Das Seminar

Als ich begann diesen Blog hier zu schreiben, hatten wir bereits einen Teil des Adoptionsbewerbungsverfahrens hinter uns, so auch das Bewerberseminar, von dem ich Euch noch berichten möchte.

Das Seminar fand an sechs Abenden im Abstand von vier Wochen statt. Treffpunkt war das örtliche Jugendamt. Ich weiß noch ziemlich genau, wie unheimlich aufgeregt ich vor dem ersten Abend war. Was werden für Leute dort sein? Werden wir genau unter die Lupe genommen? Was wird passieren? Wie viel und was müssen wir preisgeben?

Wir kamen in den Raum, die Mitarbeiterinnen vom Jugendamt haben für Getränke und kleine Häppchen gesorgt und alles begann dann mit einer Vorstellungsrunde. Wir waren vier Paare, allesamt Kinderwunschpaare. Die meisten mit dem Wunsch ein Kind zu adoptieren, einige strebten aber auch Pflege an. Alle Abende starteten mit einem Vortrag zu verschiedenen Themen: „Bindung“, „Adoptionsverfahren“, „Pflege“, „Rechtliche Situation“, „Situation der leiblichen Eltern“. Danach gab es Gruppenaufgaben oder Rollenspiele. Bei den Gruppenaufgaben ging es unter anderem darum, sich auszutauschen über verschiedene Fragestellungen, zum Beispiel zu der Frage „Warum wünschen wir uns ein Kind?“, „Ist ein Leben ohne Kind für uns vorstellbar?“ und und und…Häufig teilten sich die Gruppen in Männer- und Frauengruppen. HerrBitte berichtete, dass es für ihn ganz komisch und ungewohnt war, in einer Gruppe Männer zu sitzen, die allesamt einen unerfüllten Kinderwunsch hatten. Er hat das als große Ressource gesehen, um sich endlich mal „unter Männern“ austauschen zu können. Leider war das dann gar nicht so leicht, weil die meisten der Herren scheinbar nicht so offen mit dem Thema umgehen…selbst in so einem Setting nicht. Bei uns Frauen ging es getreu dem Motto „T*tten auf den Tisch“ zu…wer hatte wann welche Behandlung, seit wann besteht der Kinderwunsch, welche Klinik, Fehlgeburten, Vorerkrankungen etc.? Irgendwie scheinen wir da tatsächlich anders zu ticken… Ich fand es teilweise schwierig mich in die Gruppe einzufinden, ich war die Jüngste und hatte daher manchmal das Gefühl von den anderen nicht ganz ernst genommen zu werden. Aber es entstand immer ein interessanter Austausch.

In den Rollenspielen gab es dann meist ein Fallbeispiel auf dessen Basis eine Situation „nachgespielt“ werden sollte. Eine/r von uns „spielte“ dann die leibliche Mutter, jemand „spielte“ das Kind und dann gab es ein „Adoptivelternpaar“. Es ging nicht um besonders herausragende schauspielerische Leistungen, sondern lediglich darum, sich in die Situation der bestimmten Person besser einfühlen zu können. Wie fühlt sich ein Kind, wenn es zwischen leiblicher Mutter und Adoptiveltern steht? Freut es sich? Oder ist da auch Trauer und Abschied? Welche Gefühle haben wohl die leiblichen Eltern?

HerrBitte und ich haben uns bereits im Vorfeld mit vielen dieser behandelten Themen auseinandergesetzt, so dass das Seminar inhaltlich jetzt nicht sooo viel Neues zu Tage brachte, aber wir haben viel gelernt über die Abläufe und Strukturen im Jugendamt. Und es war wirklich toll, Gleichgesinnte zu finden…Leute, die mit uns am Ende der Reproduktionsmedizin stehen und sich trotzdem noch ein Kind wünschen.

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4 Gedanken zu “Das Seminar

  1. retoertchen schreibt:

    Rollenspiele und Gruppenarbeit waren schon in der Schule die absolute Höchststrafe für mich! Das hätte mich in der Tat direkt zu Beginn ziemlich abgeschreckt. Aber hej, was tun wir nicht alles um unseren Kinderwunsch zu erfüllen. In dieser Zeit muss man leider in den ein oder anderen sauren Apfel beissen…

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    • Hehe, ich bin mittlerweile ziemlich abgehärtet was solche Spektakel angeht. Wir mussten während der Ausbildung Rollenspiele rauf und runter exerzieren 🙂 Da war das Seminar ein Klacks gegen!
      Aber mal ernsthaft: Das war wirklich gut aushaltbar und völlig im Rahmen…auch für Rollenspielunerfahrene…
      also unter den sauren Äpfeln der KiWuZeit war das dann eher ein milder Apfel;)
      Liebste Grüße

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    • Komisch, da scheint echt jedes Jugendamt anders zu arbeiten. Ist das Seminar denn bei Euch Pflicht oder nur eine Option? Ich kann es wirklich nur empfehlen, da man einfach nochmal einen anderen Input bekommt…und zu diesen Rollenspielgeschichten wird ja niemand gezwungen…
      Bin gespannt, was Du berichten wirst:)
      Liebe Grüße

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