Ich erwarte es nicht, gnihihihi

Wir haben sehr liebe und langjährige Freunde, die zwei entzückende Jungs haben. Die zwei sind ganz verrückt nach HerrnBitte. Wenn wir uns sehen, wird gerauft, getobt und durchgekitzelt und die beiden können gar nicht genug davon bekommen. „ Du kriegst mich nicht…komm doch, Du Eierloch, ätschebätsche.“ HerrBitte: „Wart ab, ich komme und hol Dich, wenn Du es nicht erwartest!!“ Die Antwort daraufhin: „Ich erwaaaarte es niiiicht!!!“

Szenenwechsel:

Heute morgen beim Frühstück frage ich HerrnBitte ungeduldig: „Was meinst Du, wann wird das Jugendamt uns anrufen?“ HerrBitte: „Wart ab, wenn wir es nicht erwarten, dann kommt der Anruf.“ Ich quengelig: „Aber ich erwarte es doch gar nicht.“

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Verhütung?!?!

Wenn ich mir in den letzten sechs Jahren eines GESCHWOREN habe, dann, dass ich niiiee, niiiee wieder verhüten werde…und wenn ich ab jetzt ein Kind nach dem anderen bekommen sollte (die Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch nicht allzu groß). Ich habe doch tatsächlich jahrelang die Pille genommen, um dann feststellen zu müssen, dass ich auch ohne Pille nicht schwanger werde. Was ist das denn bitteschön für ein Betrug?!?! Da hätte ich mir diese jahrelange Hormonpampe auch sparen können, tststs!

Nun ergeben sich jedoch Situationen für die ich diesen Herzensschwur nochmal überdenken muss. Und zwar haben uns die Jugendamtmitarbeiterinnen gebeten, genau eben dieses wieder zu tun, nämlich zu verhüten, sobald es zu einer Vermittlung kommt. Zu oft sei es schon vorgekommen, dass es dann unter der Vermittlung zu einer spontanen Schwangerschaft gekommen sei. Dies könne, gerade in der frühen Zeit der Anbahnung, zu Konflikten zwischen den einzelnen Familienmitgliedern führen…insbesondere, wenn noch keiner so richtig seinen Platz in der neuen Situation gefunden habe.

Nun stehn wir da, wie der Ochs vorm Berg…was tun?

Bleibt nur zu hoffen, dass wir im Falle einer Vermittlung erstmal auf die natürlichste Verhütungsmaßnahme der Welt zurückgreifen müssen, nämlich vor lauter kurzen Nächten, Schlafmangel, Fläschchen machen, Baby tragen und Eltern sein, gar keine Zeit für Zweisamkeit zu haben.

Wer sind überhaupt diese Gene?

Letztens erzählte mir eine Freundin, dass ihre Cousine adoptiert sei. Allerdings sei sie sehr komisch, sie sei gewalttätig und lebe in sehr unsteten Familienverhältnissen. Auch in Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen wird von Adoptionen immer sehr problembehaftet berichtet. Davon, dass die Kinder verhaltensauffällig sind, die Adoptiveltern mit den Kindern überfordert, dass den Adoptiveltern bewusst von Seiten des Jugendamtes Informationen zur Herkunft des Kindes verschwiegen wurden.

Uiuiui, da geht das Gedankenkino los! Machen wir wirklich das Richtige?

Ich habe darüber noch lange nachgedacht, tue es immer noch, und bin unweigerlich an der altbekannten Adoptionsdiskussion angelangt. Wie viel Einfluss haben die Gene auf unsere Entwicklung und wie viel Einfluss hat das soziale Umfeld? Kann es tatsächlich passieren, dass ein Kind in liebevollen und fürsorglichen und optimalen Verhältnissen aufwächst und trotzdem unglücklich, unzufrieden, kriminell, gewalttätig wird? Einige Studien behaupten: ja! Ich frage mich, von wann diese Studien sind, denn der Umgang mit dem Thema Adoption war früher ein anderer. Nämlich der, möglichst nicht darüber zu sprechen und alles unter den Teppich zu kehren. Und ich kann mir vorstellen, dass dies für die Entwicklung von Kindern absolut nicht zuträglich ist. Und was sind überhaupt „optimale“ Bedingungen?

Wahrscheinlich ist es wie mit den meisten Dingen: Eine einzige Ursache lässt sich nicht finden und es sind multifaktorielle Ursachen. Wie viele leibliche Eltern haben unglückliche, unzufriedene und kriminelle Kinder? Ja, auch das gibt es! Auch bei einem leiblichen Kind weiß man nicht, wie es sich entwickelt…ob es gesund, fröhlich und glücklich groß wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Dinge fügen werden, wenn wir unserem zukünftigen Kind ein liebevolles, aufmerksames und achtsames Umfeld zum Aufwachsen schaffen…alles andere liegt eh nicht in unseren Händen.

