Wie ich mal für mein Kind in den Boxring stieg

Es kam der Tag, an dem wir BabyBitte bei der Krankenkasse anmelden mussten. Kein Problem, möchte man denken…doch weit gefehlt…

Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns noch in der so genannten Adoptionspflege. Dieser Begriff umschreibt die Zeit, in der BabyBitte schon bei uns lebt, die Adoption jedoch noch nicht vollzogen ist. Bis die Adoption rechtskräftig ist, vergeht bis zu einem Jahr. Während diesem so genannten Adoptionspflegezeitraums hat BabyBitte einen Vormund und trägt offiziell noch den Nachnamen der Bauchmama. Insbesondere bei Kinderarztbesuchen kann dies zu Schwierigkeiten führen. Zum Einen würden HerrBitte und ich bei Arztbesuchen mit dem Nachnamen der Bauchmama aufgerufen werden, zum Anderen wird dadurch BabyBittes Privatsphäre verletzt (und die der leiblichen Eltern) und damit auch ihr Recht selber zu entscheiden, wer von der Adoption erfahren darf. Daher war es uns wichtig, dass auf der Krankenkassenkarte nicht BabyBittes leiblicher Name steht, sondern von vornherein unserer.

Ich rief also bei der örtlichen Krankenkasse an und schilderte das Problem. Da solche Geschichten ja in der Regel keine gängigen Abläufe in einem KrankenkassenmitarbeiterDasein darstellen, musste der Herr sich erst einmal bei seiner Vorgesetzten über die Rechtslage informieren. Diese schien unseren Fall jedoch unter „Alles wie gehabt“ zu verbuchen, denn die Info an mich lautete: „Das Kind kann nur mit seinem offiziellen Namen angemeldet werden. Da könne ma auch keine Ausnahme machen.“. Ich wusste jedoch von anderen Adoptiveltern, dass es Krankenkassen gibt, bei denen das sehr wohl möglich ist. Also zog ich die imaginären Boxhandschuhe an und versuchte den Herrn zu bequatschen. Der blieb aber stur und ich legte frustriert auf.

Als letzte Möglichkeit blieb mir, es bei der bundesweiten Hotline zu versuchen. Und dort hatte ich eine sehr engagierte Mitarbeiterin am Apparat, die bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Sie gab mir die Information, dass das Kind nur auf den Nachnamen der Adoptiveltern angemeldet werden könne, wenn es sich um eine inkognito Adoption handele. Das sei doch bei uns bestimmt der Fall, oder? *Augenzwincker* Ich bejahte, bat unsere Jugendamtsmitarbeiterin um ein entsprechendes Schreiben und tadaaaa: Wir haben eine Krankenkassenkarte zugeschickt bekommen, auf der groß und breit unser Nachname prangt. Da lasen wir BabyBittes zukünftigen Namen das erste mal auf einem offiziellen Schrieb und waren tatsächlich ein bisschen gerührt. Und ich war stolz, dass meine Hartnäckigkeit sich ausgezahlt hat. Man muss nur immer wieder anrufen, irgendwann erreicht man den richtigen Mitarbeiter 🙂

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Checkliste Adoption -Es geht los. Was ist zu tun?

Wenn es losgeht und endlich der langersehnte Anruf vom Jugendamt kommt, spielen die Gefühle verrückt. Für mich gab es kaum eine Situation im Leben, die mich emotional so aus der Bahn geworfen hat…unbeschreibliche Freude, Unglaube, Angst..das totale Gefühlschaos. Und in all dem Chaos kommt ganz schnell der Gedanke „Oh mein Gott, was brauchen wir? Was müssen wir jetzt als nächstes tun? Was müssen wir wo besorgen?“. Ich war damals sehr froh, dass ich mir bereits während der Wartezeit Gedanken  Checklisten gemacht habe, denn Zeit für Einkaufslisten und Orgalisten, hatten wir kaum. HerrBitte hingegen konnte sich während der Wartezeit nicht mit solchen Dingen auseinandersetzen, es war ihm zu schmerzhaft. Mir hingegen hat es gut getan, schonmal ein bisschen zu träumen, was wir später mal kaufen könnten. Also durchwühlt das Internet und schaut schonmal, was Euch gefällt. Bei den meisten OnlineBabymärkten kann man Wunschlisten oder Merkzettel anlegen!

