Gedankenkarussell

Vor einiger Zeit bin ich auf den Blog von Katja gestoßen. Ihre Geschichte und ihr Umgang mit dem Thema Adoption finde ich sehr spannend und beeindruckend. Im Zuge dessen kreisten meine Gedanken auch wieder vermehrt um das Thema leibliches Kind und nicht-leibliches Kind. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, was mich so beschäftigt und berührt… Einerseits ist da dieser Wunsch nach einem leiblichen Kind, schwanger sein, eine Geburt erleben…auf der anderen Seite frage ich mich, von welcher Bedeutung es überhaupt ist, ob unser Kind ein leibliches oder eben nicht leibliches Kind ist…vielleicht ist es auch irgendwie bloß so ein EvolutionsEgo-Ding „Helau, wir streuen unsere Gene ins Volk.“, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es im echten Leben nachher keinen Unterschied machen wird, ob unser Kind nun genetisch unser Kind ist oder eben nicht.

Und klar, wir sind erstmal den konventionellen Weg gegangen, um eine Familie zu werden und haben erst als dieser Weg nicht möglich war, den Weg der Adoption beschritten. Und genau hier setzt mein Gedankenkarussel ein.

Ich mache mir Sorgen, dass sich unser zukünftiges Adoptivkind als Lückenfüller oder Ersatz für ein leibliches Kind und damit weniger wert oder weniger geliebt fühlen könnte. Vielleicht stellt es sich seine Eltern in einem Eissalon vor, wie sie voller Sehnsucht Schokoladeneis bestellen und die Verkäuferin ihnen sagt, dass Schokolade leider aus ist und wie sie dann voller Verzweiflung hin und her überlegen und dann wohl oder übel Zitroneneis wählen. Genau das möchte ich für unser Kind nicht und könnte das Aufkommen dieses Gedankens doch so gut nachempfinden. (Und bitte versteht mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, das Kinderkriegen mit der Wahl einer Eissorte zu vergleichen, es geht mir vielmehr um den Vergleich mit einer kindlichen Sichtweise.)

HerrBitte jedoch sieht das ganze etwas anders. Wir möchten eine Familie sein und haben viel zu geben…Liebe, Zuneigung, Sicherheit…und bisher eben noch nicht die Möglichkeit dazu bekommen. Wir entscheiden uns jedoch jetzt ganz aktiv für ein Adoptivkind, und im Hinblick auf ein erstes Kennenlernen, auch ganz aktiv für DAS eine und spezielle Kind, das wir aufnehmen. Bei einer Schwangerschaft könnten wir diesen aktiven Schritt so schließlich nicht beschreiten.

Aber egal wie man’s dreht und wendet, ein gewisser Egoismus, nämlich der, unseren Kinderwunsch zu erfüllen, lässt sich nicht abstreiten. Und genau den Gedanken bekomme ich nicht fertig gedacht…

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5 Gedanken zu “Gedankenkarussell

  1. jirinainlove schreibt:

    Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Aber du darfst dir keine Vorwürfe machen. An sich ist es eine ähnliche Situation, wenn man nach einer Fehlgeburt ein Kind bekommt. Das Kind wäre nicht entstanden, wenn es nicht vorher die Fehlgeburt gegeben hätte. Wenn ich jetzt wieder schwanger werden würde, würde ich auch denken, dass das Kind ein Lückenfüller ist. Aber wenn das Kind dann da ist, man es das erste mal gesehen hat, dann liebt man sein Kind. Unabhängig wie es entstanden ist, wie die Vorgeschichte war, unabhängig ob es ein leibliches Kind ist oder nicht.
    Deinen Vergleich würde ich gerne ergänzen. Das Schokoeis ist alle und wir entscheiden uns fürs Zitroneneis. Bis das Eis da ist zweifeln wir, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, ob wir nicht vielleicht ganz verzichten sollten. Doch dann kommt das Zitroneneis. Es schmeckt besser als erwartet. Völlig anders als Schokoeis, aber trotzdem gleich gut. Wir können es als Chance sehen etwas anderes als ursprünglich gewünscht zu testen. Es ist nicht egoistisch einfach eine andere Eissorte zu nehmen. Es ist auch nicht egoistisch ein Kind des Kiwus wegens zu adoptieren. Im Gegenteil ihr gibt dem Kind eine neue Chance, ein besseres Leben und Geborgenheit.
    Ich hoffe, du hast verstanden was ich damit sagen wollte. Auch durch eine unglückliche Situation kann etwas tolles, etwas schönes entstehen. Es war nicht so geplant und erhofft, aber es ist auf andere Weise mindestens genauso gut.
    Liebe Grüße

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Jirina, Du hast so ziemlich genau das aufgeschrieben was auch meine Gedanken waren :*

      Liebe FrauBitte, ich sehe es so wie Jirina und Dein Mann, ja Eure Entscheidung ein Kind zu adoptieren kommt aus einer gewissen Situation heraus, aber ihr wollt einem Kind, das sicherlich keine schöne Zukunft ohne Paare wie euch hätte, ein wunderbares Leben bieten. Es wird alles haben was ein Kind braucht: Eltern, die das Kind lieben & damit das geborgene Gefühl einer Familie. Und ich bin mir sicher dass Euer Kind nie das Gefühl haben wird „ich bin ja nur 2. Wahl“.
      Alles Liebe Euch :*

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Mädels, vielen Dank für Eure Gedanken. Ich glaube, so langsam bekomme ich eine Idee davon, wie man es auch durchdenken kann:) Ich bin sooo gespannt, wie es später mal sein wird und wie ich diesen Post in zehn Jahren bewerten werde.
    Ganz liebe Grüße und habt ein schönes langes Wochenende!!

    Gefällt 1 Person

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