Darf ich bitten?! #5

Heute bitte ich Katja vom Blog Gedankenwaben zum Interview. Katja und ihr Mann haben ein kleines Mädchen adoptiert und berichten uns, wie sie das Verfahren erlebt haben und heute gemeinsam leben.

  1. Warum habt ihr Euch für eine Adoption entschieden?

In unserem Umfeld sind Kinder etwas ganz Selbstverständliches. Auch angenommene Kinder. Und da mein Mann ebenfalls adoptiert ist, war dieser Weg zum Kind für uns die normalste Sache der Welt. Genetik hatte und hat im Bezug auf unseren Kinderwunsch einfach keinen besonderen Stellenwert.

2. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

 Alle haben sich wahnsinnig mitgefreut. Besonders unsere selbst adoptierten Familienmitglieder und Freunde.

3. Welche Form der Adoption liegt bei Euch vor?

 Die offene Adoption.

4. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt?

Als durchweg positives Abendteuer. Wir haben heute noch Kontakt zu unserer begleitenden Sozialpädagogin. Für uns wohnt der Klapperstorch im Jugendamt.

5. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?

 Das ganze Verfahren war für uns eine Freude. Ein Abenteuer, ein Vorbereiten auf unser Kind. Belastend war ehrlich gesagt gar nichts.

6. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

 Wir haben nicht wirklich lange gewartet. In der Wartezeit an sich waren wir entspannt. Unser Alltag ging ganz normal weiter.

7. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

Der Anruf kam bezeichnenderweise nach 9 Monaten. Von da an stand die Zeit still.

8. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Ein MaxiCosi, um von der Klinik nach Hause zu kommen.

9. Wie habt ihr die erste Begegnung mit Euerm Kind erlebt?

 Wie beschreibt man die erste Begegnung mit seinem Kind? Gar nicht! Denn: unbeschreiblich! Nicht in Worte zu fassen.

10. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Wir haben Kontakt zur Herkunftsfamilie. Mehr möchten wir hier nicht angeben, das ist zu privat. Unser Kind nennt seine leibliche Mutter „Bauchfrau“. Mein Mann seine auch.

11. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

Nein. Nie. Also, außer der üblichen Nervmomente mit Kindern.

12. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

 Wir fühlen uns nicht besonders und sind es auch nicht. Besonders an unserer Familienkonstellation ist höchstens, dass unser Kind schon eine Geschichte mitbringt, die wir kennen und mittragen. Das ist nicht besser oder schlechter, sondern anders. Und bedarf manchmal gesonderter Herangehensweisen im Alltag, z. B. bei der Biografiearbeit. Herausfordernd in unterschiedlichster Art und Weise sind alle Kinder. Außerdem ist jede Adoption individuell zu betrachten. Es gibt ja auch verschiedene Adoptionsformen. Allgemeinplätze – wie man sie oft im Internet liest – sind hier wirklich unangebracht. Kurzum: Adoptiveltern sind erst mal auch einfach nur Eltern.

13. Habt ihr ein Adoptionsbuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

 Nein, wir haben kein Adoptionsbuch, sondern normale Fotoalben. Da wir offen adoptiert haben, müssen wir keine theoretische Biografiearbeit leisten. Unser Kind lebt seine Geschichte im Alltag. Aus diesem Grund hat sie keine gesonderte Bedeutung.

14. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?

Adoption war ja schon Teil unserer Familiengeschichte. Wir sind sehr verwoben mit dem Thema. Vorbereiten mussten wir uns da nicht groß. Auf Kinder kann man sich auch nicht wirklich vorbereiten. Wenn sie da sind – egal, woher sie kommen – steht eine Giraffe im Zimmer und alles ist neu und anders. Wer Kinder hat lebt auf dünnem Eis, das ist einfach so

15. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

Seid offen für das Abenteuer Kind mit allem was dazugehört.

Liebe Katja, vielen Dank für das Interview!!

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Darf ich bitten?#4

Auslandsadoption in Russland – Charlotte berichtet

Heute hat sich die liebe Charlotte vom Blog „Charlottes Adoptionsblog“ bereit erklärt meine Fragen zu beantworten. Charlotte und ihr Mann haben zwei Kinder aus Russland adoptiert. Auf ihrem Blog berichtet sie rückblickend, in Tagebuchform, von ihren Erlebnissen und Empfindungen während des Adoptionsprozesses und von ihrem Leben als Familie nach der erfolgreichen Adoption.

Russland, Auslandsadoption

  1. Warum habt ihr Euch für eine Adoption entschieden?

Bevor wir uns zum Schritt der Adoption entschlossen, hatten zuvor Jahre der Behandlung in einem der vielen Kinderwunschzentren, gescheiterte Versuche künstlicher Befruchtung, zwei Schwangerschaften und zwei Fehlgeburten hinter uns gelegen. Nach der zweiten Fehlgeburt war uns klar: Dies war der falsche Weg für uns. Das Schicksal wollte es, dass wir den richtigen Impuls zur richtigen Zeit bekamen: Immer häufiger begegnete uns die Idee der Adoption eines Kindes. Es tat gut, zu lernen, dass es auch andere Wege gibt, unseren Kinderwunsch zu erfüllen. Wir fühlten uns in der Gestaltung unserer Zukunft als Familie wieder autonom und unabhängig. Und die Adoption eines Kindes erschien uns in dem Bewusstsein sinnvoll, dass es so viele Kinder auf der Welt gibt, die nach fürsorglichen Eltern und einem Zuhause suchen.