Für alle, denen es ähnlich wie HerrnBitte ergeht und die ganz plötzlich alles erledigen müssen, habe ich nun meine damals erarbeiteten Checklisten. Vielleicht hilft sie ja dem ein oder anderen Adoptivelternpaar. Ich kann natürlich nicht versichern, dass sie vollständig sind und jeder hat ja auch ein bisschen seine eigenen Vorstellungen von dem was wichtig ist und was nicht. Für Ergänzungen, Tipps und Anregungen bin ich also definitiv dankbar. Schreibt Eure Ideen und Erfahrungen gerne in die Kommentare.

  1. Alles rund um die Erstausstattung und die ersten Besorgungen findet ihr hier.
  2. Hebamme: Sucht Euch so rechtzeitig wie möglich eine Hebamme. Sie hilft Euch gerade in der ersten Zeit zu Hause ungemein. Auch wenn es kurzfristig ist, lasst Euch nicht entmutigen. Manchmal ist es sogar kurzfristig leichter eine Hebamme zu finden, als Monate vor der Geburt. Hier findet ihr ein bundesweites Hebammenverzeichnis, das Euch bei der Suche helfen kann. Auch bei kidsgo gibt es ein bundesweites Hebammenverzeichnis. Manchmal hilft auch das Jugendamt bei der Hebammensuche.
  3. Geburtsurkunde beim Standesamt beantragen. Das hat bei uns das Jugendamt übernommen.
  4. Anmeldung beim Einwohnermeldeamt mit Sperreintrag. Auch das hat bei uns das Jugendamt gemacht.
  5. Elternzeit beim Arbeitgeber beantragen
  6. Elterngeld beantragen: Im Internet gibt es Onlineformulare, die ihr Euch ausdrucken könnt. Das spart Rennerei!
  7. Kindergeld beantragen (Geburtsurkunde benötigt). Auch hier gibt es online Formulare!
  8. Anmeldung bei der Krankenkasse „Antrag auf Familienversicherung“. Die Krankenkassen benötigen hierfür in der Regel keine Geburtsurkunde. Mit etwas Hartnäckigkeit kann man also das Kind schon auf den eigenen Nachnamen anmelden (normalerweise dauert es einige Monate bis die Adoption rechtskräftig ist und das Kind den Nachnamen der Adoptiveltern annimmt. Bis dahin trägt es den Namen der leiblichen Mutter). Dies schützt die Privatsphäre Eures Kindes bei Arztbesuchen und verhindert Fragen und Missverständnisse, wenn ihr als Mutter oder Vater beim Kinderarzt mit dem Nachnamen der Bauchmama aufgerufen werdet.

Schaut doch mal bei Adoption-unser-Weg.de  vorbei, dort gibt es tolle und hilfreiche Infoblätter zum Ausdrucken.

Ansonsten noch ein ganz besonders wichtiger Hinweis:

Macht Fotos und Videos, schreibt Tagebuch, füllt Babybücher und Babyalben und haltet alles so genau wie möglich fest. An Vieles erinnert man sich später vielleicht nicht mehr ganz so genau, insbesondere, wenn alles ohnehin schon furchtbar aufregend ist. Für Euer Kind und für Euch entstehen dadurch später tolle Erinnerungen an diese Zeit. Schreibt auch Informationen zur Herkunft des Kindes so detailliert und ausführlich auf, wie nur möglich. Oftmals sind diese Infos die einzige Verbindung Eures Kindes zu seinen Wurzeln!

Können wir Dich riechen?

Mein Geruchssinn und ich, wir sind ein ziemlich gutes Gespann. Ich rieche Dinge, die HerrBitte noch nicht einmal sieht. Ich rieche, wer vor mir im Raum war und Parfüm am Anschnallgurt im Auto, um nur einige Beispiele zu nennen. Einige Gerüche lösen jedoch bei mir ziemlich penetrant und langwierig Übelkeit und Kopfschmerzen aus…es gibt da dieses Parfüm C**lWaterWomen…uuuaargh.

