Ach übrigens, was wir Dir immer schon mal sagen wollten…

Bereits während des Vorbereitungsseminars beim Jugendamt war es ein großes Thema:

Wann erzählen wir unserem Kind, dass es adoptiert ist?

Während man früher der Ansicht war, es sei das Beste für das Kind, wenn es nicht wüsste, dass es adoptiert ist, und „ganz normal“ aufwächst, ist man heute der Ansicht, dass es für die emotionale Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist, zu wissen, woher es kommt. Das Kind soll über seine Herkunft absolut im Bilde sein.

Ich habe letztens einen Bericht zum Thema „Samenspende“ im Fernsehen geschaut und die junge Frau, die durch Samenspende gezeugt wurde, hat erst sehr spät davon erfahren, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Papa ist. Sie beschrieb in dem Film, dass sie schon immer ein komisches Verhältnis zu ihrem Vater hatte, es aber nie richtig in Worte fassen oder erklären konnte. Sie schien schon früh bemerkt zu haben, dass etwas an ihr „anders“ war. Ich glaube nicht, dass dieses Gefühl daher kam, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Vater war. Was ich damit sagen will ist, dass ich glaube, dass Kinder sehr feine Antenne dafür haben, wenn etwas „in der Luft liegt“ und ich glaube auch, dass es viel Verunsicherung und mitunter auch Angst auslösen kann, wenn nicht darüber gesprochen wird.

HerrBitte und ich haben uns fest vorgenommen, Adoption, leiblicheEltern und Herkunft von Anfang an begleitend zu thematisieren. Das Jugendamt riet uns, das Kind sobald es nach seiner Herkunft fragt, damit zu konfrontieren. Das fühlt sich für uns aber zu spät und nicht richtig an. Mir ist klar, dass wir unserem zukünftigen Kind nicht sekündlich seine Herkunftsgeschichte auf die Nase binden sollten, sondern dosiert und in einem guten Setting, aber die Bauchmama und (wenn möglich) der Bauchpapa werden sicherlich thematisiert, bevor unser Kind sprechen kann…immer mal wieder…auf dem Wickeltisch, im Lebensbuch, beim Bilder schauen…

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15 Gedanken zu “Ach übrigens, was wir Dir immer schon mal sagen wollten…

  1. Liebe Frau Bitte, das finde ich super!! Mein Cousin wurde adoptiert, als er 1 Jahr alt war und meine Tante hat später noch 2 leibliche Kinder bekommen. Es wurde von Anfang an erklärt, dass er bei einer anderen Frau im Bauch war, seine Mama jedoch meine Tante ist. Das war für ihn nie anders und es gab nie die große Erklärung mit den Worten „wir müssen Dir da was sagen“.

    Ein anderes Beispiel ist meine Mum – sie hat einen anderen Vater als ihre 4 Geschwister und hat es erst mit 17 Jahren erfahren. Für sie war das wahnsinnig schlimm und sie hat es immer als Lebenslüge empfunden!

    Ich finde, so wie Ihr das alles macht und Eure Einstellung zu dem Thema ist wirklich toll!!

    Viele liebe Grüße
    Kitty

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  2. Ich finde das auch sehr gut!
    Mein Patenkind ist gleichzeitig ein Pflegekind und ihr wurde das auch von Anfang an gesagt, dass es die Mama und die Bauchmama gibt. Und da niemand doof tat, gab es auch gar keinen Raum dafür, um das Thema als unangenehm zu empfinden. Sie ist nun 7 und weiß schon besser Bescheid. So ist sie aufgewachsen und ich habe nicht das Gefühl, dass es irgendein Problem für sie ist. Wichtig ist eben neutral zu bleiben. Und im Teenageralter wird es ganz, ganz sicher eher Probleme geben. Aber auch das ist normal. Meine Geschwister sind beide adoptiert und da krachte es so einige Male. Mein Bruder ist sehr temperamentvoll, meine Schwester introvertiert. Und entsprechend ihrer Charaktere sind sie mit dem Thema anders umgegangen.

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    • Huhu, es ist wirklich verrückt zu lesen, wie viele Menschen mit dem Thema Adoption zu tun haben, entweder direkt oder indirekt…das ist total spannend! Sind Deine Geschwister älter oder jünger als Du? Ja, das es in der Pubertät dann kracht, kommt wahrscheinlich in den besten und normalsten Familien vor, hehe 🙂 LG

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      • Bei uns ist es eh ganz durcheinander. 😀 Wir sind eine Patchworkfamilie: Meine Mum & ich und dann mein „Dad“ mit meinen Geschwistern, die er 85 und 87 mit seiner Exfrau adoptierte. 😉 Eine Familie sind wir seit ich 10 und meine Geschwister 14 sind.
        Mein Bruder wurde mit 6 Wochen adoptiert, meine Schwester mit 2 1/2 und die beiden sind nur 1 Monat auseinander.
        Übrigens, mein Bruder und ich sind uns so ähnlich, dass es manches Mal schon gruselig war. 😉
        Meine Schwester ist seit 7 Monaten selbst Mutter und macht alles wunderbar.