2. Welche Form der Adoption liegt bei Euch vor?

Da wir wussten, dass unsere Chancen auf eine Säuglingsadoption im Inland schlecht standen, konzentrierten wir uns sehr schnell auf die Adoption eines Kindes aus dem Ausland. Unterschiedliche Faktoren leiteten unsere Länderwahl. Wir wollten eine gesicherte Rechtslage für das Verfahren, da wir es vor unserem Gewissen und unserem zukünftigen Kind nur verantworten konnten, auf legalem Wege zu adoptieren. Wir wünschten uns einen zeitlich überschaubaren Adoptionsprozess, da wir nicht mehr bereit waren, uns auf eine lange, zähe und ungewisse Wartezeit von mehreren Jahren einzulassen. Wir trauten uns nicht zu, die Adoption im Ausland auf eigene Faust durchzuführen, sondern wollten uns von einer etablierten Vermittlungseinrichtung helfen lassen. Und schließlich sollte das Herkunftsland unseres Kindes eines sein, zu dem wir in irgendeiner Form selbst eine emotionale Beziehung aufbauen konnten. Russland erfüllte all diese Kriterien für uns.

3. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Bis der Überprüfungsprozess abgeschlossen war, hatten wir niemanden in unserem Umfeld eingeweiht, genauso wie wir die vorangegangene Kinderwunschbehandlung für uns behalten hatten. Das war etwas, was nur meinen Mann und mich etwas anging. Als wir mit Vorliegen des Sozialberichts anfingen, unsere Familien und Freunde einzuweihen, sind wir meist Freude und Bewunderung begegnet. Mit viel Anerkennung für den Mut, den wir aufbrachten, um uns unseren Wunsch, eine Familie zu gründen, zu erfüllen. 

4. Wie habt ihr das Adoptionsverfahren erlebt?

Der Überprüfungsprozess in Deutschland verlief zügig und schnell. Es war spannend, auf der einen Seite sich viel mit dem möglichen Herkunftsland unseres Kindes zu beschäftigen, auf der anderen Seite noch einmal viel über uns selbst – wie wurden wir erzogen, welche Werte spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle, etc. – und auch über uns als Paar zu lernen und uns bewusst zu machen. Der weitere Prozess in Russland, nachdem wir unseren ersten Kindervorschlag erhalten hatten, war rückblickend ein riesiges Abenteuer, das oft sehr nervenaufreibend und anstrengend, aber genauso auch spannend und interessant war. Währenddessen haben wir oft gesagt, das machen wir kein zweites Mal. Heute würden wir es immer wieder tun. 

5. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?

Die niederschmetterndste Erfahrung war das Scheitern des Adoptionsprozesses um unseren ersten Sohn. Das war wie eine erneute Fehlgeburt. Die größte Freude war der Rückflug am Ende unseres Adoptionsprozesses mit unseren zwei Kindern aus Moskau. So fühlt sich Glück an!

6. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

In unserem Fall kam eine email von der Vermittlungsagentur, ungefähr sechs Wochen, nachdem wir unsere Papiere abgegeben hatten: „Wir haben einen Kindervorschlag für sie.“ Eine Woche später sind wir zum ersten Mal nach Russland geflogen. Ehrlich gesagt blieb da nicht viel Zeit für Gefühle, zumal wir auch keine Informationen zu dem Kind hatten. Das war im Nachhinein sehr gut, denn so mussten wir völlig offen bleiben und uns einfach auf das einlassen, was uns dann in Russland erwartete. Es gab keinen Platz für falsche Hoffnungen und Erwartungen. 

7. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

Es waren für uns keine „BitteWarten-Momente“, sondern vielmehr „UnsereletztenMale“-Momente. Bevor dann ganz viele Momente der neuen „ersten Male“ kommen würden. Wir haben bewusst ganz viele Dinge getan, von denen wir wussten, dass wir sie mit Kindern nicht mehr so schnell tun werden können: Viele Urlaube, viele Wochenendreisen, viele Freunde besuchen, viel Essen gehen, viel ins Theater gehen, viele Ausstellungen besuchen,…. Viel unternehmen, um eben nicht zu warten. 

8. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind? 

Handpupppen, um damit im Kinderheim zu spielen.

9. War es Liebe auf den ersten oder auf den zweiten Blick?

Ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick, erst recht nicht bei einer Adoption. Die so oft beschriebene „Adoptionsromantik“ – „Das ist mein Kind!“ – blieb bei uns aus. Dennoch: Von der ersten Begegnung mit unseren Kindern an, waren wir tief beeindruckt von jedem der beiden Kinder, das jedes auf seine Art so einzigartig war und ist. Schon bei der ersten Begegnung keimte ein zartes Gefühl von Zuneigung und elterlichen Fürsorge in uns auf. Vom ersten Moment an waren wir überzeugt, dass wir sie annehmen und lieben, mit ihnen eine Familie werden können.

10. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Nein, das russische Adoptionsverfahren sieht keinen Kontakt mit den leiblichen Eltern vor. Doch werden wir unsere Kinder darin unterstützen, ihre leiblichen Eltern zu finden, wenn sie das irgendwann einmal möchten. Im täglichen Umgang nennen wir ihre russischen Eltern bei ihren Vornamen. 

11. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

Oh ja, viele! Einen BitteNicht-Moment nehmen wir inzwischen mit großer Gelassenheit: 

Unsere Kinder waren noch nicht einmal drei und gerade etwas über ein Jahr alt, als sie von Russland nach Deutschland kamen. Beide sprachen nicht, weder Deutsch, noch sonst irgendeine Sprache, lernten dann aber irgendwann schnell. Doch bis heute – unsere Adoption ist mittlerweile ein paar Jahre her – müssen wir uns immer noch die Frage gefallen lassen: „Und, sprechen sie schon richtig Deutsch?“

12. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

Ja, ich bin davon überzeugt, dass wir eine besondere Familie sind. Deshalb heißt mein Blog auch „Anders Mutter werden, anders Mutter sein….“ (www.charlottesadoptionsblog.com) Das zeigt sich für uns in zu vielen Alltagsmomenten, um sie hier aufzuschreiben. Und ich habe lange gebraucht, um dies zu verstehen und zu akzeptieren. Meist sind es die emotionalen Amplitudenausschläge, wie wir sie nennen, an denen wir merken, dass wir als Familie, als Eltern und Kinder, einfach anders sind.

13. Habt ihr ein Adoptions- oder Pflegebuch für Eure Kinder angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzen Eure Kinder das Buch?

Nein, so wie es die Fachliteratur empfiehlt, haben wir kein Buch angelegt. Wir haben für beide Kinder eine Adoptionskiste mit allen Dingen und Informationen, die wir über ihr Leben, bevor sie zu uns kamen, sammeln konnten. Die werden sie irgendwann einmal bekommen. Daneben schreiben wir Tagebuch über ihr Leben, mit allem was so passiert und was wir für wichtig und erinnerungswürdig halten. 

14. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?

Ja, wir haben uns recht intensiv auf die Adoption vorbereitet. Wir haben Seminare besucht und ich habe fast schon zu viel Fachliteratur gelesen. So viel, dass ich irgendwann zu meinem Mann gesagt habe: „Ich muss jetzt einmal etwas über „normale Kindesentwicklung“ lesen.“ Zum einen war diese intensive Vorbereitung im Rahmen des russischen Adoptionsverfahrens gefordert, zum anderen half es uns, ein recht gutes Bild zu bekommen, auf was wir uns einlassen und mit welchen Risiken wir konfrontiert sein könnten. Wir haben das auch bis heute weiter fortgesetzt. Ich lese nach wie vor viel Fachliteratur, wir besuchen weiter Seminare und Supervisionen zusammen und pflegen einen intensiven Austausch mit anderen Adoptivfamilien. Natürlich haben wir somit keine Garantie auf den perfekten Umgang mit unseren Kindern – und die in der Literatur beschriebene Theorie ist häufig meiner Meinung nach zu kurz gesprungen oder zu sehr pauschalisiert -, doch glaube ich schon, dass wir so mit mehr Ruhe und Gelassenheit mit Problemen umzugehen gelernt haben, als wenn wir uns nicht so viel und intensiv mit der Theorie auseinandergesetzt hätten. 

15. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

Mit Blick auf den Adoptionsprozess seid bedingungslos ehrlich zu Euch selbst und zu Eurem Partner. Kennt Eure Grenzen, was ihr Euch zutraut und was nicht. Die ehrlichste Antwort ist immer ein „NEIN“, so hart das klingt. Aber das muss man sich selbst eben zu gestehen. Eine Adoption hat keinen Platz für Kompromisse. 

Verliert nie den Glauben an Euch selbst und an Euren Weg, eine Familie zu werden! Er ist großartig und bewundernswert. Und alles, was dieser Weg bereithält, bis das Kind dann endlich da ist, ist so wichtig, um vorbereitet zu sein, auf das, was dann folgt. Denn als Adoptiveltern braucht es unendlich viel Geduld, Gelassenheit, grenzenlosen Mut und Kraft, für sein Kind, sich selbst und seinen eigenen Weg einzustehen. 

Liebe Charlotte,

tausend Dank für Deine tollen Zeilen. Ich wünsche Euch Vieren alles Liebe und Gute!!

Darf ich bitten?! #3

HeWuKi – Ein Adoptionsbericht

Heute gibt es wieder einen wundervollen Erfahrungsbericht, diesmal von der lieben HeWuKi. Sie berichtet uns, wie sie und ihr Mann das Adoptionsverfahren erlebt haben und welche Rolle das Thema „Adoption“ in ihrem Alltag mit Adoptivkind spielt.