Wie ihr Euch vielleicht denken könnt, spielen also Gerüche insgesamt eine nicht ganz unbedeutende Rolle in meinem Leben. Wie wird das sein bei so einem süßen Babygeruch? Das Menschlein, das vielleicht einmal zu uns kommt, riecht ja noch gar nicht nach uns. Wonach riecht es dann? Wird meine Nase diesen Geruch für gut befinden? Kann es sein, dass wir unser Baby sofort gut riechen können? Und was ist, wenn nicht? Wird sich der Körpergeruch anpassen und werden wir ihn dann später als angenehm empfinden? Ich habe irgendwie die Vorstellung, ein Baby, das zu uns kommt, sofort baden zu müssen…wie Tiere, die ihre Neugeborenen erst mal abschlecken…irgendwie scary…das ist bestimmt so ein verrückter Urinstinkt, der völliger Blödsinn ist und im echten Leben überhaupt keine Rolle spielt. Die Vorstellung spukt trotzdem in meinem Kopf herum. Und noch eine Frage, die ich mir stelle: Ist es überhaupt möglich, dass Babies nicht gut riechen? Riechen die nicht immer nach diesem unverkennbaren, süßen Babyduft? Ok, Ok, von vollen Windeln mal abgesehen!

Ich kann Euch nicht beschreiben, wie gespannt und aufgeregt ich bin, Euch irgendwann davon berichten zu können, wie es sich live und in Farbe anfühlt riecht…

Stay tuned!

Darf ich bitten?! #3

HeWuKi – Ein Adoptionsbericht

Heute gibt es wieder einen wundervollen Erfahrungsbericht, diesmal von der lieben HeWuKi. Sie berichtet uns, wie sie und ihr Mann das Adoptionsverfahren erlebt haben und welche Rolle das Thema „Adoption“ in ihrem Alltag mit Adoptivkind spielt.

1. Warum habt ihr Euch für eine Adoption/ ein Pflegekind entschieden?

Adoption war schon sehr früh für uns eine Möglichkeit ein Kind in unser Leben einzuladen. Als wir erfahren haben das wir auf natürlichen Wege nur schwer schwanger würden, haben wir uns zwar dafür entschieden den Weg der künstlichen Befruchtung zu gehen, aber gleichzeitig auch festgelegt nicht x Versuche zu machen. Nach einer Icsi und einem Kryoversuch, die beide in einer Fehlgeburt endeten war für uns die künstliche Befruchtung keine Option mehr. Wir haben uns lange Zeit gelassen unsere Wunden zu lecken und unseren Kinderwunsch sehr bewusst zu hinterfragen und dann das Adoptionsverfahren gestartet.

2. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Größtenteils sehr positiv – es gab aber auch einige die meinten wir sollten doch „einfach nochmal eine Icsi machen“ da das ja schon zweimal zu einer Schwangerschaft geführt habe.

3. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt?                                                                                

Als sehr positiv und einfühlsam. Das Verfahren war gut um unseren Kinderwunsch zu hinterfragen, zu schauen wie gut wir als Paar „funktionieren“ und auch einen Teil unserer früheren Kinderwunsch-Geschichte aufzuarbeiten! Wir haben oft gehört das es ungerecht sei, das Adoptivpaare so „hart“ geprüft werden und so viele Gespräche führen müssen. Aber meiner Meinung nach ist das nötig. Es gibt Fragen denen man sich stellen muss z.B. trauen wir uns ein Behindertes Kind zu? Wie würde unser Umfeld mit einem Kind mit anderer Hautfarbe zurecht kommen? Schaffen wir es Zwillinge großzuziehen und nicht zuletzt, wie wollen wir als Familie leben? Gerade die Frage mit der Beeinträchtigung eines Kindes wird ja gerne damit kommentiert, dass es ja unfair sei solche Kinder „abzulehnen“ da man das beim eigenen Kind ja auch nicht entscheiden könne. Aber ich finde es gerade bei dieser Frage wichtig ehrlich zu sein und sich seine Grenzen zu stecken. Im Nachhinein haben mir bei meiner Kiwu-Klinik die intensive Gespräche gefehlt wie unsere Sachbearbeiterin sie mit uns geführt hat. In der Kiwu bringt dich meist niemand dazu deinen Kinderwunsch zu hinterfragen und das Leben mit Kind zu entzaubern und nicht wie in der Rama Werbung darzustellen.

4. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?                                                                                                      

Belastend war das Warten (auch wenn wir gar nicht lange warten mussten :0)) und das ständige „Adoption? Das ist doch ein aussichtsloser Weg….“ von einigen Menschen.

Freude kam auf, als wir die Anerkennung endlich in den Händen hielten.

5. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

Wir haben die Wartezeit ähnlich wie Familie Bitte verbracht :0) Wir haben es noch mal richtig krachen lassen und viiiiiiieeeeeele tolle Dinge gemacht. Es fühlte sich an wie die Vorweihnachtszeit – allerdings ohne zu Wissen wann Weihnachten ist.

6. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

Es waren nur ein paar Monate. Wir hatten wirklich Glück! Nach unserem Telefonat mit unserer Sachbearbeiterin hatten wir glaube ich alles an Gefühlen was man so haben kann. Von Freude bis Angst (wird das jetzt wirklich was?) war alles dabei. Und sooooo viele Fragen. ;0) Die Zeit bis wir unser Wunderwesen dann kennen lernen konnten erschien ewig lang. Wir haben auch erst beim ersten Kennenlernen des Wunderwesens erfahren ob es ein Junge oder Mädchen ist und wie es heisst. Da konnten wir vorher viel spekulieren.

7. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Ein Stoffigel den es heute noch heiss und innig liebt.

8. War es Liebe auf den ersten oder auf den zweiten Blick?                                                            

Es war schon Liebe auf den ersten Blick, aber bis mein Herz und Hirn realisiert hat, das ist jetzt dein Wunderkind, du bist angekommen, das hat eine Weile gedauert. Das hat mich am Anfang etwas frustriert, im Nachhinein denke ich es ist normal dass man Zeit braucht all die Dinge die da auf einen einprasseln – und das ist nicht wenig wenn man ein Wunderwesen kennenlernt – zu verarbeiten und eine tiefe Bindung aufzubauen.

9. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Wir haben das Glück einiges über die Herkunftsfamilie zu wissen. Wir nennen sie beim Vornamen.

10. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?                                                    

Während der Kiwu Zeit waren es die „du solltest aber langsam mal Kinder bekommen!“ von denen, die nicht wussten, wie es um unserem Kinderwunsch steht und wohl dachten, ich hätte keine Lust auf Kinder.

Während des „Warteprozesses“ waren es die Aussagen von Fremdjugendämtern (Jugendämter bei denen wir uns zusätzlich zu unserem zuständigen Jugendamt beworben haben oder es wollten) dass es eh keine Kinder zur Vermittlung geben würde und wir doch bitte ein Pflegekind nehmen mögen…. Es gab aber auch ein Fremdjugendamt das unsere Bewerbung nicht sorgfältig gelesen hat und uns dann einen Kindervorschlag machte der unsere „Möglichkeiten“ überschritt. Das hieß wir mussten „Nein“ zu einem Kind sagen. Das ist uns wahnsinnig schwer gefallen, aber wir wussten das wir es mit diesem Kind nicht schaffen würden… das hat uns lange beschäftigt. Ich ärger mich heute noch über die Arbeitsweise dieses Jugendamtes!

11. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

Eigentlich zeigt sich das nur ganz selten. Z.B. wenn andere Mütter über ihre Geburten sprechen oder jemandem auffällt dass ich zum entsprechenden Zeitpunkt nicht schwanger war. Wir fühlen uns schon als eine besondere Familie – als eine besonders Glückliche. :0) Wir versuchen aber auch die Herkunftsfamilie in das Leben unseres Kindes zu integrieren. Die Namen werden immer mal wieder in den Alltag integriert.

12. Habt ihr ein Adoptions- oder Pflegebuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben schon während des Adoptionsprozesses verschiedene wichtige Stationen für das Kind auf Fotos festgehalten. So gibt es ein Foto von uns am PC als wir die Lebensberichte geschrieben haben. ein Foto mit der Tischdeko eines besonderen Besuchs des Jugendamtes usw. Als wir anerkannt waren haben wir unserem zukünftigen Kind eine Einladung geschrieben – auch hiervon gibt es Fotos. Außerdem gibt es Fotos von der Leiblichen Familie. Das Buch soll unserem Kind später zeigen wie sehr wir uns schon im Vorfeld auf es gefreut haben und was seine Wurzeln sind. Noch ist das Kind zu klein um es zu nutzen :0) Aber ich hoffe später wird es ein großer Schatz sein. Das Buch wird daher auch zusammen mit anderen Erinnerungsdingen der leiblichen Eltern in einer besonderen Kiste aufbewahrt. 

13. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?                                                          

Wir haben unserer Arbeitgeber informiert, da wir nicht am Tag X die komplette Story erzählen wollten bzw. ich nicht einfach so mal eben „ich bin dann jetzt 3 Jahre in Elternzeit“ verkünden wollte. Wir haben beide super nette Chefs und bekamen positive Resonanz. Als es dann soweit war haben beide Arbeitgeber super reagiert. Ich konnte problemlos sofort in Elternzeit gehen und auch mein Mann bekam einen verlängerten Spontan-Urlaub genehmigt. Ansonsten haben wir dem Kind vorab einen Ama..on Account eingerichtet und konnten dort eine Wunschliste mit nötigen Dingen schon mal in Ruhe anlegen, ohne ständig über unsere Accounts mit Baby Werbung konfrontiert zu werden. Als wir dann den Großeinkaufs-Tag im Baby Markt machten, wussten wir schon was wir von welcher Marke haben wollten oder mussten nur noch auf Bestellen klicken.

14. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

NUR NICHT AUFGEBEN! Auch wenn ihr noch so oft von irgendwelchen Jugendämtern hört dass es schlecht aussieht – glaubt an euer Wunder! Ich habe während der Wartezeit gerne den Song „Am I wrong“ von Nico & Vinz gehört. In dem es ja – sehr grob gesagt – darum geht einen anderen Weg einzuschlagen weil man fest an etwas glaubt auch wenn es nicht (sichtbar) greifbar ist.                                                                                                                            Aber wir hatten auch eine Deadline wenn bis zu diesem Tag der Anruf nicht gekommen wäre, hätten wir abgeschlossen mit dem Kinderwunsch und ich wäre ins „Wonderland“ gezogen. Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens Kiwu Frau sein sondern mein Leben leben und GENIEßEN so wie es aktuell ist. Ich glaube das ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch in der Kinderwunsch-Zeit, egal ob über künstliche Befruchtung oder wartend auf den Anruf, sollte man sein Leben leben. Während des Bewerbungsverfahren haben wir eine lange Fernreise gemacht, das hat das Verfahren zwar verlängert, aber es war uns wichtig. Außerdem habe ich während der Wartezeit einen neuen wichtigen Posten angenommen – obwohl ich wusste ich kann ihn vielleicht nicht lange ausfüllen. Aber wir waren es leid immer alles um den Kinderwunsch herum zu planen. Und im Nachhinein war das genau richtig.                                 Außerdem würde ich (nach meiner Erfahrung mit dem unpassenden Kindervorschlag des Fremdjugendamtes) dazu raten die Fremdjugendämter bei denen man sich bewirbt genau zu inspizieren. Wir waren damals so froh wenn uns ein Jugendamt in die Bewerberkartei aufgenommen hat, das wir gar nicht geschaut haben wie gut das entsprechende Jugendamt ist… Außerdem muss man immer damit rechnen dass auch nach der Aufnahme des Kindes noch Komplikationen auftreten und dass die 8-Wochenfrist nicht in allen Fällen wirklich umgesetzt wird. Wir hatten da so einige Komplikationen und waren froh dass unser Jugendamt sehr kompetent ist und vor allem uns so gut kennt!

Ich wünsche allen, die auf Ihr Wunderwesen warten und Hoffen ihr ganz persönliches Happy End!!!

             Hewuki

Liebe HeWuKi, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht, für die Zeit, die Du Dir genommen hast und für Deinen Mut, uns von Euern Erlebnissen zu berichten.

Nur ein Traum

Schlaftrunken greife ich nach dem Handy auf dem Nachttisch und checke schonmal die Mails, so zum wachwerden quasi. 1 Mail wird geladen…“plopp“ macht es und ich schaue auf den Bildschirm…das Herz setzt aus…Das ist eine Mail von unserer Jugendamtsbetreuerin. Sie schreibt: „Heute Nacht um 1.25 Uhr ist die kleine Anastasia geboren, sie ist 52cm groß, wiegt 3400 Gramm und sucht dringend Adoptiveltern. Bitte melden Sie sich so schnell wie möglich bei mir.“ Schock! Die Mail ist an zwei weitere Adoptivbewerberpaare adressiert und mir ist schlagartig klar, dass es wohl jetzt darauf ankommt, welches Paar sich als erstes meldet. Die Panik packt mich, ich rufe HerrnBitte und gerate in Hektik. Wo ist denn bloß die Nummer vom Jugendamt?! Warum find ich sie denn nicht? Die Zeit läuft gegen uns. Sicher haben die anderen zwei Bewerberpaare die Mail auch schon gelesen und greifen gerade zum Telefon. Mir bricht der Schweiß aus und ich fange an zu weinen. HerrBitte versucht mich zu beruhigen, aber sucht auch schon hektisch im Internet nach der Nummer. Irgendwann finden wir die Nummer und es ist klar, wir sind zu spät.

