Momente, in denen ich bisher Warten musste, in Erinnerung rufe, dann komme ich zu einem eindeutigen Ergebnis: Warten sucks und zwar gehörig!! Warten auf den Bus, auf Besuch, auf den Urlaub, auf die Prüfung, auf Weihnachten, auf das Wochenende, auf den Geburtstag, auf den Liebsten, auf den Umzug, auf den Sommer…diese Liste ließe sich endlos fortsetzen…das macht überhaupt keinen Spaß!

Nun lassen sich fünf bis zehn Minuten, die man auf den Bus wartet, aushalten, auch der Geburtstag ist ja nunmal ein bestimmter Tag, das Warten somit absehbar. Aber die Dimension von Warten, die aktuell in unser Leben getreten ist, geht mir gerade ordentlich auf den Zeiger. Wir wissen nicht, worauf wir warten, wir wissen nicht, wie lange wir noch warten, wir wissen nicht, ob das Warten überhaupt einen Zweck hat, wir wissen gar nichts…außer eines: Wir warten halt und das ist grad kacke!!!

Werbeanzeigen

„Does and Don’ts“ für die Wartezeit

Wie verbringen Paare die Zeit des Wartens, des Wartens auf das so lang ersehnte Baby? Da wir gerade mitten drin stecken in dieser Warteschleife, gibt es von mir ein paar Tipps, wie ihr die Wartezeit auf Euer Adoptivkind am Besten nicht verbringt:

  • Urlaube sind kontraproduktiv, denkt nicht einmal darüber nach! Geplante Urlaube sollten nach Möglichkeit gecancelt werden. Stellt Euch nur vor, es kommt DER Anruf und ihr weilt entspannt auf Ko Samui! Sagt ihn ab diesen Erholungskram…ekelhaft!
  • Das Telefon wird nicht aus den Augen gelassen! Nehmt es mit ans Bett, in den Garten, in die Badewanne, die Dusche und ins Flugzeug (ein weiterer Grund, der gegen Urlaube spricht). Lange Gespräche sind tabu. Ihr müsst erreichbar sein…immer! Chance verpasst, Chance vertan!
  • Schottet Euch ab! Freunde und Familie sind völlig überbewertet. Konzentriert Euch ausschließlich auf Euch und Euer Vorhaben.
  • Das Kinderzimmer!! Ihr habt doch schon ein Kinderzimmer? Streicht die Wände, kauft Möbel, stellt sie auf. Füllt den Kleiderschrank mit niedlichen kleinen Babysachen. Auch Fläschchen, Brei und Milchpulver sollten gekauft sein. Stellt Euch einfach die ganze Bude voll mit dem Kinderzeug. Die tägliche Konfrontation macht positive Gefühle.
  • Paarzeit ade! Mit so nem kleinen Baby in der Wohnung werdet ihr sowieso nicht mehr dazu kommen ins Kino zu gehen, Essen zu gehen, wild durch die Wohnung zu vög*ln. Also lasst es am besten gleich ganz bleiben, dann könnt ihr Euch schon mal daran gewöhnen!
  • Um bei der Gewöhnung zu bleiben… ihr solltet anfangen Euch jeden morgen (nein, nicht nur unter der Woche!!) pünktlich um halb sechs den Wecker zu stellen. Ihr wisst schon, die Sache mit dem Ausschlafen und so…
  • Nun zur Mobilität. Ein größeres Auto muss her, kauft auch einen Kinderwagen. Schaut, zu welchem Automodell der Kinderwagen passt. Geht die alltäglichen Wege mit dem Kinderwagen ab, um mögliche Hindernisse und Hürden frühzeitig zu erkennen und ggf. zu vermeiden. Gerne können auch schon mal Alternativrouten zum Supermarkt ausgearbeitet werden. Vorbereitung ist alles!
  • Haltet Kontakt zu Eurer Sachbearbeiterin der Adoptionsvermittlungsstelle. Alle zwei bis drei Tage ein kurzer Anruf und ihr haltet Euch im Gedächtnis. Fragt dort auch gerne immer mal wieder nach, ob es nicht doch schon etwas Neues gibt.

