Vom Spagat

Mir stellt sich häufig die Frage, ob der pädagogische Umgang mit einem Adoptivkind ein anderer ist, als mit einem leiblichen Kind.

In Büchern und Ratgebern heißt es, dass es ganz wichtig sei, die Bindung zum Kind aufzubauen. Dies bedeutet: Viel Tragen, viel Körperkontakt, viel Verlässlichkeit…das Urvertrauen aufbauen. So sollen in den ersten Wochen nur möglichst wenig Besuche stattfinden und erst recht keine Willkommensparties. BabyBitte soll sich eingewöhnen, sich an unseren Geruch gewöhnen, an unsere Stimmen und unsere Tagesabläufe. Es soll lernen, dass nur wir Zwei, HerrBitte und ich, seine Bezugspersonen sind. Viele Kontakte, viel Herumreichen seien da störend, insbesondere, wenn BabyBitte schon mehrere Beziehungsabbrüche erlebt hat.

Das erschließt sich mir auch komplett. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich das tatsächlich so auch bei einem leiblichen Kind machen würde? Höchstwahrscheinlich nicht…so richtig gleich, scheint der Umgang nicht zu sein. Doch gelten diese Unterschiede nur für die Anbahnungsphase, also nur für die erste Zeit, oder wird unsere Situation immer eine Spezielle sein?

Wie bekomme ich den Spagat hin, gut auf mein Kind und seine speziellen Bedürfnisse achtzugeben und nicht gleichzeitig zu einer kompletten Überglucke zu mutieren, die bei jedem Pups schon völlig hysterisch wird? Besuche sind erlaubt ab dem dritten Monat und dann bitte nur von 16-18 Uhr, getragen werden darf BabyBitte ausschließlich von für qualifiziert befundenen Personen, „Aaaahhh, bitte seid nicht soooo laut.“, an den speziellen Babypopo darf nur die Creme XY und vom Thema Essen und Schlafen fangen wir gar nicht erst an…Nee, nee, so möchte ich nicht leben.

…also doch der Spagat!

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