Ratgeber vs Bauchgefühl

Eigentlich war ich nie ein Freund von Ratgebern. Ihr wisst ja, ich lese unheimlich viel und gerne, aber zu meiner Lektüre zählen eher Krimis, Romane oder vielleicht mal eine Biografie. Ich glaube, ich habe, äh hatte, keinen einzigen Ratgeber in meinem doch recht opulenten Bücherregal stehen.

Aaaaaber habt ihr mal in einer Buchhandlung in der Pädagogik-/ Erziehungsratgebersparte geschaut, welche Vielzahl an Ratgebern es gibt? Es ist einfach unglaublich. Für jeden Pups gibt es ein Buch, aus dem ratlose Eltern sich Rat holen können. So standen wir in der Buchhandlung vor dem Riesenregal und so ein kleines bisschen überkommt einen das Gefühl, dass Ratgeber-lesen zum Elternsein dazugehört. Kann man überhaupt ein guter Vater/ eine gute Mutter sein ohne einen einzigen Pädagogik Ratgeber im Regal? Verunsichert landete dann auch bei uns das ein oder andere Buch mit vielen Tipps und Räten bei uns zu Hause.

In freien Momenten nahm ich mir also eines dieser heiligen Bücher zur Hand und las ein wenig darin herum…einfach aus reinem Interesse. Dort wird viel erzählt von Entwicklungsschritten und Fähigkeiten, die ein Baby mit diesem und jenem Alter haben sollte. Auch steht darin wie man sich als Mutter oder Vater dem Kind gegenüber verhalten sollte, wie man den Alltag mit Kind strukturieren sollte und überhaupt ganz viele andere vermeintlich hilfreiche Tipps. Während ich also in den Büchern las, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich die dort genannten Dinge mit BabyBitte abglich. Sollte sie nicht langsam schon lächeln können? Hier steht mit XY Wochen können Babys Blickkontakt halten. Wieviele Sekunden kann BabyBitte Blickkontakt halten? Ist das normal? Ist das altersgerecht? Oh mein Gott, ist sie vielleicht jetzt schon entwicklungsverzögert? Dann las ich, dass Babys in ihrem Alter maximal eine Stunde pro Tag wach sind und den restlichen Tag schlafen. BabyBitte ist jedoch schon deutlich länger wach. Gebe ich ihr genug Ruhe? Nehme ich ausreichend Rücksicht darauf, wenn sie müde ist? Nach 50 Minuten des Wachseins soll das Baby zum Schlafen an einen ruhigen Ort gelegt werden. Ich habe das ausprobiert…mein Baby will aber nicht nach Lehrplan schlafen. Stimmt etwas nicht mit ihr?

Unterm Strich bemerkte ich relativ schnell, dass Ratgeber mir keine Sicherheit verschaffen, sondern bei mir scheinbar eine gegensätzliche Funktion haben, nämlich mich zu verunsichern und mich zu stressen. Statt mich auf meine Intuition und mein Bauchgefühl zu verlassen, habe ich versucht alles ratgeberkonform abzuhandeln und die Zeit mit BabyBitte völlig zu „verkopfen“ und hatte dadurch plötzlich Sorgen und Stress, die ich vorher gar nicht verspürt habe. Also, Bücher zugeklappt und weggepackt.

Mein Bauchgefühl scheint mir doch der beste Ratgeber zu sein!

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18 Gedanken zu “Ratgeber vs Bauchgefühl

  1. Liebe Frau Bitte, finde ich super, dass Du so entschieden hast. Ich bin auch schon lange am überlegen, ob ich solch ein „schlaues Büchlein“ benötige, wenn die Kleine da ist. Aber mein Bauchgefühl sagt mir „nein“. Meine beste Freundin ist da momentan auch ein gutes Beispiel, warum ich mich nicht danach richten möchte. Denn sie liest auch alles nach, hat für jedes Verhalten Erklärungen und spricht nur von „Schüben“ und „Phasen“ und den genauen Zeitpunkten, wann sich das wieder ändern wird. Und ich denke mir immer, es gibt doch für Baby´s keine Gebrauchsanleitung, jedes ist wie es ist und so ist es gut!!!