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  3. Als wir uns als Pflegeeltern beworben haben sagte man uns, dass man dem Kind quasi schon auf dem Wickeltisch (sofern es denn noch so klein ist) erzählen soll wann und wie es in die Familie kam. Denn dann hätte man eben nie dieses „Wann sag ich es dem Kind?“ und das „Warten auf den richtigen Zeitpunkt“

    Außerdem empfahlen sie, den Tag an dem das Kind in die Familie kam jedes Jahr zu „feiern“ und etwas Tolles zu unternehmen.

    Somit sei dem Kind 1. immer klar dass es sehr gewollt ist und 2. sehr geliebt wird.

    Ist bei einem Pflegekind sicherlich nochmal etwas anderes, da dieses ja idR in die leibliche Familie zurück kommt.

    Trotzdem fand und finde ich es eine sehr schöne „Lösung“.

    LG

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    • Ja, da hast Du recht. Ich denke, von dem Umgang mit dem Thema dem Kind gegenüber ist es gar nicht sooo ein Unterschied. Dass der „Ankomm“-Tag gefeiert wird, habe ich auch schon von Adoptiveltern gehört. Das finde ich sehr schön! GLG

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      • Ich habe mir den Ankommtag meines Patenkindes (Pflegekind) auf den Arm tätowieren lassen. Denn das war der Tag, an dem sich mein Leben grundlegend veränderte. Nicht der Tag ihrer Geburt. 🙂 Jedes Mal wird gefragt, ob sie sich das Tattoo ansehen darf und jedes Mal soll ich erzählen, was es für mich bedeutet. 🙂

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  4. Liebe Frau Bitte,
    ich finde es auch gut, dass ihr das so „handhaben“ werdet. Bei uns würde es halt ähnlich laufen, wir werden dem Kind (vorrausgesetzt es klappt irgendwann mal ;-)) früh genug versuchen zu erklären, dass der Papa nicht der leibliche Papa ist. Wie oder wann kann ich hier und jetzt noch nicht sagen. Ich weiß nur, dass es wichtig für das Kind ist und ich finde es hat ein Recht darauf davon zu erfahren.

    LG 😉

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    • Huhu, ja, irgendwie ist Euer Fall ja noch ein bisschen spezieller…finde es fast noch schwieriger, das einem Kind zu erklären …da muss man gleich so in die Tiefen der Aufklärung einsteigen, uiuiui 😉 Bin sehr gespannt zu lesen, wie ihr das macht! Aber wichtig ist es allemal, da hast Du recht! Und klappen wird es ganz bestimmt, ich drücke Daumen!!! LG

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  5. Ich finde das eine sehr mutige Entscheidung von euch!
    Ich bin selbst als Kuckuckskind aufgewachsen und habe erst mit 17 Jahren die Wahrheit über meine Herkunft erfahren. Das war wirklich sehr schlimm für mich und mir ist dieses Erlebnis auch heute noch traumatisch und fast täglich bewusst.
    Ich wäre froh, ich hätte es nie erfahren – oder vielleicht doch besser sehr früh erfahren?
    Meine Eltern wollten es mir immer sagen, haben aber den richtigen Zeitpunkt verpasst.
    Irgendwann mit 3 Jahren muss ich es `gewusst` haben, denn man ging sehr offen damit um und wies mich auch darauf hin. Ich selbst habe wohl als Kind beschlossen, dem keine Bedeutung beizumessen und habe es bis zur Unwissenheit verdrängt. Tja, bis die Geschichte mit 17 Jahren wieder ans Tageslicht kam – und zwar nicht durch meine Eltern, sondern durch meinen leiblichen Vater.
    Es ist wirklich sehr schwer den richtigen Umgang mit der Situation zu finden. Momentan hab ich diese Überlegungen selbst, weil für uns der `Spenderweg` immer näher kommt.
    Ich denke, dass ich das in der Situation entscheiden werde, wenn wir jemals an dem Punkt sind.
    Dann kann uns natürlich das selbe passieren wie meinen Eltern…

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    • Liebe Spring, ja, ich glaube auch, dass es sehr schnell passieren kann, dass man den „richtigen“ Zeitpunkt verpasst…wahrscheinlich gibt es den „richtigen“ Zeitpunkt auch gar nicht…und es ist das Beste, wenn das Thema immer mal wieder nebenher thematisiert wird…es ist ja bei Euch ähnlich wie bei Biene…das „Spenderthema“ zu erklären finde ich persönlich auch wirklich nochmal ne Spur schwieriger als Adoption zu erklären. Aber ihr werdet sicherlich einen guten Weg finden…gerade weil Du aus eigener Erfahrung weißt, wie es sich anfühlt, wenn man es dann viel später durch Zufall erfährt.
      GLG

      PS: Ich hoffe, es geht Dir etwas besser:-*

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