Wer sind überhaupt diese Gene?

Letztens erzählte mir eine Freundin, dass ihre Cousine adoptiert sei. Allerdings sei sie sehr komisch, sie sei gewalttätig und lebe in sehr unsteten Familienverhältnissen. Auch in Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen wird von Adoptionen immer sehr problembehaftet berichtet. Davon, dass die Kinder verhaltensauffällig sind, die Adoptiveltern mit den Kindern überfordert, dass den Adoptiveltern bewusst von Seiten des Jugendamtes Informationen zur Herkunft des Kindes verschwiegen wurden.

Uiuiui, da geht das Gedankenkino los! Machen wir wirklich das Richtige?

Ich habe darüber noch lange nachgedacht, tue es immer noch, und bin unweigerlich an der altbekannten Adoptionsdiskussion angelangt. Wie viel Einfluss haben die Gene auf unsere Entwicklung und wie viel Einfluss hat das soziale Umfeld? Kann es tatsächlich passieren, dass ein Kind in liebevollen und fürsorglichen und optimalen Verhältnissen aufwächst und trotzdem unglücklich, unzufrieden, kriminell, gewalttätig wird? Einige Studien behaupten: ja! Ich frage mich, von wann diese Studien sind, denn der Umgang mit dem Thema Adoption war früher ein anderer. Nämlich der, möglichst nicht darüber zu sprechen und alles unter den Teppich zu kehren. Und ich kann mir vorstellen, dass dies für die Entwicklung von Kindern absolut nicht zuträglich ist. Und was sind überhaupt „optimale“ Bedingungen?

Wahrscheinlich ist es wie mit den meisten Dingen: Eine einzige Ursache lässt sich nicht finden und es sind multifaktorielle Ursachen. Wie viele leibliche Eltern haben unglückliche, unzufriedene und kriminelle Kinder? Ja, auch das gibt es! Auch bei einem leiblichen Kind weiß man nicht, wie es sich entwickelt…ob es gesund, fröhlich und glücklich groß wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Dinge fügen werden, wenn wir unserem zukünftigen Kind ein liebevolles, aufmerksames und achtsames Umfeld zum Aufwachsen schaffen…alles andere liegt eh nicht in unseren Händen.

Also ja! Wir sind auf dem richtigen Weg!

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11 Gedanken zu “Wer sind überhaupt diese Gene?

  1. Liesl schreibt:

    Liebe Frau Bitte!
    Schon lange lese ich Ihren Blog und immer wieder mal sprechen Sie mir aus der Seele. Noch nie hab ich mich über einen Kommentar getraut… Aber jetzt ist es soweit – ich versuchs mal 🙂
    Ich kenne mittlerweile 3 Kinder, die adoptiert wurden. Eines ist gerade mal 3, die beiden anderen junge Erwachsene, wie es so schön heißt! Eines wächst in einer Familie ohne Geschwister auf, mit Eltern, die ganz bodenständige Jobs haben, sehr aktiv und sportlich sind – die leibliche Mutter hat die ganze Schwangerschaft über geraucht, Drogen konsumiert und in nicht ganz zweifelsfreien Jobs gearbeitet. Ein anderes lebt in einer Lehrerfamilie mit vielen Geschwistern (insgesamt glaub ich 5!), wo viel musiziert und in der Pfarre gearbeitet wird – da weiß ich leider nix von der leiblichen Mutter. Das dritte Kind ist das Kind von einem Ärtzeehepaar, das kurz nach seiner Ankunft im neuen zu Hause ein Geschwisterchen bekam (purer Zufall – der Sache ging ein Kinderwunschweg von 5 Jahren voraus!), die Familie reist sehr viel und ist immer unterwegs – die leibliche Mutter, eine Inderin, hat das Baby gleich nach der Geburt in ein Kinderheim gegeben, das von Mutter Teresa herself geleitet und betreut wurde. Komplett unterschiedlich also alle 3.
    Alle drei kommen aus einem problembehafteten Umfeld – aber eines jedoch haben Sie alle gemeinsam: sie sind ganz arg gewünscht und sooo liebevoll in ihren Adoptivfamilien aufgenommen worden und sie sind zu ganz normalen Kindern/Jugendlichen herangewachsen, keiner ist gewalttätig oder „gestört“ (blödes Wort), sie sind emphatisch und hilfsbereit, jedes hat seine ganze eigene Stärke und unterschiedliche Talente. Mit einem Wort: liebenswert!
    Es gibt ein Sprichwort, ich weiß nicht von wem es ist, aber es passt hier einfach perfekt: mit einer Kindheit voll Liebe kann mein ein ganzes Leben hindurch haushalten. Und ich finde, es ist völlig egal, ob diese Liebe von den leiblichen oder den Adoptiveltern kommt – hauptsache, sie kommt 🙂
    Alles Liebe, Liesl

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    • Liebe Liesl, ich freue mich sehr, dass Sie sich an einen Komentar getraut haben und dann gleich an einen so wundervollen😊 Ich freue mich immer über positive Erfahrungen und Erlebnisse, gerade weil das Thema so umstritten ist. Manchmal ist es schwer, sich nicht verunsichern und entmutigen zu lassen. Da helfen mir Berichte wie Ihrer sehr! Vielen Dank!
      Ihnen auch alles Liebe,
      FrauBitte

