Wie hast Du denn die Geburt erlebt, Frau Bitte?

Seitdem wir so plötzlich in die Elternwelt und in das Muttersein geschmissen wurden, sind auch unsere Kontakte geprägt von anderen frischgebackenen Eltern und ihren Babys. Zentrale Themen sind immer wieder Schwangerschaft und Geburt. Obwohl ich in meiner Rolle als Mutter mittlerweile wirklich gut angekommen bin und mich auch wohlfühle, sind die Themen rund um dicke Bäuche, Wehen und PDA extrem schwer für mich. Zum Einen natürlich, weil ich genau das eben nicht erleben durfte, zum Anderen aber auch, weil ich nicht immer gleich mit der „Adoptionstür“ ins Haus fallen möchte.

So kommt es also vor, dass ich mich wirklich um diese Themen winde und in so mancher Pekiprunde Blut und Wasser schwitze und inständig hoffe, dass der „Erzähl von Deinem Geburtserlebnis-Kelch“ an mir vorübergehen wird. Ich möchte selber entscheiden, wem ich wann von der Adoption erzähle und nicht durch solche Fragen dazu gedrängt werden. Ich weiß, ich könnte auch einfach irgend eine Pinocchio-Geschichte erzählen, bloß fällt mir das unheimlich schwer. Was ist, wenn ich dann doch mit jemandem aus der Runde enger in Kontakt komme und unsere Geschichte erzählen mag? Dann müsste ich die erfundenen Geschichten gestehen…schwierig.

Eine andere Option ist die der Halbwahrheiten. Auf die Frage nach der Geburt könnte ein „Sie war sehr überraschend und plötzlich.“ ausreichen. Nur bei sehr resistenten Fragenden, könnte ich auch damit in Erklärungsnöte kommen.

Ich glaube, das so häufige Auftauchen des Themas liegt insbesondere daran, dass die Kinder noch so klein sind und das Erlebte noch nicht so lange her (Bitte sagt mir, dass es besser wird!!!).Also hoffe ich inständig, dass diese Fragen mit dem Alter von BabyBitte irgendwann weniger werden und das Geburtsthema irgendwann durch ist.

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26 Gedanken zu “Wie hast Du denn die Geburt erlebt, Frau Bitte?

  1. Ellen schreibt:

    Oh ich kann dich sehr gut verstehen. Daran denkt auch keine Kursleiterin, sondern fordert bei den ersten Treffen munter auf sich vorzustellen: Name, Name des Kindes, wie war die Geburt, gab es Komplikationen, Dammriss etc…
    So geht es mir hin und wieder mit der künstlichen Befruchtung, wobei das absolut nicht zu vergleichen ist mit der Fragerei nach der Geburt. Ich habe für mich entschieden „mit der Tür ins Haus zu fallen“. Dann fragen auch die meisten nicht mehr nach, weil sie peinlich berührt sind und ich kann selbst entscheiden wieviel ich weiter erzähle.

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  2. Ich war einmal zum Frühstück mit den Mädels aus dem Geburtsvorbereitungskurs…. Ich als feühchenmama mit Not-Ks konnte da auch nicht mitreden. Ich weiß, dass man unsere Situationen nicht ansatzweise miteinander vergleichen kann, aber ich will dir damit zeigen, dass die Geburt für viele aufgrund von ganz unterschiedlichen Situationen nicht das Lieblingsthema ist. Wenn ich gar keine Lust hatte sagte ich, dass es ne lange Geschichte ist für die mir absolut die Zeit fehlt… Ist ja nicht mal gelogen.
    Allerdings kommt das Thema auch nach über einem Jahr immer noch mal auf den Tisch, nämlich dann, wenn die Gespräche über beikost und windelinhalt und was sie schon alles können, verstummt sind. ABER: es gibt ja auch Menschen, die ihre zauberwunder zwar lieben, aber sie nicht ständig zum Hauptthema machen. Und ich wünsche dir sehr, dass du solche Mädels in deinem Freundeskreis hast. Und allen anderen erzählst du nur das, was du preisgeben möchtest – es ist schließlich dein/euer Leben und du bestimmst wem du wann und was erzählst 😘