1. Warum habt ihr Euch für eine Adoption/ ein Pflegekind entschieden?

Adoption war schon sehr früh für uns eine Möglichkeit ein Kind in unser Leben einzuladen. Als wir erfahren haben das wir auf natürlichen Wege nur schwer schwanger würden, haben wir uns zwar dafür entschieden den Weg der künstlichen Befruchtung zu gehen, aber gleichzeitig auch festgelegt nicht x Versuche zu machen. Nach einer Icsi und einem Kryoversuch, die beide in einer Fehlgeburt endeten war für uns die künstliche Befruchtung keine Option mehr. Wir haben uns lange Zeit gelassen unsere Wunden zu lecken und unseren Kinderwunsch sehr bewusst zu hinterfragen und dann das Adoptionsverfahren gestartet.

2. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Größtenteils sehr positiv – es gab aber auch einige die meinten wir sollten doch „einfach nochmal eine Icsi machen“ da das ja schon zweimal zu einer Schwangerschaft geführt habe.

3. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt?                                                                                

Als sehr positiv und einfühlsam. Das Verfahren war gut um unseren Kinderwunsch zu hinterfragen, zu schauen wie gut wir als Paar „funktionieren“ und auch einen Teil unserer früheren Kinderwunsch-Geschichte aufzuarbeiten! Wir haben oft gehört das es ungerecht sei, das Adoptivpaare so „hart“ geprüft werden und so viele Gespräche führen müssen. Aber meiner Meinung nach ist das nötig. Es gibt Fragen denen man sich stellen muss z.B. trauen wir uns ein Behindertes Kind zu? Wie würde unser Umfeld mit einem Kind mit anderer Hautfarbe zurecht kommen? Schaffen wir es Zwillinge großzuziehen und nicht zuletzt, wie wollen wir als Familie leben? Gerade die Frage mit der Beeinträchtigung eines Kindes wird ja gerne damit kommentiert, dass es ja unfair sei solche Kinder „abzulehnen“ da man das beim eigenen Kind ja auch nicht entscheiden könne. Aber ich finde es gerade bei dieser Frage wichtig ehrlich zu sein und sich seine Grenzen zu stecken. Im Nachhinein haben mir bei meiner Kiwu-Klinik die intensive Gespräche gefehlt wie unsere Sachbearbeiterin sie mit uns geführt hat. In der Kiwu bringt dich meist niemand dazu deinen Kinderwunsch zu hinterfragen und das Leben mit Kind zu entzaubern und nicht wie in der Rama Werbung darzustellen.

4. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?                                                                                                      

Belastend war das Warten (auch wenn wir gar nicht lange warten mussten :0)) und das ständige „Adoption? Das ist doch ein aussichtsloser Weg….“ von einigen Menschen.

Freude kam auf, als wir die Anerkennung endlich in den Händen hielten.

5. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

Wir haben die Wartezeit ähnlich wie Familie Bitte verbracht :0) Wir haben es noch mal richtig krachen lassen und viiiiiiieeeeeele tolle Dinge gemacht. Es fühlte sich an wie die Vorweihnachtszeit – allerdings ohne zu Wissen wann Weihnachten ist.

6. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

Es waren nur ein paar Monate. Wir hatten wirklich Glück! Nach unserem Telefonat mit unserer Sachbearbeiterin hatten wir glaube ich alles an Gefühlen was man so haben kann. Von Freude bis Angst (wird das jetzt wirklich was?) war alles dabei. Und sooooo viele Fragen. ;0) Die Zeit bis wir unser Wunderwesen dann kennen lernen konnten erschien ewig lang. Wir haben auch erst beim ersten Kennenlernen des Wunderwesens erfahren ob es ein Junge oder Mädchen ist und wie es heisst. Da konnten wir vorher viel spekulieren.

7. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Ein Stoffigel den es heute noch heiss und innig liebt.

8. War es Liebe auf den ersten oder auf den zweiten Blick?                                                            

Es war schon Liebe auf den ersten Blick, aber bis mein Herz und Hirn realisiert hat, das ist jetzt dein Wunderkind, du bist angekommen, das hat eine Weile gedauert. Das hat mich am Anfang etwas frustriert, im Nachhinein denke ich es ist normal dass man Zeit braucht all die Dinge die da auf einen einprasseln – und das ist nicht wenig wenn man ein Wunderwesen kennenlernt – zu verarbeiten und eine tiefe Bindung aufzubauen.

9. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Wir haben das Glück einiges über die Herkunftsfamilie zu wissen. Wir nennen sie beim Vornamen.

10. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?                                                    

Während der Kiwu Zeit waren es die „du solltest aber langsam mal Kinder bekommen!“ von denen, die nicht wussten, wie es um unserem Kinderwunsch steht und wohl dachten, ich hätte keine Lust auf Kinder.

Während des „Warteprozesses“ waren es die Aussagen von Fremdjugendämtern (Jugendämter bei denen wir uns zusätzlich zu unserem zuständigen Jugendamt beworben haben oder es wollten) dass es eh keine Kinder zur Vermittlung geben würde und wir doch bitte ein Pflegekind nehmen mögen…. Es gab aber auch ein Fremdjugendamt das unsere Bewerbung nicht sorgfältig gelesen hat und uns dann einen Kindervorschlag machte der unsere „Möglichkeiten“ überschritt. Das hieß wir mussten „Nein“ zu einem Kind sagen. Das ist uns wahnsinnig schwer gefallen, aber wir wussten das wir es mit diesem Kind nicht schaffen würden… das hat uns lange beschäftigt. Ich ärger mich heute noch über die Arbeitsweise dieses Jugendamtes!

11. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

Eigentlich zeigt sich das nur ganz selten. Z.B. wenn andere Mütter über ihre Geburten sprechen oder jemandem auffällt dass ich zum entsprechenden Zeitpunkt nicht schwanger war. Wir fühlen uns schon als eine besondere Familie – als eine besonders Glückliche. :0) Wir versuchen aber auch die Herkunftsfamilie in das Leben unseres Kindes zu integrieren. Die Namen werden immer mal wieder in den Alltag integriert.

12. Habt ihr ein Adoptions- oder Pflegebuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben schon während des Adoptionsprozesses verschiedene wichtige Stationen für das Kind auf Fotos festgehalten. So gibt es ein Foto von uns am PC als wir die Lebensberichte geschrieben haben. ein Foto mit der Tischdeko eines besonderen Besuchs des Jugendamtes usw. Als wir anerkannt waren haben wir unserem zukünftigen Kind eine Einladung geschrieben – auch hiervon gibt es Fotos. Außerdem gibt es Fotos von der Leiblichen Familie. Das Buch soll unserem Kind später zeigen wie sehr wir uns schon im Vorfeld auf es gefreut haben und was seine Wurzeln sind. Noch ist das Kind zu klein um es zu nutzen :0) Aber ich hoffe später wird es ein großer Schatz sein. Das Buch wird daher auch zusammen mit anderen Erinnerungsdingen der leiblichen Eltern in einer besonderen Kiste aufbewahrt. 

13. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?                                                          

Wir haben unserer Arbeitgeber informiert, da wir nicht am Tag X die komplette Story erzählen wollten bzw. ich nicht einfach so mal eben „ich bin dann jetzt 3 Jahre in Elternzeit“ verkünden wollte. Wir haben beide super nette Chefs und bekamen positive Resonanz. Als es dann soweit war haben beide Arbeitgeber super reagiert. Ich konnte problemlos sofort in Elternzeit gehen und auch mein Mann bekam einen verlängerten Spontan-Urlaub genehmigt. Ansonsten haben wir dem Kind vorab einen Ama..on Account eingerichtet und konnten dort eine Wunschliste mit nötigen Dingen schon mal in Ruhe anlegen, ohne ständig über unsere Accounts mit Baby Werbung konfrontiert zu werden. Als wir dann den Großeinkaufs-Tag im Baby Markt machten, wussten wir schon was wir von welcher Marke haben wollten oder mussten nur noch auf Bestellen klicken.

14. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

NUR NICHT AUFGEBEN! Auch wenn ihr noch so oft von irgendwelchen Jugendämtern hört dass es schlecht aussieht – glaubt an euer Wunder! Ich habe während der Wartezeit gerne den Song „Am I wrong“ von Nico & Vinz gehört. In dem es ja – sehr grob gesagt – darum geht einen anderen Weg einzuschlagen weil man fest an etwas glaubt auch wenn es nicht (sichtbar) greifbar ist.                                                                                                                            Aber wir hatten auch eine Deadline wenn bis zu diesem Tag der Anruf nicht gekommen wäre, hätten wir abgeschlossen mit dem Kinderwunsch und ich wäre ins „Wonderland“ gezogen. Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens Kiwu Frau sein sondern mein Leben leben und GENIEßEN so wie es aktuell ist. Ich glaube das ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch in der Kinderwunsch-Zeit, egal ob über künstliche Befruchtung oder wartend auf den Anruf, sollte man sein Leben leben. Während des Bewerbungsverfahren haben wir eine lange Fernreise gemacht, das hat das Verfahren zwar verlängert, aber es war uns wichtig. Außerdem habe ich während der Wartezeit einen neuen wichtigen Posten angenommen – obwohl ich wusste ich kann ihn vielleicht nicht lange ausfüllen. Aber wir waren es leid immer alles um den Kinderwunsch herum zu planen. Und im Nachhinein war das genau richtig.                                 Außerdem würde ich (nach meiner Erfahrung mit dem unpassenden Kindervorschlag des Fremdjugendamtes) dazu raten die Fremdjugendämter bei denen man sich bewirbt genau zu inspizieren. Wir waren damals so froh wenn uns ein Jugendamt in die Bewerberkartei aufgenommen hat, das wir gar nicht geschaut haben wie gut das entsprechende Jugendamt ist… Außerdem muss man immer damit rechnen dass auch nach der Aufnahme des Kindes noch Komplikationen auftreten und dass die 8-Wochenfrist nicht in allen Fällen wirklich umgesetzt wird. Wir hatten da so einige Komplikationen und waren froh dass unser Jugendamt sehr kompetent ist und vor allem uns so gut kennt!

Ich wünsche allen, die auf Ihr Wunderwesen warten und Hoffen ihr ganz persönliches Happy End!!!

             Hewuki

Liebe HeWuKi, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht, für die Zeit, die Du Dir genommen hast und für Deinen Mut, uns von Euern Erlebnissen zu berichten.

Darf ich bitten?! #2

Ano – Eine Pflegefamilie erzählt

Nachdem MamboLeo  vor einigen Wochen meine neue Rubrik eingeleitet hat, darf ich heute die liebe Ano zum Interview bitten. Ano und ihr Mann haben vor einiger Zeit ein Pflegekind bei sich aufgenommen und die beiden haben sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten. Vielen Dank für Eure Zeit und Eure Offenheit!!