Stattdessen: Tut Euch Gutes, geht aus, fahrt in den Urlaub und genießt Eure Zweisamkeit…auch wenn das mit unerfülltem Kinderwunsch nicht immer einfach ist! Verbringt Quality-time und pflegt Eure Beziehung mit was immer Euch gut tut. Mir persönlich hilft es auch sehr Austausch mit anderen Adoptivbewerbern zu haben, mir Tipps und Ideen zu holen. Sicherlich ist das auch nicht bei allen so, aber nehmt Euch die Zeit herauszufinden, was für Euch in dieser Zeit gut ist! Aktuell üben wir uns auch genau darin, das klappt mal besser und mal schlechter, aber wir sind auf einem guten Weg! Das nächste BitteWarten# ist also in Arbeit…

 

The FinalCountdown

Letzte Woche war unser Abschlussgespräch beim Jugendamt. Wir haben jetzt alle Mitarbeiterinnen der Adoptionsstelle kennengelernt, haben den Bogen bis ins Detail besprochen, unsere Wünsche und Erwartungen mitgeteilt und ein ziemlich gutes feedback bekommen.

Aber nun mal in die Tiefe: Zunächst haben uns die Jugendamtsmitarbeiterinnen nach unseren Eindrücken von den Hausbesuchen gefragt und haben uns im Anschluss daran ein feedback gegeben. Sie haben sich gefreut, dass es sehr leicht war, mit uns ins Gespräch zu kommen und auch über heikle Themen mit uns zu sprechen. Und sie sagten, dass uns unser Alter zu Gute kommt, da es nicht viele Adoptivbewerber in unserem Alter gibt. Insbesondere für junge Mütter, die ihr Kind zur Adoption freigeben möchten, sei dann der Altersabstand nicht so groß. Für HerrnBitte und mich stand ja lange auch die Frage nach Pflege oder Adoption. Beim Gespräch sagte man uns jedoch, dass wir für die Jugendamtsmitarbeiterinnen ganz klare Adoptivbewerber seien und maximal eine Pflege mit dem Ziel der Adoption in Frage käme. Damit sind wir auch absolut einverstanden. Außerdem haben wir den Bogen nochmal detailliert besprochen. Wir wurden beispielsweise gefragt, ob wir von dem angegebenen Alter des Kindes auch minimal abweichen würden. Und es stellte sich die Frage, ob wir uns auch vorstellen können, ein Kind aus einer vertraulichen Geburt zu adoptieren. Die vertraulichen Geburten sind erst seit letztem Jahr rechtlich möglich. Die Mütter können dann komplett anonym unter einem Pseudonym im Krankenhaus aufgenommen werden und ihr Kind dort zur Welt bringen. Da es dann keinen gibt, der nach der 8-Wochen Frist beim Notar zur Adoption einwilligen kann, bekommt das Baby einen Vormund. Ein Gericht entscheidet dann darüber, ob das Kind adoptiert werden kann oder nicht. Das ganze Prozedere kann jedoch einige Monate dauern…in der Zeit kann die leibliche Mutter sich um entscheiden und ihr Baby wiederhaben wollen. Wollen wir das Risiko tragen? Können wir das aushalten? Andererseits gibt es auch bei der herkömmlichen Adoption die Möglichkeit, dass aus einer 8-Wochen Frist eine viel längere Zeit wird…auch da besteht ein gewisses Risiko. So eine komplett sichere Nummer werden wir sowieso nicht bekommen…egal wie wir’s drehen und wenden.

HerrBitte und ich haben uns im Vorfeld schon einige Fragen überlegt, die wir stellen wollten. Wie ist das mit Urlaub? Können wir Urlaub buchen und was ist, wenn genau dann ein Kind für uns in Frage kommt? Jaaaa, wir können und sollen auch Urlaub buchen. Wenn dann tatsächlich ein Kind auftaucht, das auf unser Profil passt, dann werden wir angerufen und können selber entscheiden, ob wir den Urlaub abbrechen möchten oder nicht…ihr kennt die Antwort schon, oder??

Außerdem haben wir uns erkundigt, ob wir schon jetzt Dinge für ein Baby anschaffen sollen. Hier ein klares Nein! Aus psychologischer Sicht würden sie es uns nicht empfehlen. Außerdem bekommt man, auch wenn es schnell gehen muss, alles Wichtige für die ersten Tage sehr kurzfristig. Glaube, es wäre auch ziemlich spooky, wenn wir ein komplett eingerichtetes –aber trotzdem leeres- Kinderzimmer in der Bude hätten. Nur so ein klitzekleines LiebTier können wir uns wahrscheinlich nicht verkneifen…

Mit gedrückten Daumen wurden wir dann verabschiedet. Auf dem Rückweg im Auto stellten wir fest, dass wir vor Kurzem unsere Handynummern gewechselt haben und nicht sicher sind, ob wir dem Jugendamt schon unsere neuen Handynummern mitgeteilt haben…aaahhh! Wir werden wohl nächste Woche nochmal eine Mail mit den allerneuesten Kontaktdaten schicken!!!

Der Countdown läuft also…nur wie lange, das weiß keiner…