Abschied

Der Titel dieses Beitrages steht schon sehr lange auf meiner brainstorm-BlogListe. Irgendwie scheue ich mich davor, ihn zu schreiben. Abschied nehmen liegt mir nämlich so gar nicht! Den Abschied aufs (virtuelle) Papier bringen…das macht ihn so real, das vollzieht ihn ein Stückchen mehr…

Und trotzdem muss ich Abschied nehmen, Abschied von dem Gedanken, irgendwann einmal schwanger zu sein. Die Seiten in Modemagazinen mit der Schwangerschaftsmode überblättern ohne daran zu denken „Irgendwann kann ich das auch anziehen!“, das Pröbchen FreiÖl (gegen Schwangerschaftsstreifen), das wir mal von der Apotheke bekommen haben und das seitdem in unserem Badezimmerschrank auf seinen Einsatz wartete, in den Müll schmeißen (vermutlich ist es eh schon abgelaufen) und die Dose FolsäureTabletten vernichten. Und ich muss Abschied nehmen von dem Gedanken, mit dickem Bauch durch die Gegend zu watscheln und mich lauthals zu beklagen, wie beschwerlich alles ist! Und ich muss Abschied nehmen von einem leiblichen Kind. Einem Kind, das in meinem Bauch wächst, das ich vielleicht strampeln spüre. Einem Kind, das aus HerrnBitte und mir entstanden ist, einem Kind, das vielleicht die Nase von HerrnBitte haben würde oder seine Lippen oder seine Füße oder sein Temperament und vielleicht meine Augen oder Haarfarbe…diese Abschiede sind so sehr traurig für mich und irgendwie endgültig und ich glaube, es wird lange dauern bis ich mich mit ihnen versöhnen kann. Ein wenig Traurigkeit und Wehmut wird mich vielleicht auch für immer begleiten.

Aber trotzdem: Wo ein Abschied ist, ist auch immer ein Neuanfang. Und der macht mir Hoffnung und gibt mir Kraft. Und wer weiß, wofür der nicht noch alles gut ist?!

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16 Gedanken zu “Abschied

  1. Ich verstehe dich. Wir haben auch lange über das Thema Adoption gesprochen. Und ich tat mich mit den Gedanken, die du hast, schwer. Hätte der ICSI diesmal nicht geklappt, hätten wir nachher auf Spendersamen gesetzt. Doch das konnte ich mir schon schwer vorstellen, man träumt von einem Kind der Liebe.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass ihr bald euer Kind bekommt und eine glückliche Familie werdet.

    Lg
    Lila

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  2. jirinainlove schreibt:

    Das muss sehr schwer sein endgültig mit dem Thema abzuschließen. Sich vom eigenen Kind zu verabschieden. Und von einer Schwangerschaft.
    Umso mehr wünsche ich euch, dass bald DER Anruf kommt und ihr ein wundervolles Kind bekommen könnt.
    Liebe Grüße:*

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      • katja schreibt:

        Ein adoptiertes Kind IST ein eigenes Kind. Es ist nur kein leibliches. Vorsicht vor dem Kind mit solchen Formulierungen: das ist wahnsinnig verletzend. Nicht auszudenken, wie meine Tochter sich fühlen würde, sagte jemand sie sei nicht unser eigenes Kind.

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  3. Wenn ich das lese sehe ich eine ganz starke Frau vor mir. Ein unglaublich schwerer Schritt, Du verdienst den höchsten Respekt dass Du Deinem Schicksal so tief in die Augen siehst und Dich öffnest für den nächsten Schritt. Ich wünsche Euch so sehr, dass Euer Baby schon auf dem Weg zu Euch beiden ist, vielleicht muss es erst noch geboren werden, aber es kann sich auf wirklich starke, liebevolle und lebensbejahende Eltern freuen!

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  4. Ich finde auch, dass das sehr stark klingt, Respekt! Und ich drücke die Daumen für den baldigen Anruf vom Jugendamt. Manchmal geht es schneller als man denkt, Bekannte haben schon ein halbes Jahr nachdem sie offiziell „akzeptiert“ waren, ein Kind bekommen. Alles Gute!

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  5. Ich kann verstehen dass es sehr schwer ist von diesen Gedanken Abschied zu nehmen.
    Das wird bestimmt nicht so schnell gehen wie man es sich wünscht, aber ich bin mir ganz sicher, du schaffst das.
    Und wenn endlich der Anruf kommt, werdet ihr so aufgeregt und beschäftigt damit sein euch ins „neue“ Leben einzufinden, dass diese böse Gedanken in den Hintergrund geraten.
    Dann kommt die Liebe und ihr werdet anfangen ein kleines Wesen zu lieben und zu umsorgen und es zu prägen.
    Ich bin mir sicher, dass euer Kleines euch mit den Jahren immer ähnlicher wird. 🙂
    Ich wünsche dir, dass es dir irgendwann leichter fällt und du nicht mehr den Gedanken haben wirst, etwas verpasst zu haben.
    Liebste Grüße!

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  6. katja schreibt:

    Ich wünsche euch eine kurze Wartezeit und alles Gute. Mein Mann und ich hatten nie einen ausschliesslich leiblichen Kinderwunsch. Für uns war und ist Adoption immer gleichwertig gewesen, alleine schon, weil mein Mann offen und sehr glücklich adoptiert ist. Unsere Maus kam schneller als jedes leibliche Kind kommen konnte. Wenn noch ein Kind folgt, dann nur ein adoptiertes. Das ist unser Weg. Eine Schwangerschaft habe ich nie vermisst. Ich habe meine Tochter sogar gestillt. Alles in allem: Familie werden ist toll, völlig egal auf welchem Weg.

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    • Liebe Katja, vielen Dank! Es ist sehr spannend, was Du berichtest und das Thema leibliches und nicht-leibliches Kind beschäftigt mich sehr…da schwirrt mir so viel im Kopf herum, dass ich dazu nochmal einen eigenen post schreibe:)
      Ich habe schon gelesen, dass es möglich ist, auch als Adoptivmutter zu stillen, das ist ziemlich beeindruckend. Könnte ich Dich hierzu eventuell nochmal anschreiben bei Fragen? GLG

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      • katja schreibt:

        Selbstverständlich. Zum
        Thema leiblich/nicht leiblich. Da habe ich mir zu Kinderwunschzeiten (und auch vorher) noch nie Gedanken drum gemacht. Das war mir immer völlig egal. Ein Kind ist immer ein komplett neusortierter Genmischmasch, individueller geht nicht. Wir wollten immer Familie leben und das tun wir. Unsere Tochter ist unsere Tochter und uns so ähnlich, dass es zum Haareraufen ist.

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