Wie ich mal für mein Kind in den Boxring stieg

Es kam der Tag, an dem wir BabyBitte bei der Krankenkasse anmelden mussten. Kein Problem, möchte man denken…doch weit gefehlt…

Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns noch in der so genannten Adoptionspflege. Dieser Begriff umschreibt die Zeit, in der BabyBitte schon bei uns lebt, die Adoption jedoch noch nicht vollzogen ist. Bis die Adoption rechtskräftig ist, vergeht bis zu einem Jahr. Während diesem so genannten Adoptionspflegezeitraums hat BabyBitte einen Vormund und trägt offiziell noch den Nachnamen der Bauchmama. Insbesondere bei Kinderarztbesuchen kann dies zu Schwierigkeiten führen. Zum Einen würden HerrBitte und ich bei Arztbesuchen mit dem Nachnamen der Bauchmama aufgerufen werden, zum Anderen wird dadurch BabyBittes Privatsphäre verletzt (und die der leiblichen Eltern) und damit auch ihr Recht selber zu entscheiden, wer von der Adoption erfahren darf. Daher war es uns wichtig, dass auf der Krankenkassenkarte nicht BabyBittes leiblicher Name steht, sondern von vornherein unserer.

Ich rief also bei der örtlichen Krankenkasse an und schilderte das Problem. Da solche Geschichten ja in der Regel keine gängigen Abläufe in einem KrankenkassenmitarbeiterDasein darstellen, musste der Herr sich erst einmal bei seiner Vorgesetzten über die Rechtslage informieren. Diese schien unseren Fall jedoch unter „Alles wie gehabt“ zu verbuchen, denn die Info an mich lautete: „Das Kind kann nur mit seinem offiziellen Namen angemeldet werden. Da könne ma auch keine Ausnahme machen.“. Ich wusste jedoch von anderen Adoptiveltern, dass es Krankenkassen gibt, bei denen das sehr wohl möglich ist. Also zog ich die imaginären Boxhandschuhe an und versuchte den Herrn zu bequatschen. Der blieb aber stur und ich legte frustriert auf.

Als letzte Möglichkeit blieb mir, es bei der bundesweiten Hotline zu versuchen. Und dort hatte ich eine sehr engagierte Mitarbeiterin am Apparat, die bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Sie gab mir die Information, dass das Kind nur auf den Nachnamen der Adoptiveltern angemeldet werden könne, wenn es sich um eine inkognito Adoption handele. Das sei doch bei uns bestimmt der Fall, oder? *Augenzwincker* Ich bejahte, bat unsere Jugendamtsmitarbeiterin um ein entsprechendes Schreiben und tadaaaa: Wir haben eine Krankenkassenkarte zugeschickt bekommen, auf der groß und breit unser Nachname prangt. Da lasen wir BabyBittes zukünftigen Namen das erste mal auf einem offiziellen Schrieb und waren tatsächlich ein bisschen gerührt. Und ich war stolz, dass meine Hartnäckigkeit sich ausgezahlt hat. Man muss nur immer wieder anrufen, irgendwann erreicht man den richtigen Mitarbeiter 🙂