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  3. Auch ich kann dich sehr gut verstehen. Wir haben nicht adoptiert, sondern ein Pflegekind aufgenommen; da ist das Ganze ja noch offener und immer Thema. Aber auch ich merke, dass ich in neuen Runden wie der Krabbelgruppe nicht jedem sofort aufs „Butterbrot schmieren“ will, dass unser kleiner Sonnenschein ein Pflegekind ist. Wenn man näher ins Gespräch kommt, dann verschweige ich nichts oder lüge auch nicht. Aber man wird eben in der Mutter-Kind-Rolle dann doch sofort „anders“ wahrgenommen, obwohl der Fakt an sich, dass man ein Kind angenommen hat, ja nichts über die Innigkeit der Bindung usw. aussagt… Schwieriges Thema. Danke für das Teilen deiner Empfindungen!

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    • Ja das ist auch meine Befürchtung…es wäre so schade, wenn wir nicht als vollwertige Mutter-Kind Kombo wahrgenommen werden würden oder wenn BabyBitte immer den „Adoptivstempel“ aufgedruckt bekäme😕
      Liebe Grüße

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  4. Für mich ist das immer die Frage „Wieviele Kinder hast du?“ .. verstorbene Kinder darf man nicht erwähnen 😦
    Meine Mutter hat immer knallhart auf die Frage „Wie war die Geburt?“ geantwortet: „Das JA rief an und wir fuhren ins KH und schauten uns das Kind an und es war ganz emotional und das schönste auf der Welt“. Aber meine Familie ist da eh sehr gerade heraus 🙂
    Ich denke ich würde es so wie retoertchen halten 🙂

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    • Oh ja, ich glaube Dir, dass diese Frage schlimm ist. Zum Einen willst Du Matthis nicht verleugnen, zum Anderen willst Du wahrscheinlich auch nicht jedem Eure Geschichte erzählen, oder?
      Wie reagieren die Leute, wenn Du ihnen von Matthis erzählst?
      Oh krass Deine Mama😳 Das wäre mir glaub ich, zu heavy🙃
      Finde Retörtchens Idee auch super…die passt auch am ehesten zu mir😉
      Ich freue mich übrigens sehr, dass Euer Sohn Euch ein kleines Wunder geschickt hat und wünsche Euch aaaaalles Gute😚

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      • Ja das ist eine Zwickmühle. Nicht jeder möchte auch etwas zu Matthis erfahren. Ich versuche es nach Gefühl zu machen. Viele Leute blocken direkt ab, von einen verstorbenen Kind wollen die meisten nichts hören. Das merkt man aber. Ich denk dann immer Matthis ist mir zu wertvoll um ihn mit solchen Menschen zu teilen 😉
        Ja Anfang der 80er hat meine Mutter auch oft blöde Kommentare bekommen, denke irgendwann war das ihr Weg damit umzugehen. Ich finde retörtchens Idee auch besser 😊
        Jaa vielen Dank 😘

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  5. Liebe FrauBitte,
    ja die Fragen werden weniger, aber irgendwie bleiben sie dann doch. (Ich hatte das Thema erst neulich wieder in der Schule.) Zumindest solange die Kinder noch nicht selbst entscheiden, wie sie über ihre Adoption sprechen. Wichtig ist, dazu eine eigene klare Haltung zu entwickeln. Meine ist auch die, die Adoption nicht jedem auf die Nase zu binden und wenn überhaupt, dann in der Form wie retoertchen zu antworten. Genauso geht es aber auch, offensiv mit der Adoption umzugehen. Hier sehe ich aber immer nur die Gefahr, dass die Kinder dann vom sozialen Umfeld ausschließlich auf den Fakt des Adoptivkinds reduziert werden. Und dabei sind sie doch so viel mehr….
    Liebe Grüße
    Charlotte

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  6. Fräulein Ka schreibt:

    Liebe Frau Bitte,
    genau diese Problematik steht mir jetzt auch bevor. Ab nächster Woche starten wir mit einem Babykurs und ich kann mich noch genau daran erinnern, dass in diesem Kurs damals bei meinem ersten Kind auch in der Vorstellungsrunde nach Geburt und Stillen gefragt wurde. Tja, damals konnte ich ja noch mitreden, auch wenn ich mein Kind nicht „selbst geboren“, sondern durch Kaiserschnitt „entbunden bekommen habe“ (auch ein Themenbereich für sich😉)…ich mache mir auch jetzt schon Gedanken, was ich nächste Woche sagen werde. Bisher hatte ich nur Kontakt zu Leuten, die nun mal offensichtlich mitbekommen haben, dass ich nicht schwanger war und hatte auch null Probleme damit, von der Adoption zu erzählen. Aber wie du auch beschreibst, ist es in dem Kurs etwas anderes. Ich kenne die Frauen dort (noch) nicht und habe einfach auch null Bock, immer alle neugierigen Fragen zu beantworten. Jeder fragt auch immer direkt, was mit der leibl. Mutter ist und was ich alles weiß und es wird wild rumspekuliert.
    Mein Mann und ich kennen die Geschichte unseres Kindes und auch den Grund, warum es zur Adoption freigegeben wurde. Wir haben entschlossen, aus Respekt unseres Kindes gegenüber mit keinem darüber zu reden. Es geht niemanden sonst was an und das erkläre ich den Leuten auch, wenn die Fragen zu intim werden. Aber trotzdem gibt es Menschen, die dann immer noch weiter machen und indirekt weiter fragen. Ich finde das so schlimm, es braucht sich doch kein Außenstehender Gedanken darüber zu machen, ob Würmchens leibl. Mutter minderjährig, drogenabhängig oder eine Prostituierte ist (aber genau in diese Richtung geht es leider immer, weil genau das die einzigen Gründe sind, die sich Außenstehende zusammen reimen…)!
    Naja, ich werde wohl erstmal ausweichen und nur sagen, dass die Geburt problemlos und relativ schnell ging und dass ich nicht stillen kann. Wenn ich mich wohl fühle und mit jemandem dort privat in Kontakt kommen sollte, kann man bei passender Gelegenheit ja immer noch erwähnen, dass Würmchen mein Adoptivkind ist (oder halt auch nicht, wenn es sich nicht ergibt😊).
    Sonnige Grüße
    Fräulein Ka

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    • Ja das ist super, so hab ich’s auch gemacht. Mittlerweile hab ich’s im Kurs erzählt, einfach, weil ich gemerkt habe, dass mich das Verschweigen extrem gestresst hat. Jetzt geh ich wieder entspannt dorthin und muss keine entsprechenden Fragen fürchten😊
      Bezüglich BabyBittes Vergangenheit halten wir es genauso, auch auf die Gefahr hin, dass dann wild über ganz fiese Verhältnisse spekuliert wird…genau wie du’s beschrieben hast. Irgendwann wird BabyBitte vielleicht von sich aus dem ein oder anderen etwas über ihre Bauchmama erzählen wollen.
      Ich bin gespannt, wie’s beim Kurs sein wird…berichte doch mal😊
      Ganz liebe Grüße

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  7. HappyMom schreibt:

    Liebe Frau Bitte,

    Obwohl mein Kleiner nun schon bald 2 Jahre alt wird, und wir uns schon über ein Jahr kennen, kommt das Gespräch mit den Pekip-Mädels leider immer noch hin und wieder auf die Themen Schwangerschaft und Geburt. Ich verhalte mich dann immer ganz ruhig und sage nichts dazu. Glücklicherweise fragen sie in den seltensten Fällen einen direkt, sondern meist in die Runde. Dann fällt es nicht auf, wenn ich nichts dazu sage. Das hat, toi toi toi, bislang gut funktioniert. Auf die Frage, warum ich nicht gestillt habe, konnte ich sagen: es hat nicht funktioniert. (Was ja nicht mal gelogen war 😉

    Ich stelle mir derzeit die Frage, wie es wohl wird, wenn wir (hoffentlich) ein zweites Kinde adoptieren werden. Dann fragen sich eben diese Mädels sicherlich auch, ob der Große auch adoptiert wurde…
    Wir werden sehen.

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  8. HappyMom schreibt:

    Ja, das ist tatsächlich ziemlich stressig, aber ich hatte mich dagegen entschieden, allen davon zu erzählen. Wollte auch der Vorverurteilung aus dem Weg gehen. Einer Teilnehmerin habe ich es dann erzählt, da wir uns auch alleine treffen.

    Wir wollen uns nun für ein zweites Kind bewerben. Bin aufgeregt 😉

    LG

    PS: hast du meine Email bekommen?

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