Also ja! Wir sind auf dem richtigen Weg!

Die Frage ist nicht…

… „0b?“, sondern „wann?“!“ Diesen Satz werde ich mir vielleicht als Wandtatoo übers Bett kleben oder als LED-Leuchtreklame ins Wohnzimmer hängen…für schlechte Zeiten oder so.

Schon während des letzten Hausbesuches des Jugendamtes und vor dem Abschlussgespräch sprach die Dame vom Jugendamt genau diesen Satz aus. Bei uns ginge es nicht darum, ob wir ein Kind adoptieren dürfen, sondern es ginge lediglich darum, wann dies passiere. Ich glaube, in diesem Moment sind mir 20 Tonnen Felsbrocken vom Herzen gefallen. Die Zweifel, ob sie uns für geeignet halten und ob wir bisher alles richtig gemacht haben, waren erstmal beseitigt. Das war ein gutes Zeichen.

Und trotzdem kommen sie immer mal wieder auf…diese Zweifel…wird es wirklich jemals klappen? Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass wir irgendwann einmal zu Dritt sein werden…das passt überhaupt nicht in meinen Kopf rein. In solchen Momenten wünschte ich mir die Leuchtreklame. Für’s Hoffnung machen und dran bleiben. Manchmal hilft es aber auch schon sich einfach an diesen Satz zu erinnern und ihn sich immer wieder leise mantra-artig vorzusprechen.

Es besteht Hoffnung, wir wissen nur noch nicht wann!!

Ach übrigens, was wir Dir immer schon mal sagen wollten…

Bereits während des Vorbereitungsseminars beim Jugendamt war es ein großes Thema:

Wann erzählen wir unserem Kind, dass es adoptiert ist?

Während man früher der Ansicht war, es sei das Beste für das Kind, wenn es nicht wüsste, dass es adoptiert ist, und „ganz normal“ aufwächst, ist man heute der Ansicht, dass es für die emotionale Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist, zu wissen, woher es kommt. Das Kind soll über seine Herkunft absolut im Bilde sein.

Ich habe letztens einen Bericht zum Thema „Samenspende“ im Fernsehen geschaut und die junge Frau, die durch Samenspende gezeugt wurde, hat erst sehr spät davon erfahren, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Papa ist. Sie beschrieb in dem Film, dass sie schon immer ein komisches Verhältnis zu ihrem Vater hatte, es aber nie richtig in Worte fassen oder erklären konnte. Sie schien schon früh bemerkt zu haben, dass etwas an ihr „anders“ war. Ich glaube nicht, dass dieses Gefühl daher kam, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Vater war. Was ich damit sagen will ist, dass ich glaube, dass Kinder sehr feine Antenne dafür haben, wenn etwas „in der Luft liegt“ und ich glaube auch, dass es viel Verunsicherung und mitunter auch Angst auslösen kann, wenn nicht darüber gesprochen wird.

HerrBitte und ich haben uns fest vorgenommen, Adoption, leiblicheEltern und Herkunft von Anfang an begleitend zu thematisieren. Das Jugendamt riet uns, das Kind sobald es nach seiner Herkunft fragt, damit zu konfrontieren. Das fühlt sich für uns aber zu spät und nicht richtig an. Mir ist klar, dass wir unserem zukünftigen Kind nicht sekündlich seine Herkunftsgeschichte auf die Nase binden sollten, sondern dosiert und in einem guten Setting, aber die Bauchmama und (wenn möglich) der Bauchpapa werden sicherlich thematisiert, bevor unser Kind sprechen kann…immer mal wieder…auf dem Wickeltisch, im Lebensbuch, beim Bilder schauen…

