Darf ich bitten?! #1

MamboLeo -Adoption in Kenia

Ab sofort wird es im Kreise der FamilieBitte die neue Kategorie „Darf ich bitten?“ geben. In dieser Kategorie möchte ich Adoptiv- und Pflegeeltern zum Interview bitten. Für mich ist es immer unheimlich spannend zu hören, wie der Adoptionsprozess oder Pflegeprozess bei anderen Familien abgelaufen ist, wie der Alltag mit einem Pflege- oder Adoptivkind aussieht und wie andere Paare mit dieser besonderen Situation umgehen…und diese Geschichten möchte ich gerne mit Euch teilen.

Adoption Kenia Darf ich bitten?

Den Anfang macht die liebe MamboLeo. In ihrem Blog erzählt sie über ihr Leben in Kenia und berichtet von der Adoption ihrer kleinen Tochter. Sie hat sich die Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten und erzählt, wie sie den Adoptionsprozess in Kenia erlebt hat. Aber lest selbst:

1. Aus welchen Gründen habt ihr Euch für eine Adoption entschieden?

Nachdem wir ein paar Jahre vergebens auf Kinderlärm, Kindergekicher, Kinderblicke, Kinderlieder, Kinderfragen und alles andere was zum Familienpaket dazu gehört gehofft, gebetet und gewartet haben, entschieden wir uns für diesen Weg.

  1. Wie hat Euer Umfeld auf Euer Vorhaben ein Kind zu adoptieren reagiert?

Rundum positiv.

  1. Welche Form der Adoption liegt bei Euch vor? Gibt es in Kenia auch „offene“, „halboffene“ und „inkognito“ Adoptionen?

Seit November 2014 dürfen keine neuen Adoptionsverfahren mehr durchgeführt werden. Ein Vorstoß im Parlament will neue Gesetzgebungen definieren, welche Kinder gegen Probleme wie u.a. Missbrauch und Menschenhandel schützen sollen. Ab wann man wieder adoptieren kann, ist unklar und somit auch, was für Formen der Adoption möglich sein werden.

  1. Wie habt ihr das Bewerberverfahren erlebt? Wie lief das Verfahren in Kenia ab?

Wir mussten viele Formalitäten ausfüllen, es gab medizinische check-ups, Police clearance, brauchten verschiedene Referenzen, ein Pate, hatten Gespräche und Interviews bei der Adoptionsagentur, Hausbesichtigungen etc… Es ist Arbeit, aber wenn man sich mal entschieden hat, löst jeder getane Schritt ein jubelndes “YES!” aus.

  1. Was habt ihr als größte Belastung, was als größte Freude während des Adoptionsverfahrens empfunden?

Belastung: Die vielen Verzögerungen durch mangelnden Informationsfluss von Seiten der amtlichen Stellen zu uns und innerhalb deren interdisziplinären Arbeit. ÄR-GER-LI-CHE-MO-MEN-TE.

Grösste Freude: Definitiv das Wunder als wir erfuhren, dass ganz konkret diese Prinzessin unsere Tochter wird! Das ist eine etwas längere Geschichte und dazu gibts vermutlich mal einen Blogeintrag bei mir.

6. Was war Eure erste Anschaffung für Euer Kind?

Einen Teddy! Wobei sich herausstellte, dass der gar nicht “nötig” gewesen wäre, da Prinzessin bereits mit ihrem Lieblingsteddy ankam und der auch nach einem Jahr seinen Favoritenplatz nicht abgegeben hat. Der andere hat nun seinen Ehrenplatz auf der Bettkante als Moskitonetz-Stütze, also war er doch nötig!

7. Wie habt ihr den ersten Kontakt zu Eurem Adoptivkind empfunden?

Als es klar war, dass Prinzessin zu uns kommen wird, war es vorgegeben, dass wir sie mehrmals im Heim besuchen gehen und mit ihr Zeit verbringen (in unserem Fall gingen wir eine Woche lang fast täglich vorbei). Sie wurde ebenfalls gut vorbereitet von Seiten ihrer Bezugspersonen. Mit ihren drei Jahren verstand sie, dass wir zwei ihre Mama und Papa werden und sie mit uns kommen wird. Wir hatten eine sanfte und vorsichtige Anwärmungszeit! Jetzt da Prinzessin aufgeblüht, voller Lebensfreude und ein kleiner Wirbelwind ist, realisieren wir, wie sehr sie im Übergang erst mal abtasten musste, ob dieser neue Ort, diese zwei neuen Menschen einen Ort der Geborgenheit sind. Sie war erst mal vorsichtig und still, doch offen und alles genau beobachtend. Mit jedem einzelnen, drauf folgenden Tag sahen wir wie sich die Vertrauensflügel mehr und mehr ausspannten – ein herrliches Erlebnis!

Auch Mama und Papa hatten natürlich viel zu beobachten, abtasten und herausfinden. So gab es all-abendliches reflektieren und diskutieren über all das Erlebte (gibt es auch heute noch J).