Ano Pflegefamilie

  1. Warum habt ihr Euch für ein Pflegekind entschieden?

Den Wunsch hatten wir schon ganz zu Beginn unserer Ehe. Wir lieben Kinder! Ihnen diese Liebe weiterzugeben und sie auf dem Weg zu selbständigen, angenommenen, zufriedenen Menschen zu begleiten ist uns ein Herzensanliegen. „Geplant“ waren erst leibliche Kinder und dann Pflegekinder. Jetzt ist unser erstes Kind ein Pflegekind.

  1. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Wir haben im Voraus nur unsere enge Familie und ganz wenige Freunde eingeweiht. Sie fanden die Entscheidung mutig und haben uns unterstützt und sich sehr mit uns gefreut. Umso überraschender war es dann für alle anderen, als das Zwergenkind plötzlich da war.

  1. Welche Form der Adoption/Pflege liegt bei Euch vor?

Dauerpflege

  1. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt?

Wir haben im Jugendamt und beim Bewerberseminar unglaublich kompetente und freundliche Menschen getroffen. Die Hausbesuche mit intensiven Gesprächen waren z.T. sehr intim und wir haben eine Menge ausgepackt – aber ich finde, das ist berechtigt. Spannend waren für uns vor allem Fragen wie z.B. „Was glauben Sie, schätzen Kinder an Ihrem Partner?“ „Wo liegen die Stärken Ihres Partners?“ Vorher haben wir (getrennt voneinander) schon mal vergleichbare Fragebögen aus dem Internet beantwortet und uns darüber ausgetauscht. So waren bestimmte Dinge schon für uns beide klar, das hat uns Sicherheit gegeben. Im Bewerberseminar wurde Klartext gesprochen. Ein Pflegekind aufzunehmen bedeutet eine andere Belastung als eigene Kinder aufzuziehen. Jedes Kind, auch wenn es „nur“ von der Mutter getrennt wurde und keine sichtbaren Verletzungen zeigt, ist traumatisiert. Der sogenannte „Rucksack“, den jedes Kind mit sich trägt, wird oft erst im Laufe der Jahre ausgepackt. Hierfür ist das Wissen z.B. über Bindung(stheorien) sehr hilfreich – um mal einen Themenbereich des Seminars anzusprechen. Allein der Gedanke „Wir haben noch ein Kinderzimmer frei“, „Mein Kind soll Geschwister haben“ oder „Ich will unbedingt ein Kind“ sollten keine Motivation für die Aufnahme eines Pflegekindes sein. Einige Themen waren uns aufgrund unseres beruflichen Hintergrundes schon bekannt, aber dennoch sehr wichtig, andere ganz neu.

  1. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Pflegeverfahrens empfunden?

Belastung: –

Freude: Der durchweg positive Zuspruch zu unserer Entscheidung von Seiten des Jugendamts und ganz klar: der 1. Abend zu dritt!

  1. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

Wir haben nichts außergewöhnliches angestellt und versucht in der Gegenwart zu leben, Dinge noch mal zu zweit zu genießen und ab und an zu träumen von dem Zwergenkind, das wohl kommen könnte. Im Vordergrund stand die Vorfreude aber auch die Spannung, was für ein Kind zu uns kommen würde.

  1. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

Es waren gut 3 Monate… und die Nachricht ist immer noch auf dem Anrufbeantworter. Auf einmal fängt alles an zu kribbeln und das Herzklopfen beginnt. Da ich innerhalb weniger Tage aufgehört habe zu arbeiten, gab es neben der riesen Vorfreude noch unglaublich viel zu klären und zu organisieren.

  1. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Es vergingen nur wenige Tage vom Anruf bis zum Einzug, deshalb war Power-Shoppen angesagt: Flaschen, Nahrung, etwas Kleidung, ein Kinderbett und einen Kinderwagen. Viele Dinge haben wir uns von Freunden geliehen.

  1. War es Liebe auf den ersten oder auf den zweiten Blick?

Auf den ersten! Aber die Liebe wird jeden Tag stärker und tiefer!

  1. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Ja, wir treffen ein Elternteil monatlich. Für das Zwergenkind ist es „MamaVorname“.

  1. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

In den letzten Jahren der Kinderwunschzeit gab`s so einige… und seit wir Pflegeeltern sind eher z u intime Fragen zur Vergangenheit des Zwergenkindes.

Ach doch, es gibt Leute, die versuchen aus jeder Situation das Optimum herauszuholen: „Mensch, hast du ein Glück: du hast ein Baby und kannst trotzdem Alkohol trinken!“ Uuurgs!

Oder auch: „Ein Pflegekind? Seid ihr sicher? Und wenn euch das wieder weggenommen wird? Ich könnte das ja nicht!“

  1. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

Wir finden uns natürlich besonders toll ;-)!

  1. Habt ihr ein Adoptions- oder Pflegebuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben ein Pflegebuch, in dem einiges über die leiblichen Eltern und die Situation vor der Pflegschaft eingetragen werden kann. Bislang steht da noch nicht viel drin, es wird sich in den nächsten Monaten und Jahren füllen.

