Bindung, die Substantiv, feminin

Bezeichnet eine enge emotionale Bindung zwischen Menschen.

Dieses kleine, aber nicht ganz unbedeutende Wort ist uns in den letzten Monaten sehr häufig begegnet, denn die Bindung von Adoptivkindern verläuft mitunter anders als bei leiblichen Kindern. Eine zentrale Rolle bei den Seminarabenden spielte somit die Bindungstheorie von Bowlby. So heißt der Typ, der sie erfunden hat. Der hat damals, in den 40-er Jahren bei seiner Arbeit als Kinder- und Jugendpsychiater untersucht, welche Auswirkungen die frühe Trennung von Kindern und ihrer Bezugsperson haben kann. Er beobachtete, dass solche Trennungen ganz gravierende Auswirkungen auf die psychische Entwicklung der Kinder haben können.

Ein Kind, das schon mehrere Beziehungsabbrüche erleben musste und dann in eine neue Familie kommt, kann verschiedene Verhaltensweisen zeigen, die erst einmal schwer zu begreifen sind.

Ich habe mir im Vorhinein große Gedanken gemacht, wie wir unserm BabyBitte nach der Trennung von der leiblichen Mutter eine stabile Bindung vermitteln können und hatte große Sorge, dass dies schwierig werden könnte. Immerhin hatten wir auf unserem Fragebogen angegeben, dass wir uns vorstellen können, ein Kind bis zu einem Alter von 6 Monaten bei uns aufzunehmen. Ein Kind in diesem Alter hätte mit Sicherheit schon mehrere Beziehungsabbrüche erleben müssen und der Umgang damit wäre deutlich schwerer geworden.

Nun trug es sich jedoch zu, dass BabyBitte erst wenige Tage alt war, als wir sie kennenlernten. So manch einer würde denken: „Hey, dann braucht ihr Euch ja keine Sorgen machen.“ Trotzdem ist es wichtig zu erkennen, dass auch BabyBitte schon eine Trennung durchmachen musste, die Trennung von ihrer leiblichen Mutter. Von ihrer Stimme, ihren Alltagsgeräuschen, den Geräuschen, die sie beim Essen und Trinken macht, dem Rhythmus ihres Gangs und und und… also allen Dingen, die BabyBitte im Mutterleib so mitbekommen hat.

Trotz der guten Ausgangssituation in punkto Bindung (weil wir uns so früh kennenlernen durften) haben wir ihr also gerade anfangs viel vorgelesen, damit sie sich an unsere Stimmen gewöhnen kann und haben sie so viel es ging bekuschelt und geschunkelt. Das Alles gekoppelt mit dem 1. Klasse Ticket wird uns schon auf den richtigen Weg führen!

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7 Gedanken zu “Bindung, die Substantiv, feminin

  1. So sieht es aus!
    Unsere Püppi kam mit 14 Tagen zu uns. In der Zeit war sie erst mit den Eltern zusammen und ab Tag 7 bei einer Kurzzeitpflege.
    Wir waren also Ort Nummer 4 (mit dem Krankenhaus inbegriffen). Anfangs fing sie immer das Weinen an, wenn es still war. Sie brauchte Stimmen, Musik … Und zack, schlief sie ein. Ebenso wurden uns ihre Verlustängste schnell bewusst. Immer Sichtkontakt, am besten noch unentwegt Berührungen. Sie schlief erst mit 2 Jahren durch.
    Nun hatte sie gerade ihren 8. Geburtstag und hat für meine Begriffe normale Verlustangst.

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      • Sie ist biologisch die Cousine meines Ex. Ich war nur angeheiratet.
        Ihr werdet es ganz sicher richtig machen. Wir mussten uns ja viel mit der leiblichen Mutter rumplagen und leider hat die Kleine auch immer mal was mitbekommen (wenn eine Betrunkene nachts bei uns Sturm klingelte und dann mit der Polizei abgeholt werden musste während sie rief „Ich will mein Kind“).
        Meine Geschwister sind adoptiert. Mein Bruder war als Teen schwierig. Beide konnten ihre leiblichen Mütter ausfindig machen und als sie es wussten, war die Sache auch gegessen. Also es gab keinen Kontakt mehr danach.
        Und was ich immer noch witzig finde: Meine Geschwister kommen so sehr nach unseren Eltern. Man merkt, dass sie die Kinder von ihnen sind. 😉 Meine Schwester hat sogar den gleichen Gang wie mein Vater 😀
        Baby Bitte wird also so viel noch von euch bekommen und du wirst ganz oft hören:“Ganz die Mama!“ Oder du sagst:“Sie ist wie ihr Vater!“ Freut euch drauf!!!!

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  2. Ich denke auch: Ihr macht das richtig. Ihr gebt ihr Nähe, Liebe und Geborgenheit. Ihr wisst was es ggf. zu beachten gibt. Und dieses Wissen ist schon sehr viel mehr als andere Eltern haben.

    Und prinzipiell finde ich eh: Nichts geht über Bauchgefühl!

    Denn wie du sagst: „Das Alles gekoppelt mit dem 1. Klasse Ticket wird uns schon auf den richtigen Weg führen!“

    Ihr macht das schon. Ganz sicher!

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