Darf ich bitten?! #3

HeWuKi – Ein Adoptionsbericht

Heute gibt es wieder einen wundervollen Erfahrungsbericht, diesmal von der lieben HeWuKi. Sie berichtet uns, wie sie und ihr Mann das Adoptionsverfahren erlebt haben und welche Rolle das Thema „Adoption“ in ihrem Alltag mit Adoptivkind spielt.

1. Warum habt ihr Euch für eine Adoption/ ein Pflegekind entschieden?

Adoption war schon sehr früh für uns eine Möglichkeit ein Kind in unser Leben einzuladen. Als wir erfahren haben das wir auf natürlichen Wege nur schwer schwanger würden, haben wir uns zwar dafür entschieden den Weg der künstlichen Befruchtung zu gehen, aber gleichzeitig auch festgelegt nicht x Versuche zu machen. Nach einer Icsi und einem Kryoversuch, die beide in einer Fehlgeburt endeten war für uns die künstliche Befruchtung keine Option mehr. Wir haben uns lange Zeit gelassen unsere Wunden zu lecken und unseren Kinderwunsch sehr bewusst zu hinterfragen und dann das Adoptionsverfahren gestartet.

2. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben reagiert?

Größtenteils sehr positiv – es gab aber auch einige die meinten wir sollten doch „einfach nochmal eine Icsi machen“ da das ja schon zweimal zu einer Schwangerschaft geführt habe.

3. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt?                                                                                

Als sehr positiv und einfühlsam. Das Verfahren war gut um unseren Kinderwunsch zu hinterfragen, zu schauen wie gut wir als Paar „funktionieren“ und auch einen Teil unserer früheren Kinderwunsch-Geschichte aufzuarbeiten! Wir haben oft gehört das es ungerecht sei, das Adoptivpaare so „hart“ geprüft werden und so viele Gespräche führen müssen. Aber meiner Meinung nach ist das nötig. Es gibt Fragen denen man sich stellen muss z.B. trauen wir uns ein Behindertes Kind zu? Wie würde unser Umfeld mit einem Kind mit anderer Hautfarbe zurecht kommen? Schaffen wir es Zwillinge großzuziehen und nicht zuletzt, wie wollen wir als Familie leben? Gerade die Frage mit der Beeinträchtigung eines Kindes wird ja gerne damit kommentiert, dass es ja unfair sei solche Kinder „abzulehnen“ da man das beim eigenen Kind ja auch nicht entscheiden könne. Aber ich finde es gerade bei dieser Frage wichtig ehrlich zu sein und sich seine Grenzen zu stecken. Im Nachhinein haben mir bei meiner Kiwu-Klinik die intensive Gespräche gefehlt wie unsere Sachbearbeiterin sie mit uns geführt hat. In der Kiwu bringt dich meist niemand dazu deinen Kinderwunsch zu hinterfragen und das Leben mit Kind zu entzaubern und nicht wie in der Rama Werbung darzustellen.

4. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?                                                                                                      

Belastend war das Warten (auch wenn wir gar nicht lange warten mussten :0)) und das ständige „Adoption? Das ist doch ein aussichtsloser Weg….“ von einigen Menschen.

Freude kam auf, als wir die Anerkennung endlich in den Händen hielten.

5. Wie habt ihr die Wartezeit verbracht? Welche Gefühle waren währenddessen am präsentesten?

Wir haben die Wartezeit ähnlich wie Familie Bitte verbracht :0) Wir haben es noch mal richtig krachen lassen und viiiiiiieeeeeele tolle Dinge gemacht. Es fühlte sich an wie die Vorweihnachtszeit – allerdings ohne zu Wissen wann Weihnachten ist.

6. Wie lange habt ihr auf den besagten Anruf gewartet? Was waren Eure Gedanken und Gefühle als das Telefon klingelte?

Es waren nur ein paar Monate. Wir hatten wirklich Glück! Nach unserem Telefonat mit unserer Sachbearbeiterin hatten wir glaube ich alles an Gefühlen was man so haben kann. Von Freude bis Angst (wird das jetzt wirklich was?) war alles dabei. Und sooooo viele Fragen. ;0) Die Zeit bis wir unser Wunderwesen dann kennen lernen konnten erschien ewig lang. Wir haben auch erst beim ersten Kennenlernen des Wunderwesens erfahren ob es ein Junge oder Mädchen ist und wie es heisst. Da konnten wir vorher viel spekulieren.

7. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Ein Stoffigel den es heute noch heiss und innig liebt.

8. War es Liebe auf den ersten oder auf den zweiten Blick?                                                            

Es war schon Liebe auf den ersten Blick, aber bis mein Herz und Hirn realisiert hat, das ist jetzt dein Wunderkind, du bist angekommen, das hat eine Weile gedauert. Das hat mich am Anfang etwas frustriert, im Nachhinein denke ich es ist normal dass man Zeit braucht all die Dinge die da auf einen einprasseln – und das ist nicht wenig wenn man ein Wunderwesen kennenlernt – zu verarbeiten und eine tiefe Bindung aufzubauen.

9. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Wir haben das Glück einiges über die Herkunftsfamilie zu wissen. Wir nennen sie beim Vornamen.

10. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?                                                    

Während der Kiwu Zeit waren es die „du solltest aber langsam mal Kinder bekommen!“ von denen, die nicht wussten, wie es um unserem Kinderwunsch steht und wohl dachten, ich hätte keine Lust auf Kinder.

