Vom Chantalismus und Kevinismus

Wenn Paare ein Kind erwarten, dann ist eine der vorbereitenden Aufgaben die Namensfindung. Da werden Bücher gekauft, internationale Namenrankings studiert und Internetseiten durchforstet nach DEM einen und besonderen Namen, der beiden Elternpaaren gefällt…bei uns wird das vermutlich etwas anders ablaufen. Es ist nämlich sehr gut möglich, dass das Kind, welches wir hoffentlich vermittelt bekommen, bereits einen Namen von seinen leiblichen Eltern bekommen hat. Insbesondere bei Pflegekindern ist es wichtig, dass der Name erhalten bleibt, bei Adoptivkindern kann von den Adoptiveltern ein zweiter Name hinzugefügt werden, aber auch hier soll der Name, den die leiblichen Eltern ausgesucht haben, dem Kind erhalten bleiben. Der eigene Name bedeutet Identität, er gehört zu mir wie mein Gesicht…stellt Euch vor, plötzlich kommt jemand und bestimmt „Du heißt ab jetzt nicht mehr FrauBitte, sondern Claudia.“. Der eigene Name verbindet mich außerdem mit meiner Herkunft und ist ein besonderes Geschenk meiner Eltern. Da waren zwei Menschen, die sich Gedanken gemacht haben und wollten, dass ich genau so heiße, wie ich heiße. Und bei aufgenommenen Kindern ist er eben ein besonderes Geschenk der leiblichen Eltern, etwas, was ihnen von ihren Eltern mit auf den Weg gegeben wurde.

Für HerrnBitte und mich bedeutet das, dass wir uns auch damit auseinandersetzen müssen, dass unser Kind vielleicht einen Namen trägt, den wir so gar nicht mögen oder der die Gefahr birgt, das Kind ziemlich schnell in eine bestimmte Schublade zu stecken. Wir möchten nicht, dass unser zukünftiges Kind bereits im Kindergarten schräg angeschaut wird oder in der Grundschule benachteiligt wird, weil es einen Namen der Kategorie „Chantalismus“ trägt. Ein Name weckt ja recht schnell viele Assoziationen.

Für uns ist klar: Diejenigen, die unser Kind auf Grund seines Namens in eine bestimmte Schublade stecken, es wohlmöglich benachteiligen, die werden wir eines Besseren belehren. Es gibt, man glaubt es kaum, auch tolle, liebevolle, glückliche, kluge, liebenswerte und ganz und gar wundervolle Chantals und Kevins da draußen!

Und sollten wir doch mal beobachten, wie die Lehrerin beim Namen aufrufen schräg schaut, Bekannte die Nase rümpfen oder Muttis auf dem Spielplatz anfangen zu tuscheln, dann kann ich für nichts garantieren, denn dann könnte es sein, dass HerrBitte zum Hulk wird!

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6 Gedanken zu “Vom Chantalismus und Kevinismus

  1. Ano schreibt:

    Hi, wir haben seit kurzem ein Pflegekind – mit einem sehr schönen Namen. Trotzdem haben wir uns wie ihr auch vorher darüber Gedanken gemacht, wie es mit einem „Kevin“ werden würde… Wir tendierten auch zu der „Hulk-Nummer“ bzw. haben auch aus anderen Situationen gelernt, die Leute einfach reden zu lassen :-)!
    Alles Gute für euch!!!

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  2. Hey, das ist toll, da habt ihr Glück gehabt. Ich bin sehr gespannt, wie es sich bei uns entwickelt und ob wir die Hulk Nummer abziehen müssen. Aber wahrscheinlich hast Du Recht, irgendwer wird eh immer reden und die Leute einfach quatschen zu lassen, ist wohl die klügste Entscheidung…
    Euch auch alles Gute!
    LG

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  3. Bei einem Adoptivkind ist es ja allerdings so, dass der Erstname oftmals zum Zweitnamen wird und somit auch gar nicht weiter thematisiert werden muss. Meine Geschwister haben beide natürlich auch Zweitnamen. Mein Bruder sogar einen ganz schrecklichen, den er damals von den Nonnen bekam. Sehr gemein, aber naja … so gut wie niemand kennt diesen, weil er sich wiederum mit dem Namen, den er von seien (Adoptiv-)Eltern bekommen hat identifiziert.

    Unser Pflegekind hat auch keinen sooo schönen Namen (passt zum Chantalismus), ABER es ist ihrer und es passt kein anderer zu ihr, weil man sie mit diesem Namen einfach kennen und lieben gelernt hat. Man gewöhnt sich sehr schnell daran und Nachteile habe ich deswegen auch nicht bemerkt.

    Daher: Gerade bei Adoptivkindern muss man den Zweitnamen nirgends angeben, da er nicht mit Bindestrich geschrieben wird. Geben meine Geschwister auch nicht an. Es steht in ihrer Geburtsurkunde und im Personalausweis und das war es dann auch schon. 🙂

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  4. Liebe Zarentochter, ich denke auch, dass man sich wahrscheinlich schnell an den Namen gewöhnen würde, auch wenn er nicht unser Favoritennamen wäre. Ich habe auch gehört, dass Adoptiveltern noch einen Namen als Rufnamen hinzufügen können und der Name der leiblichen Eltern dann als Zweitname genommen wird. Ich denke aber, dass es auch auf die Umstände der Adoption ankommt. Wenn wir zum Beispiel ein Kind adoptieren würden, dass schon ein paar Monate alt ist und bisher in einer Bereitschaftspflegefamilie war, dann bin ich mir nicht sicher, ob das Hinzufügen eines neuen Namens sinnvoll und möglich ist…weiß das aber auch nicht sicher!
    Mal schauen, wie die Dinge sich entwickeln 😉
    Hab einen schönen Abend!
    LG, FrauBitte

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