Aus der Höhle des Löwen

Da war dieser Termin, der mir schlaflose Nächte und Magengrummeln bereitete…der Termin mit meinem Chef, in dem ich ihm von unserem Adoptionsverfahren berichten wollte. Ich weiß, ich bin nicht verpflichtet dieses Gespräch zu führen und doch finde ich es fairer. Theoretisch hätte ich meinen Chef nicht informieren müssen und ihn dann per Anruf davon in Kenntnis setzen können, dass ich ab dem folgenden Tag in Elternzeit bin. „Hallo Herr Meier, hier ist FrauBitte. Ich wollte Ihnen nur kurz mitteilen, dass ich ab morgen in Elternzeit bin. Tiriliii. Tschöhööö!“. Dieses Szenario finde ich dann doch etwas krass. Also packte ich mir ein Herz und bat um einen Gesprächstermin. Mit weichen Knien betrat ich dann das Büro meines Chefs und schon bevor ich überhaupt anfangen konnte zu sprechen, fing ich das Heulen an. Ich weiß auch nicht warum, es überkam mich einfach. Letztlich ärgere ich mich über mich. Warum kann ich nicht ganz souverän dort herein marschieren und berichten was ansteht?!? Nun ja, mein Chef wartete verwirrt bis ich mich wieder gefangen hatte und ich konnte erzählen was Stand der Dinge ist. Er fragte, wie denn der Ablauf genau sei und ich erklärte alles ausführlich. Er sagte, dass er großen Respekt vor unserer Entscheidung habe und sie als sehr mutig empfinde. Er könne die Aufregung nachempfinden, denn als er seinen Hundewelpen damals nach Hause geholt habe, waren er und seine Frau auch sehr aufgeregt. Mmmhh, ok, es geht hier immerhin um einen kleinen Mensch und nicht um ein Tier…welch ein Vergleich. Aber gut, immerhin wollte er mir ein Stück weit Empathie entgegenbringen…

Und dann saß ich also bei meinem Chef im Büro und plötzlich sprachen wir über Elternzeit. Also MEINE Elternzeit! Das hört sich so an, als würden wir tatsächlich bald irgendwann Eltern werden!! Kaum zu glauben!

Als ich dachte, ich hätte alles soweit erklärt, fragte er mich: „Ja, also, wenn dann der Anruf kommt…so eine Woche Zeit hätte Sie doch dann noch, um alles zu regeln, oder?“ Mmmhh, also alles nochmal auf Anfang!

Zu guter Letzt hat er es, glaub ich, verstanden und HerrnBitte und mir alles Gute gewünscht. Alles in Allem ein gutes Gespräch, das mich mit einem guten Gefühl den Adoptionsweg beschreiten lässt, auch beruflich!

Gedankenkarussell

Vor einiger Zeit bin ich auf den Blog von Katja gestoßen. Ihre Geschichte und ihr Umgang mit dem Thema Adoption finde ich sehr spannend und beeindruckend. Im Zuge dessen kreisten meine Gedanken auch wieder vermehrt um das Thema leibliches Kind und nicht-leibliches Kind. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, was mich so beschäftigt und berührt… Einerseits ist da dieser Wunsch nach einem leiblichen Kind, schwanger sein, eine Geburt erleben…auf der anderen Seite frage ich mich, von welcher Bedeutung es überhaupt ist, ob unser Kind ein leibliches oder eben nicht leibliches Kind ist…vielleicht ist es auch irgendwie bloß so ein EvolutionsEgo-Ding „Helau, wir streuen unsere Gene ins Volk.“, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es im echten Leben nachher keinen Unterschied machen wird, ob unser Kind nun genetisch unser Kind ist oder eben nicht.

Und klar, wir sind erstmal den konventionellen Weg gegangen, um eine Familie zu werden und haben erst als dieser Weg nicht möglich war, den Weg der Adoption beschritten. Und genau hier setzt mein Gedankenkarussel ein.

Ich mache mir Sorgen, dass sich unser zukünftiges Adoptivkind als Lückenfüller oder Ersatz für ein leibliches Kind und damit weniger wert oder weniger geliebt fühlen könnte. Vielleicht stellt es sich seine Eltern in einem Eissalon vor, wie sie voller Sehnsucht Schokoladeneis bestellen und die Verkäuferin ihnen sagt, dass Schokolade leider aus ist und wie sie dann voller Verzweiflung hin und her überlegen und dann wohl oder übel Zitroneneis wählen. Genau das möchte ich für unser Kind nicht und könnte das Aufkommen dieses Gedankens doch so gut nachempfinden. (Und bitte versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, das Kinderkriegen mit der Wahl einer Eissorte zu vergleichen, es geht mir vielmehr um den Vergleich mit einer kindlichen Sichtweise.)

HerrBitte jedoch sieht das ganze etwas anders. Wir möchten eine Familie sein und haben viel zu geben…Liebe, Zuneigung, Sicherheit…und bisher eben noch nicht die Möglichkeit dazu bekommen. Wir entscheiden uns jedoch jetzt ganz aktiv für ein Adoptivkind, und im Hinblick auf ein erstes Kennenlernen, auch ganz aktiv für DAS eine und spezielle Kind, das wir aufnehmen. Bei einer Schwangerschaft könnten wir diesen aktiven Schritt so schließlich nicht beschreiten.

Aber egal wie man’s dreht und wendet, ein gewisser Egoismus, nämlich der, unseren Kinderwunsch zu erfüllen, lässt sich nicht abstreiten. Und genau den Gedanken bekomme ich nicht fertig gedacht…