Von der Bedeutung des herkömmlichen Buchladens

Es gibt Situationen im Leben, auf die ich wirklich, wirklich gerne verzichtet hätte. Diese Geschichte ist eine davon. Man könnte sie vielleicht auch nennen „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“, aber das wäre vielleicht zu vulgär.

Es ist ein ziemlich ruhiger und entspannter Samstagvormittag vor circa zwei Jahren. HerrBitte hat vor einigen Tagen ein Buch über einen Versandhandel bestellt. Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit der Kinderwunschbehandlung, ihren Möglichkeiten und Grenzen. Und eben genau um dieses Thema geht es in besagter Lektüre.

Plötzlich klingelt das Telefon und die Nachbarin von nebenan ist am Apparat. „Hallo, ja, ähm, hier hat jemand ein Päckchen in unseren Vorgarten geworfen. Das ist aufgerissen, die Rechnung lag etwas weiter weg, da stand Euer Name drauf.“ HerrBitte wird weiß und erstarrt…das wird doch wohl nicht?!?!…Doch!

Wir knobeln also aus, wer mit gesenktem Haupt rüber zu den Nachbarn gehen darf, um das Corpus Delicti abzuholen…es trifft mich! Schnell überlegen wir noch, ob es nicht eine wirklich gute Erklärung dafür geben könnte, warum wir Bücher mit diesem Titel bestellen. Vielleicht so was wie „Ach, das hab ich für ne gute Freundin bestellt.“ Oder „Komisch, da müssen die sich aber vertan haben, also DAS haben wir nun wirklich nicht bestellt.“ Alles hoffnungslos…die Situation ist eindeutig: Herr und FrauBitte sind ungewollt kinderlos!

Ich tapere also mit hochrotem Kopf rüber zu den Nachbarn und unerwarteter Weise entsteht nach meiner wahrheitsgemäßen Erklärung ein wirklich nettes Gespräch mit neuen Erkenntnissen über unsere Nachbarschaft. Und irgendwie hat mich diese Geschichte gelehrt, wenn man bei einem Tabuthema wie dem Kinderwunsch die Hüllen fallen lässt, ist es plötzlich kein Thema mehr, mit dem man alleine ist und man findet manchmal unerwartet heimliche Verbündete.

Trotz dieser durchaus positiven Quintessenz, kaufen wir „prekäres“ Buchmaterial jetzt nur noch auf altertümliche Weise in einem herkömmlichen Buchladen.

 »Notiz an den Briefträger: Es ist ganz furchtbar unprofessionell, Päckchen, die offensichtlich nicht in unseren Briefkasten passen, halbherzig in den Schlitz zu legen!!! Merken!!!

»Notiz an den Dieb: Ich weiß, Du hast wahrscheinlich etwas Besseres erwartet, als ein ödes Buch über Kinderwunschbehandlung…wenn es doch wenigstens ein Buch über „Wie kriege ich mein verpfuschtes Leben in den Griff“ oder „Wieviele Jahre Haft bekomme ich für Briefkastendiebstähle?“ gewesen wäre…vielleicht hättest Du damit mehr anfangen können? Ich für meinen Teil hätte mir von Dir (dem Meisterdieb) etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht…Du hättest das blöde Buch doch einfach drei Straße weiter wegschmeißen können…oder wenigstens die Rechnung verschwinden lassen können…aber vielleicht ist das von einem kleinen Gelegenheitsdieb zu viel erwartet.

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