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  2. Ich oute mich mal als Sozialkonstuktivismus, ich denke Gene sind für so hübsche und umhübsche Geschichten wie „Augenfarbe“, „Haarfarbe“ aber auch „Darmkrebsrisiko“ verantwortlich, alles andere hängt doch stark von der Umgebung ab, in der das Baby (mal den einfachsten Fall genommen) aufwächst: Das kommt ja nicht in eine unbeschriebene Gesellschaft und Familie, sondern in ein sehr spezifisches Umfeld, dass das Baby – zum Beispiel bei Euch:) fördert in seinen Interessen, ihm eine liebevolles Nest baut und und und…ich glaube dass Sozialität, was ja im Zweifel vor allem „Wiederholung, Wiederholung“ ist, auch Sachen, die vielleicht genetisch „angelegt“ sind, veränderbar sind…Das folgt meine Grundüberzeugung, dass wir das Leben gestalten können und das es eben noch determiniert ist….hoffe, das war jetzt nicht zu weit hergeholt, ich finde Eure Entscheidung großartig und würde auch diesen Weg gehen:)

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  3. Liebe Frau Bitte,

    Ich habe dazu auch Erfahrungen aus 2. Hand. Die Tante meines Mannes wie auch ihre Freundin haben sich beide vor 20 Jahren (fast zeitgleich) für eine Adoption entschieden. Beide erhielten Nachricht vom Jugendamt, dass es in Berlin einen Baby für Sie gibt.

    Überwältigt von ihrem Glück, haben sie damals nicht viele Fragen gestellt. Beide Kinder haben sich problematisch entwickelt. Waren geistig nicht so entwicklungsstark wie die Kinder im Umfeld und hatten gesundheitliche Beeinträchtigungen.

    Die beiden haben sich dann ausgetauscht und zusammen beim Jugendamt Nachfragen gestellt, auch aus Sorge um die gesundheitliche Entwicklung des KIndes.

    Erst als die Kinder schon eingeschult waren und die Eltern sehr hartnäckig nachgehakt haben, stellte sich heraus dass beide Kinder von drogenabhängigen Müttern stammen, die erst viel zu spät ihre Schwangerschaft bemerkten und diese Kinder nicht wollten. Bei dem einem Kind hat die Mutter sogar versucht sich umzubringen. Wurde zusätzlich im Krankenhaus mit Medikamenten vollgepumpt.

    Die Adoptiveltern sagen auch heute noch. Wir bereuen nichts. Wir sind glücklich. Es wäre nur einfacher gewesen diese Informationen von Anfang an zu haben, damit Ärzte und auch Lehrer entsprechend auf das Kind eingehen können. Denn am Ende hat das Kind unnötig gelieten, an Untersuchungen die man dem Kind hätter ersparen können.

    Ich hoffe es klingt nicht all zu negativ. Eigentlich will ich dir sagen, versuche soviel wie möglich über die Herkunft deines Kindes herauszufinden und zwar von Anfang an, damit du bei Problemen handeln kannst und nicht rätzeln musst.

    Und bei den Vorrednern kann ich mich nur anschließen. Beide Kinder werden unglaublich geliebt und sind ein Segen für ihre Eltern.

    Gruß und Kuss – Die Tine

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    • Liebe Tine, tausend Dank für Deine Worte. Wir haben auch schon häufiger von solchen Fällen gehört. Was unser Jugendamt angeht, haben wir beide ein sehr gutes Gefühl und ich glaube, dass die Mitarbeiter uns alles mitteilen, was sie über das Kind wissen. Wir haben auch ganz klar mit Ihnen besprechen können, dass wir uns ein Kind mit fetalem Alkoholsyndrom nicht zutrauen würden. Das Problem ist leider nur, dass die leibliche Mutter nicht immer komplett offen legt, wie sie die Schwangerschaft verbracht hat. Ein Restrisiko besteht also trotzdem. Wir werden versuchen, alles was möglich ist zu erfahren und auf unser Gefühl zu achten, wenn wir ein Würmchen kennenlernen dürfen. Aber es ist sehr schön zu hören, dass man auch solche Unwegsamkeiten überwinden kann und mit der Situation und als Familie glücklich sein kann.
      Liebste Grüße,
      FrauBitte

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  4. Dori schreibt:

    Was haben wir gelernt? Only bad news are good news. Getreu diesem Motto dokumentieren, analysieren und zerpflücken unsere Medien, Missstände, Probleme und Schicksale. Das ist sicherlich in vielen Fällen wichtig, um ein Bewusstsein für Geschehnisse und Zusammenhänge zu schaffen. Aber stell Dir einmal vor, in der reg. Abozeitung Deiner Wahl wird ein Porträt einer sehr glücklichen Adoptionsfamilie abgedruckt. Das erscheint dem gemeinen Leser als unkritisch, vielleicht auch flach. Und schon werden die negativen Seiten beleuchtet und minutiös beschrieben. Sicherlich gibt es die auch! Und den Weg, den Ihr bisher beschritten habt, war auch alles andere als leicht. Was ich aber sagen möchte ist, dass es so viele Fälle gibt in denen ein adoptiertes Kind ein liebevolles Zuhause erhalten und seinen Lebensweg gefunden hat. Darüber wird nur nicht so häufig berichtet. Umso mehr freue ich mich über all die wunderbaren, unterstützenden und ermutigenden Kommentare.

    XO
    Die Dori

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  5. Liebe Dori, ja, wahrscheinlich hast Du recht. In zweifelvollen Momenten werde ich in Zukunft lieber die tollen Kommentare lesen und die Zeitungsberichte links liegen lassen😊 Das ist meinem Wohlbefinden bestimmt zuträglicher😃 Vielen Dank für Deinen ebenfalls sehr unterstützenden und ermutigenden Kommentar. Hab ein schönes Wochenende, FrauBitte

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