Wir werden trotzdem zum Gespräch ins Jugendamt gebeten. Dort finden wir uns in einer riesigen Telefonzentrale wieder. Mindestens 50 Menschen sitzen hier und telefonieren wie wild mit der ganzen Welt, um Adoptivkinder mit Adoptiveltern zusammenzuführen. Ich bin erstaunt, dass sich so viele Menschen, um unsere Adoptionsambitionen kümmern…das dürfte doch dann gar nicht mehr so lange dauern. Im Gespräch versichert uns die Dame aus der Telefonzentrale, dass unsere Lebensberichte überall auf der Welt sehr gut angekommen seien und auf große Resonanz gestoßen seien und es sicher bald ein passendes Adoptivkind für uns gebe. Ich fange wieder an zu weinen…ihre Aussage macht mir Hoffnung. „und wenn es dann geklappt hat“, sagt sie, „dann trinken wir zusammen einen Tee.“. Ich schwanke zwischen Ergriffenheit und Hoffnung und Angst und weine die ganze Zeit.

Plötzlich mache ich die Augen auf und realisiere: „Es war nur ein Traum“!

Trotzdem brauche ich einige Zeit, bis ich mich gefangen habe und komplett im Hier und Jetzt angekommen bin …so richtig weiß ich nicht, ob ich traurig oder froh darüber sein soll. Vor allem weiß ich nicht: Was will mein Hirn mir mit diesem abstrusen Traum wohl sagen?!? Kennt sich hier jemand mit Traumdeutung aus? Immer her mit Vorschlägen!!

Darf ich bitten?! #1

MamboLeo -Adoption in Kenia

Ab sofort wird es im Kreise der FamilieBitte die neue Kategorie „Darf ich bitten?“ geben. In dieser Kategorie möchte ich Adoptiv- und Pflegeeltern zum Interview bitten. Für mich ist es immer unheimlich spannend zu hören, wie der Adoptionsprozess oder Pflegeprozess bei anderen Familien abgelaufen ist, wie der Alltag mit einem Pflege- oder Adoptivkind aussieht und wie andere Paare mit dieser besonderen Situation umgehen…und diese Geschichten möchte ich gerne mit Euch teilen.

Adoption Kenia Darf ich bitten?

Den Anfang macht die liebe MamboLeo. In ihrem Blog erzählt sie über ihr Leben in Kenia und berichtet von der Adoption ihrer kleinen Tochter. Sie hat sich die Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten und erzählt, wie sie den Adoptionsprozess in Kenia erlebt hat. Aber lest selbst:

1. Aus welchen Gründen habt ihr Euch für eine Adoption entschieden?

Nachdem wir ein paar Jahre vergebens auf Kinderlärm, Kindergekicher, Kinderblicke, Kinderlieder, Kinderfragen und alles andere was zum Familienpaket dazu gehört gehofft, gebetet und gewartet haben, entschieden wir uns für diesen Weg.

  1. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben ein Kind zu adoptieren reagiert?

Rundum positiv.

  1. Welche Form der Adoption liegt bei Euch vor? Gibt es in Kenia auch „offene“, „halboffene“ und „inkognito“ Adoptionen?

Seit November 2014 dürfen keine neuen Adoptionsverfahren mehr durchgeführt werden. Ein Vorstoß im Parlament will neue Gesetzgebungen definieren, welche Kinder gegen Probleme wie u.a. Missbrauch und Menschenhandel schützen sollen. Ab wann man wieder adoptieren kann, ist unklar und somit auch, was für Formen der Adoption möglich sein werden.

  1. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt? Wie lief das Verfahren in Kenia ab?

Wir mussten viele Formalitäten ausfüllen, es gab medizinische check-ups, Police clearance, brauchten verschiedene Referenzen, ein Pate, hatten Gespräche und Interviews bei der Adoptionsagentur, Hausbesichtigungen etc… Es ist Arbeit, aber wenn man sich mal entschieden hat, löst jeder getane Schritt ein jubelndes “YES!” aus.