Ich habe ein Fotoalbum angelegt, das auch Bilder der leiblichen Eltern aus der ersten Zeit enthält. Es geht nahtlos über in den „Umzug“ in unsere Familie.

  1. Habt ihr Euch auf die Pflege vorbereitet? Wenn ja, wie?

Siehe 4.

Wir haben viel darüber gesprochen und dafür gebetet.

  1. Welche Tipps könnt ihr Pflegebewerbern und werdenden Pflegeeltern mit auf den Weg geben?
  • Sprecht mit Pflegeeltern und besucht Pflegefamilien! Es ist gut zu wissen, dass man als Pflegeeltern besonders herausgefordert wird – das betrifft nicht nur das Kind selbst, sondern auch den Kontakt mit dem Jugendamt (Sachbearbeiter, Vormund), den leiblichen Eltern, Ärzten oder Personen, die für gerichtliche Entscheidungen zuständig sind. Und noch wichtiger: es ist wunderschön zu sehen, dass im Alltag genau das in den Hintergrund rückt und man das gemeinsame Leben als Familie genießen kann!
  • Seid 100pro ehrlich zueinander und zu euch selbst. Akzeptiert eure eigenen Grenzen und die eures Partners (z.B. mit Blick auf die Vergangenheit oder die Einschränkungen/ Behinderung des Kindes).
  • Seid mutig!

Darf ich bitten?! #1

MamboLeo -Adoption in Kenia

Ab sofort wird es im Kreise der FamilieBitte die neue Kategorie „Darf ich bitten?“ geben. In dieser Kategorie möchte ich Adoptiv- und Pflegeeltern zum Interview bitten. Für mich ist es immer unheimlich spannend zu hören, wie der Adoptionsprozess oder Pflegeprozess bei anderen Familien abgelaufen ist, wie der Alltag mit einem Pflege- oder Adoptivkind aussieht und wie andere Paare mit dieser besonderen Situation umgehen…und diese Geschichten möchte ich gerne mit Euch teilen.

Adoption Kenia Darf ich bitten?

Den Anfang macht die liebe MamboLeo. In ihrem Blog erzählt sie über ihr Leben in Kenia und berichtet von der Adoption ihrer kleinen Tochter. Sie hat sich die Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten und erzählt, wie sie den Adoptionsprozess in Kenia erlebt hat. Aber lest selbst:

1. Aus welchen Gründen habt ihr Euch für eine Adoption entschieden?

Nachdem wir ein paar Jahre vergebens auf Kinderlärm, Kindergekicher, Kinderblicke, Kinderlieder, Kinderfragen und alles andere was zum Familienpaket dazu gehört gehofft, gebetet und gewartet haben, entschieden wir uns für diesen Weg.

  1. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben ein Kind zu adoptieren reagiert?

Rundum positiv.

  1. Welche Form der Adoption liegt bei Euch vor? Gibt es in Kenia auch „offene“, „halboffene“ und „inkognito“ Adoptionen?

Seit November 2014 dürfen keine neuen Adoptionsverfahren mehr durchgeführt werden. Ein Vorstoß im Parlament will neue Gesetzgebungen definieren, welche Kinder gegen Probleme wie u.a. Missbrauch und Menschenhandel schützen sollen. Ab wann man wieder adoptieren kann, ist unklar und somit auch, was für Formen der Adoption möglich sein werden.

  1. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt? Wie lief das Verfahren in Kenia ab?

Wir mussten viele Formalitäten ausfüllen, es gab medizinische check-ups, Police clearance, brauchten verschiedene Referenzen, ein Pate, hatten Gespräche und Interviews bei der Adoptionsagentur, Hausbesichtigungen etc… Es ist Arbeit, aber wenn man sich mal entschieden hat, löst jeder getane Schritt ein jubelndes “YES!” aus.

  1. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?

Belastung: Die vielen Verzögerungen durch mangelnden Informationsfluss von Seiten der amtlichen Stellen zu uns und innerhalb deren interdisziplinären Arbeit. ÄR-GER-LI-CHE-MO-MEN-TE.

Grösste Freude: Definitiv das Wunder als wir erfuhren, dass ganz konkret diese Prinzessin unsere Tochter wird! Das ist eine etwas längere Geschichte und dazu gibts vermutlich mal einen Blogeintrag bei mir.

6. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Einen Teddy! Wobei sich herausstellte, dass der gar nicht “nötig” gewesen wäre, da Prinzessin bereits mit ihrem Lieblingsteddy ankam und der auch nach einem Jahr seinen Favoritenplatz nicht abgegeben hat. Der andere hat nun seinen Ehrenplatz auf der Bettkante als Moskitonetz-Stütze, also war er doch nötig!