8. Habt ihr Kontakt zu den leiblichen Eltern Eures Kindes? Wie nennt ihr die leibliche Mutter/ den leiblichen Vater?

Nein, die biologischen Eltern sind uns nicht bekannt. (Siehe dazu meinen Blog MamboLeo: Fragen an Adoptiveltern (1) )

9. Habt oder hattet ihr „BitteNicht“ –Momente? Wenn ja, welche?

Mit #9 kann ich mich sehr gut identifizieren und finde auch, dass „steril“ ein ganz schlimmes Wort ist in dem Bezug, pffff, wenn die ne Ahnung hätten!

10. In welchen Alltagsmomenten zeigt sich, dass ihr eine besondere Familie seid? Seid ihr das überhaupt?

In meinen Augen gibt es keine “un-besonderen” Familien. Wenn wir lernen, aus der Fülle unserer Einzigartigkeit als Individuum und Familie zu leben anstatt anderen “Ideal-Familien” nachzueifern dann kommts gut. Für mich ist die Tatsache, dass mein Mann und ich eine interkulturelle Familie führen, inklusive verschiedenen Sprachen, Hautfarben, kulturellem Erbe und nun mit der Adoption unserer Tochter ungemein spannend und attraktiv!

11. Habt ihr ein Adoptionsbuch für Euer Kind angelegt? Was ist Inhalt? Wie nutzt Euer Kind das Buch?

Wir haben viele Fotos von der Übergangsphase sowie den ersten drei Lebensjahren unserer Tochter. Vor allem die Babybilder sind für sie sehr wichtig und es gab bereits Phasen, wo sie diese dauernd anschauen wollte und Fragen stellte. Das grosse Fotobuch ist noch am entstehen. Ganz lieb war, dass die Kinder aus dem Heim ihr zum Abschied ein Album mit persönlichen Notizen und Zeichnungen gemacht haben. Diese habe ich laminiert und gebunden. Was sich als Vorteil herausstellte ist, dass unser Wohnort unweit des Kinderheims liegt und wir so immer wieder mal einen Besuch abstatten konnten/können – v.a. dann, wenn Prinzessin fand, sie möchte ihre Freunde wiedermal sehen. So kam zB. eine Gruppe der Kids zu ihrer Geburtstagsparty zu uns. Es war jedesmal eine sehr gute Erfahrung, ohne Verwirrung oder Stress.

12. Habt ihr Euch auf die Adoption vorbereitet? Wenn ja, wie?

Viele Gedanken und Fragen jagten mir durch den Kopf. Bis zu einem Punkt habe ich mich damit auseinandergesetzt, aber ich merkte auch, dass es wichtig ist, sich nicht den Kopf über vielen Details zu zerbrechen, sondern auch zu entspannen und es auf sich zu kommen zu lassen. Wie es definitv sein wird, was man alles empfindet, was sich wirklich verändert u.s.w. kann man eh erst wissen, wenn das Kind da ist.

13. Welche Tipps könnt ihr Adoptionsbewerbern und werdenden Adoptiveltern mit auf den Weg geben?

Ui, die Liste mit Tipps ist sehr lang, denn wir lernen so unendlich viele neue Dinge auf vielen verschiedenen Ebenen. Ich beschränke mich aber auf die zwei Tipps, die mir zuoberst sind:

1) Nebst aller Literatur die ihr zur Kindererziehung und zu Adoptionsspezifischen Themen lest (was ich wichtig und gut finde) vergesst nicht, dass ihr eine einzigartige Geschichte habt und vertraut eurem inneren Kompass, der euch im “Eltern sein” den Navigationskurs angeben wird! Und: Wir dürfen (und werden) Fehler machen! Dürft also gerne gleich alle Ansprüche, perfekt zu sein zum Mond schicken und etwas gnädiger mit euch selber und einander sein.

2) Ein anderer Tipp der uns sehr geholfen hat:

Wenn dann euer Liebling angekommen ist und euren Alltag auf den Kopf stellt werdet ihr plötzlich mit eigenen Grenzen und Emotionen konfrontiert, mit denen ihr euch soweit vermutlich recht gut arrangiert habt. Das kleine Persönchen wird aber auf diese Arrangements keine Rücksicht nehmen, wie sollte es auch. Und so ist es wichtig, total offen zu reflektieren (mit sich selber und gemeinsam), einander gegenseitig Feedback geben und auch heikle Punkte nicht scheuen. Diskutiert was ihr anders machen wollt. FREUT EUCH und feiert die tausendvierhundertfünfundneunzigmillionen unbeschreibbar schönen Momente!

Von Herzen eure MamboLeo!

Liebe MamboLeo, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten und uns allen einen kleinen Einblick in Euer Leben als Adoptivfamilie gegeben hast.

Viele liebe Grüße,

FrauBitte

Habt auch ihr Lust von Euren Adoptiv- oder Pflegekinderlebnissen zu berichten? Dann meldet Euch sehr gerne bei mir: familiebitte@gmx.de

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8 Gedanken zu “Darf ich bitten?! #1

    • 😉 wenn es nach uns ginge, wuerde es schnell anlaufen und wir haetten jetzt schon die Lizenz – wir hatten alle papiere schon im januar fertig.
      leider sieht es nicht danach aus – aber man weiss ja nie 😉

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