  1. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?

Belastung: Die vielen Verzögerungen durch mangelnden Informationsfluss von Seiten der amtlichen Stellen zu uns und innerhalb deren interdisziplinären Arbeit. ÄR-GER-LI-CHE-MO-MEN-TE.

Grösste Freude: Definitiv das Wunder als wir erfuhren, dass ganz konkret diese Prinzessin unsere Tochter wird! Das ist eine etwas längere Geschichte und dazu gibts vermutlich mal einen Blogeintrag bei mir.

6. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Einen Teddy! Wobei sich herausstellte, dass der gar nicht “nötig” gewesen wäre, da Prinzessin bereits mit ihrem Lieblingsteddy ankam und der auch nach einem Jahr seinen Favoritenplatz nicht abgegeben hat. Der andere hat nun seinen Ehrenplatz auf der Bettkante als Moskitonetz-Stütze, also war er doch nötig!

7. Wie habt ihr den ersten Kontakt zu Eurem Adoptivkind empfunden?

Als es klar war, dass Prinzessin zu uns kommen wird, war es vorgegeben, dass wir sie mehrmals im Heim besuchen gehen und mit ihr Zeit verbringen (in unserem Fall gingen wir eine Woche lang fast täglich vorbei). Sie wurde ebenfalls gut vorbereitet von Seiten ihrer Bezugspersonen. Mit ihren drei Jahren verstand sie, dass wir zwei ihre Mama und Papa werden und sie mit uns kommen wird. Wir hatten eine sanfte und vorsichtige Anwärmungszeit! Jetzt da Prinzessin aufgeblüht, voller Lebensfreude und ein kleiner Wirbelwind ist, realisieren wir, wie sehr sie im Übergang erst mal abtasten musste, ob dieser neue Ort, diese zwei neuen Menschen einen Ort der Geborgenheit sind. Sie war erst mal vorsichtig und still, doch offen und alles genau beobachtend. Mit jedem einzelnen, drauf folgenden Tag sahen wir wie sich die Vertrauensflügel mehr und mehr ausspannten – ein herrliches Erlebnis!

Auch Mama und Papa hatten natürlich viel zu beobachten, abtasten und herausfinden. So gab es all-abendliches reflektieren und diskutieren über all das Erlebte (gibt es auch heute noch J).

8. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Nein, die biologischen Eltern sind uns nicht bekannt. (Siehe dazu meinen Blog MamboLeo: Fragen an Adoptiveltern (1) )

9. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

Mit #9 kann ich mich sehr gut identifizieren und finde auch, dass „steril“ ein ganz schlimmes Wort ist in dem Bezug, pffff, wenn die ne Ahnung hätten!

10. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

In meinen Augen gibt es keine “un-besonderen” Familien. Wenn wir lernen, aus der Fülle unserer Einzigartigkeit als Individuum und Familie zu leben anstatt anderen “Ideal-Familien” nachzueifern dann kommts gut. Für mich ist die Tatsache, dass mein Mann und ich eine interkulturelle Familie führen, inklusive verschiedenen Sprachen, Hautfarben, kulturellem Erbe und nun mit der Adoption unserer Tochter ungemein spannend und attraktiv!

11. Habt ihr ein Adoptionsbuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben viele Fotos von der Übergangsphase sowie den ersten drei Lebensjahren unserer Tochter. Vor allem die Babybilder sind für sie sehr wichtig und es gab bereits Phasen, wo sie diese dauernd anschauen wollte und Fragen stellte. Das grosse Fotobuch ist noch am entstehen. Ganz lieb war, dass die Kinder aus dem Heim ihr zum Abschied ein Album mit persönlichen Notizen und Zeichnungen gemacht haben. Diese habe ich laminiert und gebunden. Was sich als Vorteil herausstellte ist, dass unser Wohnort unweit des Kinderheims liegt und wir so immer wieder mal einen Besuch abstatten konnten/können – v.a. dann, wenn Prinzessin fand, sie möchte ihre Freunde wiedermal sehen. So kam zB. eine Gruppe der Kids zu ihrer Geburtstagsparty zu uns. Es war jedesmal eine sehr gute Erfahrung, ohne Verwirrung oder Stress.

12. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?