7. Wie habt ihr den ersten Kontakt zu Eurem Adoptivkind empfunden?

Als es klar war, dass Prinzessin zu uns kommen wird, war es vorgegeben, dass wir sie mehrmals im Heim besuchen gehen und mit ihr Zeit verbringen (in unserem Fall gingen wir eine Woche lang fast täglich vorbei). Sie wurde ebenfalls gut vorbereitet von Seiten ihrer Bezugspersonen. Mit ihren drei Jahren verstand sie, dass wir zwei ihre Mama und Papa werden und sie mit uns kommen wird. Wir hatten eine sanfte und vorsichtige Anwärmungszeit! Jetzt da Prinzessin aufgeblüht, voller Lebensfreude und ein kleiner Wirbelwind ist, realisieren wir, wie sehr sie im Übergang erst mal abtasten musste, ob dieser neue Ort, diese zwei neuen Menschen einen Ort der Geborgenheit sind. Sie war erst mal vorsichtig und still, doch offen und alles genau beobachtend. Mit jedem einzelnen, drauf folgenden Tag sahen wir wie sich die Vertrauensflügel mehr und mehr ausspannten – ein herrliches Erlebnis!

Auch Mama und Papa hatten natürlich viel zu beobachten, abtasten und herausfinden. So gab es all-abendliches reflektieren und diskutieren über all das Erlebte (gibt es auch heute noch J).

8. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Nein, die biologischen Eltern sind uns nicht bekannt. (Siehe dazu meinen Blog MamboLeo: Fragen an Adoptiveltern (1) )

9. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

Mit #9 kann ich mich sehr gut identifizieren und finde auch, dass „steril“ ein ganz schlimmes Wort ist in dem Bezug, pffff, wenn die ne Ahnung hätten!

10. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

In meinen Augen gibt es keine “un-besonderen” Familien. Wenn wir lernen, aus der Fülle unserer Einzigartigkeit als Individuum und Familie zu leben anstatt anderen “Ideal-Familien” nachzueifern dann kommts gut. Für mich ist die Tatsache, dass mein Mann und ich eine interkulturelle Familie führen, inklusive verschiedenen Sprachen, Hautfarben, kulturellem Erbe und nun mit der Adoption unserer Tochter ungemein spannend und attraktiv!

11. Habt ihr ein Adoptionsbuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben viele Fotos von der Übergangsphase sowie den ersten drei Lebensjahren unserer Tochter. Vor allem die Babybilder sind für sie sehr wichtig und es gab bereits Phasen, wo sie diese dauernd anschauen wollte und Fragen stellte. Das grosse Fotobuch ist noch am entstehen. Ganz lieb war, dass die Kinder aus dem Heim ihr zum Abschied ein Album mit persönlichen Notizen und Zeichnungen gemacht haben. Diese habe ich laminiert und gebunden. Was sich als Vorteil herausstellte ist, dass unser Wohnort unweit des Kinderheims liegt und wir so immer wieder mal einen Besuch abstatten konnten/können – v.a. dann, wenn Prinzessin fand, sie möchte ihre Freunde wiedermal sehen. So kam zB. eine Gruppe der Kids zu ihrer Geburtstagsparty zu uns. Es war jedesmal eine sehr gute Erfahrung, ohne Verwirrung oder Stress.

12. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?

Viele Gedanken und Fragen jagten mir durch den Kopf. Bis zu einem Punkt habe ich mich damit auseinandergesetzt, aber ich merkte auch, dass es wichtig ist, sich nicht den Kopf über vielen Details zu zerbrechen, sondern auch zu entspannen und es auf sich zu kommen zu lassen. Wie es definitv sein wird, was man alles empfindet, was sich wirklich verändert u.s.w. kann man eh erst wissen, wenn das Kind da ist.

13. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

Ui, die Liste mit Tipps ist sehr lang, denn wir lernen so unendlich viele neue Dinge auf vielen verschiedenen Ebenen. Ich beschränke mich aber auf die zwei Tipps, die mir zuoberst sind:

1) Nebst aller Literatur die ihr zur Kindererziehung und zu Adoptionsspezifischen Themen lest (was ich wichtig und gut finde) vergesst nicht, dass ihr eine einzigartige Geschichte habt und vertraut eurem inneren Kompass, der euch im “Eltern sein” den Navigationskurs angeben wird! Und: Wir dürfen (und werden) Fehler machen! Dürft also gerne gleich alle Ansprüche, perfekt zu sein zum Mond schicken und etwas gnädiger mit euch selber und einander sein.

2) Ein anderer Tipp der uns sehr geholfen hat:

Wenn dann euer Liebling angekommen ist und euren Alltag auf den Kopf stellt werdet ihr plötzlich mit eigenen Grenzen und Emotionen konfrontiert, mit denen ihr euch soweit vermutlich recht gut arrangiert habt. Das kleine Persönchen wird aber auf diese Arrangements keine Rücksicht nehmen, wie sollte es auch. Und so ist es wichtig, total offen zu reflektieren (mit sich selber und gemeinsam), einander gegenseitig Feedback geben und auch heikle Punkte nicht scheuen. Diskutiert was ihr anders machen wollt. FREUT EUCH und feiert die tausendvierhundertfünfundneunzigmillionen unbeschreibbar schönen Momente!

Von Herzen eure MamboLeo!

Liebe MamboLeo, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten und uns allen einen kleinen Einblick in Euer Leben als Adoptivfamilie gegeben hast.

Viele liebe Grüße,

FrauBitte

Habt auch ihr Lust von Euren Adoptiv- oder Pflegekinderlebnissen zu berichten? Dann meldet Euch sehr gerne bei mir: familiebitte@gmx.de