    Also dann, viel Spaß weiterhin mit BabyBitte, viele liebe Grüße Kitty 🙂

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    • Liebe Kitty, vielen Dank:)
      Wenn man so ein Standardbaby hat, ist es sicher gut nachzulesen, dass alles „nach Plan“ läuft 😂 Nur wehe, wenn nicht😉
      Denke, Bauchgefühl ist ne super Sache👍🏻 Ich bin gespannt was Du berichtest, wenn die Kleine da ist!!! Wünsche Dir alles Gute🍀🍄❤️

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  2. retoertchen schreibt:

    Kann ich so unterschreiben! Ich habe daher erst gar keinen Ratgeber angeschafft weil es mir anfangs schon schwer genug fiel auf meinen Bauch zu hören und nicht auf die gut gemeinten Ratschläge von Familie und Freunden.

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    • Huhuuu Liebelein, bisher blieben bei uns die Ratschläge von Extern tatsächlich aus😳 Da sind unsere beiden Familien irgendwie super. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass man ins Schleudern kommt, wenn jeder einem was anderes erzählt.
      Ich drücke Euch fest die Daumen für die nächste Runde (Aaaaaaachtung, Storch im Landeanflug🐣)😄
      Liebste Grüße

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  3. Liesl schreibt:

    Oh mann, ich könnt schon wieder Romane schreiben 🙂
    Mach ich aber nicht, weil ich deinen schönen Blog nicht zumüllen will! Aber: ich finde, Ratgeberlesen hat was von „self fulfilling Prophecys“. Wenn ich lese, dass mein Kind mit 8 Wochen einen Schub haben muss, dann kann ich zu 100% davon ausgehen, dass irgendetwas zur besagten 8 Wochen Frist passiert, was mich sofort an das Gelesene denken und dem ganzen Recht geben lässt. Wenn ich vorher nicht gewusst hätt, dass mit 8 Wochen etwas anders sein wird, kann ich der Frist recht gelassen entgegensehen! War das jetzt verständlich? Na ihr wisst sicher was ich meine…

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  4. Hier auch schon bei Kind 1 contra Ratgeber. Zumal du immer einen findest, der das Gegenteil sagt. Die Schubtabelle hab ich mir aus Interesse mal als JPEG angeschaut. Bei der großen Tochter kam es 1 zu1 hin, beim Kleinen bis jetzt gar nicht. Soviel dazu also.

    ich denke auch, ein entspanntes Bauchgefühl in Verbindung mit gutem Kinderarzt ist alles, was man braucht!

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    • Es gibt eine Schubtabelle?!?😳 Ich hatte mit “ oh je, ich wachse“ angefangen und das kam alles vorne und hinten nicht hin, so dass ich plötzlich völlig verunsichert war. Dann hab ich’s weg getan😕
      Bisher läuft es nach Bauchgefühl ganz gut und Kinderarzt hab ich den allerbesten😬
      Ganz liebe Grüße

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      • Die Tabelle ist aus „oh je“ und über Schubtabelle oder so bei Google Bilder zu finden. Ich persönlich glaube, dass es durchaus Schübe gibt, aber eben nicht immer zur gleichen Zeit. Bei manchen Kindern kommt es hin (meine Tochter), bei anderen eben nicht (Baby Bitte und mein Sohn). Ihr macht das schon richtig so.

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  5. Es geht NICHTS über das Bauchgefühl.

    Ich denke, ein Ratgeber macht dann Sinn, wenn man wirklich unsicher ist und etwas nachlesen möchte.

    Aber wenn es so ist wie bei dir dass sie dich nur verunsichern… Weg damit. Genau richtig gemacht, wie ich finde 🙂

    Ich muss ganz ehrlich gestehen dass ich mir über Baby-Ratgeber bisher gar keine Gedanken gemacht habe. Also ob ich mir welche anschaffe oder nicht. Bis jetzt denke ich, eher nicht. Wir werden sehen ob sich das ändert wenn der Zwerg da ist 😀

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