Viele Gedanken und Fragen jagten mir durch den Kopf. Bis zu einem Punkt habe ich mich damit auseinandergesetzt, aber ich merkte auch, dass es wichtig ist, sich nicht den Kopf über vielen Details zu zerbrechen, sondern auch zu entspannen und es auf sich zu kommen zu lassen. Wie es definitv sein wird, was man alles empfindet, was sich wirklich verändert u.s.w. kann man eh erst wissen, wenn das Kind da ist.

13. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

Ui, die Liste mit Tipps ist sehr lang, denn wir lernen so unendlich viele neue Dinge auf vielen verschiedenen Ebenen. Ich beschränke mich aber auf die zwei Tipps, die mir zuoberst sind:

1) Nebst aller Literatur die ihr zur Kindererziehung und zu Adoptionsspezifischen Themen lest (was ich wichtig und gut finde) vergesst nicht, dass ihr eine einzigartige Geschichte habt und vertraut eurem inneren Kompass, der euch im “Eltern sein” den Navigationskurs angeben wird! Und: Wir dürfen (und werden) Fehler machen! Dürft also gerne gleich alle Ansprüche, perfekt zu sein zum Mond schicken und etwas gnädiger mit euch selber und einander sein.

2) Ein anderer Tipp der uns sehr geholfen hat:

Wenn dann euer Liebling angekommen ist und euren Alltag auf den Kopf stellt werdet ihr plötzlich mit eigenen Grenzen und Emotionen konfrontiert, mit denen ihr euch soweit vermutlich recht gut arrangiert habt. Das kleine Persönchen wird aber auf diese Arrangements keine Rücksicht nehmen, wie sollte es auch. Und so ist es wichtig, total offen zu reflektieren (mit sich selber und gemeinsam), einander gegenseitig Feedback geben und auch heikle Punkte nicht scheuen. Diskutiert was ihr anders machen wollt. FREUT EUCH und feiert die tausendvierhundertfünfundneunzigmillionen unbeschreibbar schönen Momente!

Von Herzen eure MamboLeo!

Liebe MamboLeo, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten und uns allen einen kleinen Einblick in Euer Leben als Adoptivfamilie gegeben hast.

Viele liebe Grüße,

FrauBitte

Habt auch ihr Lust von Euren Adoptiv- oder Pflegekinderlebnissen zu berichten? Dann meldet Euch sehr gerne bei mir: familiebitte@gmx.de

Vom Spagat

Mir stellt sich häufig die Frage, ob der pädagogische Umgang mit einem Adoptivkind ein anderer ist, als mit einem leiblichen Kind.

In Büchern und Ratgebern heißt es, dass es ganz wichtig sei, die Bindung zum Kind aufzubauen. Dies bedeutet: Viel Tragen, viel Körperkontakt, viel Verlässlichkeit…das Urvertrauen aufbauen. So sollen in den ersten Wochen nur möglichst wenig Besuche stattfinden und erst recht keine Willkommensparties. BabyBitte soll sich eingewöhnen, sich an unseren Geruch gewöhnen, an unsere Stimmen und unsere Tagesabläufe. Es soll lernen, dass nur wir Zwei, HerrBitte und ich, seine Bezugspersonen sind. Viele Kontakte, viel Herumreichen seien da störend, insbesondere, wenn BabyBitte schon mehrere Beziehungsabbrüche erlebt hat.

Das erschließt sich mir auch komplett. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich das tatsächlich so auch bei einem leiblichen Kind machen würde? Höchstwahrscheinlich nicht…so richtig gleich, scheint der Umgang nicht zu sein. Doch gelten diese Unterschiede nur für die Anbahnungsphase, also nur für die erste Zeit, oder wird unsere Situation immer eine Spezielle sein?

Wie bekomme ich den Spagat hin, gut auf mein Kind und seine speziellen Bedürfnisse achtzugeben und nicht gleichzeitig zu einer kompletten Überglucke zu mutieren, die bei jedem Pups schon völlig hysterisch wird? Besuche sind erlaubt ab dem dritten Monat und dann bitte nur von 16-18 Uhr, getragen werden darf BabyBitte ausschließlich von für qualifiziert befundenen Personen, „Aaaahhh, bitte seid nicht soooo laut.“, an den speziellen Babypopo darf nur die Creme XY und vom Thema Essen und Schlafen fangen wir gar nicht erst an…Nee, nee, so möchte ich nicht leben.

…also doch der Spagat!