8 Wochen zittern?!

Schon während wir den Bogen vom Jugendamt ausfüllten, mussten wir uns Gedanken machen über dieses kleine heimtückische Monster namens 8Wochen Frist. Frühestens acht Wochen nach Geburt des Kindes können die leiblichen Eltern zur Adoption einwilligen und zum Notar gehen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die leiblichen Eltern mindestens 8 Wochen lang Zeit haben, von dem Vorhaben, das Kind zur Adoption freizugeben, zurückzutreten und ihr Kind wiederzubekommen. Manchmal kann es auch sein, dass es länger dauert, bis die leiblichen Eltern zum Notar gehen. So sinnvoll ich die Regelung finde, so habe ich auch wirklich Angst davor und sie macht mir ein unbehagliches Gefühl. Was ist denn nur, wenn wir wirklich ein kleines Würmchen vermittelt bekommen und diese Frist auf uns zu kommt? Wie verhalte ich mich innerhalb dieser Frist? Kann ich 100% Gefühl zulassen oder bin ich verhalten? Nein wartet, ich kann mich ganz sicher nicht zurückhaltend und abwartend verhalten. Ich weiß, dass ich sofort mit Haut und Haar und Herz und Hirn für dieses Kind da sein werde. Aber es dann wieder abgeben? Wie soll das gehen? Kann man sich auf so etwas vorbereiten? Wenn ja, wie? Wie verhalte ich mich richtig, dass es sowohl dem Kind als auch mir gut geht?!

Die Sache möglichst rational zu betrachten hilft mir momentan am Besten. Ich weiß, das Jugendamt versucht die leibliche Mutter möglichst genau kennenzulernen, ein Gefühl für sie und ihre Entscheidung zu entwickeln. Wie sicher ist sie in ihrer Entscheidung? Schwankt sie noch? Hat sie Zweifel? In diesem Falle würde das Kind zunächst in einer Bereitschaftspflegestelle untergebracht werden, bis die Mutter sich entscheidet und erst dann zur Adoption vermittelt werden. Doch auch die zweifelloseste, sicherste und klarste Mama kann ihre Entscheidung von jetzt auf gleich revidieren, sobald sie ihr Baby auf dem Arm hält.

Nun ja, keiner hat gesagt, dass es leicht wird. So ganz ohne Risiko wird’s nicht gehen. Ich hoffe und harre der Dinge, die da kommen werden!

An alle da draußen, die diese acht Wochen schon durchgestanden haben: Wie habt ihr das gemacht? Was hat Euch geholfen?

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7 Gedanken zu “8 Wochen zittern?!

  1. Hallo! Es ist toll, noch jemanden zu finden, der sich mit dem Thema Adoption auseinandersetzt und darüber einen Blog schreibt! Das ist im Netz nicht oft zu finden.

    Zur 8-Wochen-Frist: natürlich ist einem bewußt, daß sich die leibliche Mutter noch einmal umentscheiden kann. Und man versucht, es zu bewerten als ein „es wäre ja auch schön fürs Kind, wenn es bei seiner leiblichen Mutter aufwachsen könnte“. Rein emotional sieht es dann doch von Anbeginn an etwas anders aus… Uns war es nicht möglich, uns mit Handbremse auf Klein-E einzulassen und waren ihr schon beim ersten Kennenlernen verfallen. Es wäre schlimm gewesen, wenn wir sie hätten abgeben müssen, ganz und gar unvorstellbar. Das läßt sich auch nicht schönreden. Ist wohl ein ähnliches Gefühl, was die leibliche Mutter beim Abgeben verspürt haben mag. Unterm Strich bleibt nur: diese Ungewissheit müssen werdende Adoptiveltern einfach aushalten, Punkt. Sobald man ein Kind in seiner Obhut hat wird man es lieben und zwar 100%ig und wird den Gedanken, daß es einem wieder genommen werden könnte, verdrängen. Für Zweifel ist bei all den Emotionen, die man verspürt, irgendwie kein Platz. Ab und an (wie bei unserem Treffen mit der leiblichen Mutter, Link siehe unten) habe ich Angst verspürt, aber diese Angst ist definitiv nicht dauerpräsent. In den Adoptionsseminaren habe ich eine Mutter kennengelernt, die ihr erstes vermitteltes Kind tatsächlich wieder abgeben musste und für die diese Erfahrung natürlich einfach nur fürchterlich war. Kurz darauf hat sie ein zweites Kind vermittelt bekommen und ist nun sehr glücklich, dennoch kommen ihr immer noch die Tränen, wenn sie von „ihrem ersten Kind“ spricht.
    Im Rahmen unserer KiWu-Zeit haben wir alle eigentlich ausreichend Erfahrung mit dem Gedanken gemacht: es gibt eine Chance auf ein Kind. Auch wenn man dann schwanger wird mit aller Mühe, ist es dennoch bis zur Geburt eine Chance, keine Garantie. Aber eben mit dem Unterschied, daß man das betreffende Kind noch nicht kennengelernt und in seinen Armen gehalten hat. Sobald das der Fall ist, kommt man mit seinem Verstand und allen möglichen Techniken, sich zu schützen, nicht sehr weit. Aber, um das Ganze positiv abzuschließen: die Chance, daß man zusammenbleibt, ist hoch. Sehr hoch. Und jeder Tag, den man mit „seinem“ Kind verbringen darf, ist ein Geschenk was man nicht missen wollen wird, egal, wie die Geschichte ausgeht.