Während des „Warteprozesses“ waren es die Aussagen von Fremdjugendämtern (Jugendämter bei denen wir uns zusätzlich zu unserem zuständigen Jugendamt beworben haben oder es wollten) dass es eh keine Kinder zur Vermittlung geben würde und wir doch bitte ein Pflegekind nehmen mögen…. Es gab aber auch ein Fremdjugendamt das unsere Bewerbung nicht sorgfältig gelesen hat und uns dann einen Kindervorschlag machte der unsere „Möglichkeiten“ überschritt. Das hieß wir mussten „Nein“ zu einem Kind sagen. Das ist uns wahnsinnig schwer gefallen, aber wir wussten das wir es mit diesem Kind nicht schaffen würden… das hat uns lange beschäftigt. Ich ärger mich heute noch über die Arbeitsweise dieses Jugendamtes!

11. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

Eigentlich zeigt sich das nur ganz selten. Z.B. wenn andere Mütter über ihre Geburten sprechen oder jemandem auffällt dass ich zum entsprechenden Zeitpunkt nicht schwanger war. Wir fühlen uns schon als eine besondere Familie – als eine besonders Glückliche. :0) Wir versuchen aber auch die Herkunftsfamilie in das Leben unseres Kindes zu integrieren. Die Namen werden immer mal wieder in den Alltag integriert.

12. Habt ihr ein Adoptions- oder Pflegebuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben schon während des Adoptionsprozesses verschiedene wichtige Stationen für das Kind auf Fotos festgehalten. So gibt es ein Foto von uns am PC als wir die Lebensberichte geschrieben haben. ein Foto mit der Tischdeko eines besonderen Besuchs des Jugendamtes usw. Als wir anerkannt waren haben wir unserem zukünftigen Kind eine Einladung geschrieben – auch hiervon gibt es Fotos. Außerdem gibt es Fotos von der Leiblichen Familie. Das Buch soll unserem Kind später zeigen wie sehr wir uns schon im Vorfeld auf es gefreut haben und was seine Wurzeln sind. Noch ist das Kind zu klein um es zu nutzen :0) Aber ich hoffe später wird es ein großer Schatz sein. Das Buch wird daher auch zusammen mit anderen Erinnerungsdingen der leiblichen Eltern in einer besonderen Kiste aufbewahrt. 

13. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?                                                          

Wir haben unserer Arbeitgeber informiert, da wir nicht am Tag X die komplette Story erzählen wollten bzw. ich nicht einfach so mal eben „ich bin dann jetzt 3 Jahre in Elternzeit“ verkünden wollte. Wir haben beide super nette Chefs und bekamen positive Resonanz. Als es dann soweit war haben beide Arbeitgeber super reagiert. Ich konnte problemlos sofort in Elternzeit gehen und auch mein Mann bekam einen verlängerten Spontan-Urlaub genehmigt. Ansonsten haben wir dem Kind vorab einen Ama..on Account eingerichtet und konnten dort eine Wunschliste mit nötigen Dingen schon mal in Ruhe anlegen, ohne ständig über unsere Accounts mit Baby Werbung konfrontiert zu werden. Als wir dann den Großeinkaufs-Tag im Baby Markt machten, wussten wir schon was wir von welcher Marke haben wollten oder mussten nur noch auf Bestellen klicken.

14. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

NUR NICHT AUFGEBEN! Auch wenn ihr noch so oft von irgendwelchen Jugendämtern hört dass es schlecht aussieht – glaubt an euer Wunder! Ich habe während der Wartezeit gerne den Song „Am I wrong“ von Nico & Vinz gehört. In dem es ja – sehr grob gesagt – darum geht einen anderen Weg einzuschlagen weil man fest an etwas glaubt auch wenn es nicht (sichtbar) greifbar ist.                                                                                                                            Aber wir hatten auch eine Deadline wenn bis zu diesem Tag der Anruf nicht gekommen wäre, hätten wir abgeschlossen mit dem Kinderwunsch und ich wäre ins „Wonderland“ gezogen. Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens Kiwu Frau sein sondern mein Leben leben und GENIEßEN so wie es aktuell ist. Ich glaube das ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch in der Kinderwunsch-Zeit, egal ob über künstliche Befruchtung oder wartend auf den Anruf, sollte man sein Leben leben. Während des Bewerbungsverfahren haben wir eine lange Fernreise gemacht, das hat das Verfahren zwar verlängert, aber es war uns wichtig. Außerdem habe ich während der Wartezeit einen neuen wichtigen Posten angenommen – obwohl ich wusste ich kann ihn vielleicht nicht lange ausfüllen. Aber wir waren es leid immer alles um den Kinderwunsch herum zu planen. Und im Nachhinein war das genau richtig.                                 Außerdem würde ich (nach meiner Erfahrung mit dem unpassenden Kindervorschlag des Fremdjugendamtes) dazu raten die Fremdjugendämter bei denen man sich bewirbt genau zu inspizieren. Wir waren damals so froh wenn uns ein Jugendamt in die Bewerberkartei aufgenommen hat, das wir gar nicht geschaut haben wie gut das entsprechende Jugendamt ist… Außerdem muss man immer damit rechnen dass auch nach der Aufnahme des Kindes noch Komplikationen auftreten und dass die 8-Wochenfrist nicht in allen Fällen wirklich umgesetzt wird. Wir hatten da so einige Komplikationen und waren froh dass unser Jugendamt sehr kompetent ist und vor allem uns so gut kennt!

Ich wünsche allen, die auf Ihr Wunderwesen warten und Hoffen ihr ganz persönliches Happy End!!!

             Hewuki

Liebe HeWuKi, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht, für die Zeit, die Du Dir genommen hast und für Deinen Mut, uns von Euern Erlebnissen zu berichten.

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