Schutz vs. Offenheit

Das Dilemma Schutz vs. Offenheit beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Für HerrnBitte und mich ist es wichtig, offen mit unserer Situation umzugehen, uns mitzuteilen und auszutauschen. Unsere Freunde und Verwandten wissen alle Bescheid über unser Vorhaben zu adoptieren und auch über unseren langen Weg bis dahin. Nur, wie wird es sein, wenn wirklich ein Kind in unsere Familie kommt? Hat es dann nicht eigentlich ein Recht darauf, selber zu bestimmen, wer was über seine Herkunft erfährt? Können wir ihm diese Entscheidung einfach abnehmen, einfach über seinen Kopf hinweg entscheiden? Wenn wir Menschen aus unserem Umfeld von der Herkunft unseres Kindes erzählen, sind sie in der Lage adäquat mit diesem kostbaren Gut umzugehen? Oder entstehen dann Situationen, in denen geflüstert wird in der Annahme, das Kind verstehe es ja noch nicht… „Uuuh, war die leibliche Mutter nicht ne Prostituierte?“, „Wie kann man nur sein Kind abgeben?“, „Was sind das für Leute, die lieber saufen und kiffen, als sich um ihr Kind zu kümmern?“.

Ich erinnere mich noch genau an Situationen, in denen meine Oma väterlicherseits nach der Scheidung meiner Eltern, abwertend von meiner Mutter sprach. Das tut weh und fühlt sich genauso an, als würden diese Dinge über einen selbst gesagt werden. Und damals ging es beileibe nicht um kritische Themen wie Drogenmissbrauch, Prostitution und andere Unschönheiten, sondern eher um Lapidares.

Mit dieser Erinnerung im Kopf bin ich sicher, werden wir Informationen über die Herkunft des Kindes sehr gut schützen und nicht allen detailliert auf die Nase binden. Für uns ist die Herkunftsgeschichte nämlich genau das: Ein kostbares Gut, das wir schützen wollen vor äußerer Bewertung oder Entwertung.

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7 Gedanken zu “Schutz vs. Offenheit

  1. S schreibt:

    Ich bin ganz deiner Meinung. Die Geschichte / Herkunft / Details der Herkunft / Ursprungsfamilie unseres adoptierten Kindes wissen nur mein Mann, das Jugendamt und ich. Unser Kind ist altersgerecht informiert (mit Unterstützung von jugendamt) Nachbarn, Kollegen, Freunde, Bekannten sind / waren neugierig aber diese Tür bleibt zu. Nicht einmal unsere Eltern wissen etwas darüber… Die Angst dass unser Kind zwecks dessen Herkunft stigmatisiert werden könnte ist zu groß… Ich kenne eine adoptivmutter die erzählt dass die Mutter ihres Kindes (mittlerweile Teenie) Alkoholikerin war… Uff… Das schockiert mich… Denn das weiß mittlerweile die ganze Stadt…

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  2. Sehr gut! 🙂
    Man muss auch wirklich nicht jedem etwas erzählen. Im Prinzip meiner Meinung nach sogar niemandem, denn ihr habt euch für das Kind entschieden und daher gehört es zu euch, ist euer Kind und die eigenen kleinen Sünden kennt ja auch nicht jedes Familienmitglied. 😉 Daher kann man, was die Herkunft des Kindes angeht, ruhig auch mal schweigen.
    Für euch finde ich es aber umso wichtiger zu wissen, wo euer Wunschkind herkommt. Allein für spätere Fragen seitens des kleinen Wunders.

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  3. Ich finde, es ist wichtig für ein Kind, dass es bestimmte Dinge dann selbst entscheiden kann. Kann es das noch nicht, ist es Aufgabe der Eltern, das Kind zu schützen. Ihr macht das bestimmt richtig und gut!!

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  4. sternenpost schreibt:

    Liebe Frau Bitte,
    ich sehe es genauso wie du.
    Ich denke, es gibt Dinge, die man offen besprechen kann und dann gibt es so Sachen, die sollte man für sich als kleine Familie ausmachen.
    Menschen können oftmals einfach gemein und grausam sein, vor allem wenn irgendwelche lapidaren Streitigkeiten vorliegen…dann werden auf einmal Peitschen aus der Tasche geholt, da schlackern einem nur so die Ohren.
    Ihr werdet das Richtige für euren kleinen Muckel entscheiden.
    Lasst euch da nichts einreden.

    Viele liebe Grüße.

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  5. Liebe Frau Bitte,

    ich finde eure Entscheidung auch gut und sehr nachvollziehbar. Es gibt nichts schlimmeres für mich, als wenn ein Kind die Gemeinheit von Menschen ausbaden muss, die von nichts einen Plan haben oder es als Stellvertreter für Konflikte nutzen, die nichts aber auch gar nichts mit dem Kleinen zu tun haben. Ich habe immer das Gefühl, dass diese Menschen nicht von A nach B denken können, denn sonst würden sie es allein deshalb nicht tun, weil sie selbst so was ja auch nicht erleben möchten, wenn sie in so einer Situation wären. Ihr werdet das toll hinbekommen, da bin ich mir sicher! :*

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  6. Ihr lieben Mädels,

    tausend Dank für Eure Kommentare, Anregungen und Wünsche und Euer „gut zureden“…das bedeutet mir viel und bestärkt mich und uns in unseren Ansichten.
    Allerliebste Grüße :-*

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