    Hier noch der Link zum Januar 2014, die Zeit um die Freigabeunterschrift für Klein-E. Der Bericht über unser erstes Treffen mit der leiblichen Mutter steht dann eins drüber.

    https://verdinkst.wordpress.com/2014/01/21/mulmiges-gefuhl/

    Freu Dich auf das, was kommt!!! Es wird großartig!!!

    Emma

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    • Liebe Emma,

      tausend Dank für Deinen Kommentar. Ich finde es ganz wunderbar hier ein bisschen Austausch zu finden und gerade von jemandem, der das ganze Procedere schon durchlaufen hat, ist es besonders wertvoll.
      Leider kann ich Deinen Beitrag nicht lesen, da er passwortgeschützt ist…magst Du mir das Passwort per Mail schicken?
      Wahrscheinlich hast Du recht: Es ist eine Chance und keine Garantie! Jetzt mit nem schlechten Gefühl an die Sache heranzugehen, macht auch keinen Sinn. Wir werden abwarten müssen, was passiert und dann schauen, wie wir damit umgehen. Ich finde diese Frist ist grundsätzlich eine gute Sache, die leiblichen Eltern sollen ja keine schnelle Entscheidung treffen müssen…die Entscheidung ist schwer genug!
      Ich freue mich von Dir und Euerm Erlebten zu lesen:)
      GLG, FrauBitte

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    • KleinMi-Au schreibt:

      Hallo Emma,

      dein Beitrag ist schon was älter, vielleicht liest du es trotzdem noch. Wir stecken gerade noch in der „Prüfungsphase“, sind aber in 3 Wochen durch. Dann beginnt das lange warten. Ich mache mir auch ständig (neben tausend anderen Dingen 😉 ) Gedanken um die 8 Wochen frist. Würdest du mir dein Passwort schicken? Ich würde gerne an deinen Erfahrungen teilhaben.
      Ganz liebe Grüße
      KleinMi-Au

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      • Liebe Klein-Miau,

        ich wünsche Euch ganz viel Glück für Eure Eignungsphase!
        Schreib doch Emma am Besten eine Nachricht auf ihrem Blog, da wird sie es auf jeden Fall lesen😊
        Beste Grüße

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  2. Das schaffen wir! Ich habe diese Frist noch schön brav vor mich hingeschoben. Mir gedacht, es muss erst einmal soweit sein. Aber ich glaube es wird echt hart werden. Unsere JA Mitarbeiterin hat gesagt, wir sollen das Baby in der Zeit erst einmal als Gast sehen, der jederzeit wieder gehen kann. Nicht als selbstverständlich. Das macht die Sache aber leider auch nicht leichter.
    Ganz liebe Grüße

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    • Jaaa, irgendwie werden wir das schaffen. 🙂
      Puh, ich finde die Vorstellung, das Kind „nur“ als Gast zu betrachten, ziemlich krass und weiß nicht, ob ich das so können werde. Und was ist, wenn sich die Frist dann länger hinzieht…über Jahre? Ich bin ganz gespannt, ob wir dazu noch Tipps von unseren JAMitarbeiterinnen bekommen. Aber noch gespannter, wie es sich dann wirklich anfühlen wird!
      GLG

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